Gemeinderat wieder komplett: Bauen entgeht dem Zwang
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Gemeinderat wieder komplettBauen entgeht dem Zwang

Die Urner Gemeinde Bauen ist der Zwangsverwaltung durch den Kanton gerade noch entgangen: Die Gemeindeversammlung wählte am Montagabend einen funktionsfähigen fünfköpfigen Gemeinderat.

Gemeindepräsident ist Hans Kempf, der bereits von 1999 bis 2005 der Kommune vorstand. Robi Aschwanden und Lisbeth Arnold sind die beiden anderen neuen Gemeinderatsmitglieder. Im Amt bestätigt wurden die Bisherigen Othmar Infanger und Bruno Arnold.

Vor Amtszwang geflohen

Bereits im November hatten die Stimmberechtigten der 200-Seelen- Gemeinde unweit des Rütli einen neuen Gemeinderat gewählt. Neben zwei Bisherigen wurden drei Neue gekürt - gegen deren Willen.

Weil im Kanton Uri Amtszwang herrscht, stellten die drei ein Gesuch auf Amtsentlassung. Sicherheitshalber verlegten sie zudem ihre Wohnsitze nach Flüelen und Seedorf.

Mit nur noch zwei Mitgliedern war der Gemeinderat aber nicht mehr beschlussfähig. Die Gemeindeversammlung vom Montagabend musste denn auch von der Kantonsregierung einberufen werden.

Kein Einzelfall

Die Probleme in Bauen sind exemplarisch für die wachsenden Schwierigkeiten kleiner Gemeinden, Freiwillige für die Exekutive zu finden. Erst letzten September war die Baselbieter 300-Seelen- Gemeinde Hersberg unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Rekingen im Aaargau hatte es im Jahr zuvor getroffen.

«Vor allem kleine, ländliche Gemeinden leiden unter Kandidatenmangel», sagte Ulich König, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Und das sind viele: Die Hälfte der 2636 Schweizer Gemeinden hat weniger als 1000 Einwohner.

Attraktivität steigern

Um dem Mangel an Frewilligen zu begegnen, plädiert König für eine Entwicklung des Milizsystems. In einem Bericht an den Bund schlägt der Gemeindeverband unter anderem eine Erhöhung der Entschädigung und eine Vereinheitlichung der Ausbildung für Gemeinderatsmitglieder und Kandidaten vor.

Für Gérald Mutrux, der die Gemeindedienste des Kantons Freiburg leitet, müssen die Aufgaben der Gemeinderatsmitglieder wieder attraktiver werden. Den Gemeinden könnten beispielswiese wieder mehr Aufgaben übertragen werden.

Fusionen können helfen

Trotz der vielen Vorschläge: Ein Patentrezept gegen den Freiwilligenmangel fehlt bisher. Der Trend zu Gemeindefusionen hat das Problem allerdings zum Teil entschärft

Als Lösung erwies sich eine Fusion im Fall von Estévenens FR, das 1999 nach dem geschlossenen Rücktritt des Gemeinderats unter Zwangsverwaltung gestellt worden war. Erst nach der Fusion mit anderen Flecken zu Vuisternens-devant-Romont wurde die Gemeinde 2003 wieder in die Unabhängigkeit entlassen.

Ohne Fusionen gäbe es heute im Kanton Freiburg laut Mutrux heute sehr viel mehr Vakanzen in Gemeindeexekutiven: Aus 244 Gemeinden im Jahr 2000 sind innerhalb von fünf Jahren 168 geworden. Eine weitere Fusionswelle ist bereits geplant. (sda)

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