Aktualisiert 28.02.2014 13:25

Falsche Stiftung

Bauer betrogen: 300'000 Franken weg

Mit einer erfundenen Stiftung entlockte eine Frau dem Appenzeller Bauer Josef B. mehrere hunderttausend Franken. Erst nach drei Jahren erstattete er Anzeige.

von
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Auf diesem Bauernhof überreichte Josef B. der mutmasslichen Betrügerin mehrmals Bargeld in der Höhe von mehreren Tausend Franken.

Auf diesem Bauernhof überreichte Josef B. der mutmasslichen Betrügerin mehrmals Bargeld in der Höhe von mehreren Tausend Franken.

«Ich dachte, ich kann Bauern in Not helfen und gleichzeitig Gewinn machen, jetzt ist mein Geld weg», sagt der Appenzeller Bauer Josef B.* Der 61-Jährige ist einer mutmasslichen Betrügerin auf den Leim gegangen. Ihren Anfang nahm die Geschichte 2006, als der Bauer in einem Inserat auf die Stiftung «Bauer hilft Bauer» aufmerksam wird.

Er meldet sich telefonisch bei der Verantwortlichen R.G.*, die dem Mann aus Haslen das Konzept der angeblich neu gegründeten Stiftung erklärt: Sponsoren und Bauern würden in einen Fonds einzahlen, der für Kleinbauern in Not bereit stehe, damit diese wichtige Investitionen in Maschinen und Hof tätigen könnten. Wer einzahle, könne später dann von einem solchen Kredit profitieren.

Allein an der Versammlung

B.* findet dies eine gute Idee und will in die Stiftung investieren. Da ihm die Frau eine Rendite von 50 Prozent verspricht, willigt er sofort ein. Noch im Sommer 2006 zahlt der Kleinbauer 20'000 Franken auf ein Konto von R.G.* ein. Immer wieder kommt die Frau in der Folge auf den zahlungswilligen Bauern zu und fragt ihn nach Geld, um das Loch in der Stiftungskasse zu stopfen. Verdacht schöpft B.* nicht: «Ich habe nie an dieser Stiftung gezweifelt, bis zum Schluss.»

Auch nach diesem Vorfall nicht: Im Dezember 2007 sei er ins Rheintal gereist, wo laut R.G.* die Hauptversammlung der Stiftung mit rund 30 Mitgliedern hätte stattfinden sollen. Doch im erwähnten Restaurant habe man ihn nur dumm angeschaut, von einer Konferenz wusste man gar nichts. Später habe ihm die Verantwortliche erklärt, sie habe einen schweren Virus eingefangen und die Veranstaltung deshalb absagen müssen.

Lösegeld nach Entführung

Neben der Stiftung gelangt G.* mit immer weiteren Geldforderungen an den Bauern. Grosszügig zahlt dieser 5000 Franken für ihr Auto, 15'000 Franken für die Rückreise aus den Ferien und im Sommer 2009 gar 10'000 Franken für ein angebliches Kidnapping in Italien.

Langsam wird nun aber auch B. misstrauisch: Ein Mann, der sich als Paul ausgibt und ebenfalls in der Stiftung mit dabei sein will, habe von ihm 30'000 Franken gefordert. «Man drohte, mich zu bevormunden», so B.* Von der Frau fordert er nun einen Teil seines Geldes zurück. Als diese ihm mitteilt, dass sich zwei Männer damit aus dem Staub gemacht hätten und er mit Paul in einen Streit um eine neuerliche Zahlung von 30'000 Franken gerät, ist es nun auch für ihn zu viel: Er geht im Oktober 2009 zur Polizei. Die Stiftung stellt sich als Lüge heraus, sie wurde nie gegründet.

Quittungen behalten

Immerhin kann B.* der Polizei seine Zahlungen beweisen: Er hatte jedes Mal eine Quittung ausgestellt und alle sorgfältig aufbewahrt. Eine Auflistung bringt das Ausmass ans Tageslicht: 226'900 Franken hat B.* über den Zeitraum von drei Jahren an G.* überwiesen. Hinzu kommen vermutlich weitere 100'000 Franken, die auf dem Konto der Frau gefunden wurden, für die es jedoch keine Quittung gibt.

Seit 2009 ermittelt die Staatsanwaltschaft und die Polizei Innerrhoden wegen gewerbsmässigen Betrugs gegen R.G.* Dies erweist sich aber als schwierig: Zuerst war die Frau zwei Jahre lang nicht auffindbar. Seither zögert sich das Verfahren heraus, da weitere mutmassliche Opfer der Frau eruiert werden konnten. Zum laufenden Verfahren will sich der leitende Staatsanwalt nicht äussern.

Die Angeschuldigte sieht sich selbst als Opfer, ein Mann namens Paul habe die Idee zur Stiftung gehabt und sie dazu angestachelt. Sie habe nur rund 50'000 Franken selber behalten, den Rest habe sie an Paul bezahlt. Zudem habe sie B.* nie zu einer Zahlung gedrängt. Für die Frau gilt die Unschuldsvermutung.

*Namen der Redaktion bekannt

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