Aktualisiert 02.06.2020 03:08

«Einfach nur makaber»

Bauer hängt tote Krähen als Vogelscheuchen auf

Ein Leser entdeckte auf dem Feld eines Bauern tote Krähen, die an einem Pfosten befestigt wurden. Der Landwirt will mit dieser verbotenen Methode Krähen abschrecken.

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Ein Bauer aus Grenchen hängte auf seinem Feld tote Krähen auf, um deren Artgenossen abzuschrecken.

Ein Bauer aus Grenchen hängte auf seinem Feld tote Krähen auf, um deren Artgenossen abzuschrecken.

pd
«Sie baumelten im Wind. Solche Methoden erinnern ans Mittelalter und sind einfach nur makaber», so der Leser.

«Sie baumelten im Wind. Solche Methoden erinnern ans Mittelalter und sind einfach nur makaber», so der Leser.

pd
Der Leser dachte zuerst, dass es sich dabei um Attrappen handelte.

Der Leser dachte zuerst, dass es sich dabei um Attrappen handelte.

pd

Darum gehts

  • Ein Leser entdeckte auf einem Feld in Grenchen SO mehrere tote Krähen, die kopfüber an Pfosten aufgehängt wurden.
  • Landwirte greifen zu solchen Methoden, um Krähen abzuschrecken.
  • Das Aufhängen von toten Vögeln verstösst gegen die Tierseuchengesetzgebung.

Täglich läuft M.D.* mit seinem Hund in Grenchen SO neben dem Feld eines lokalen Bauern vorbei. Dort beobachtete er am Samstag, wie sich dieser wild gestikulierend über eine Gruppe Krähen aufregte, die auf seinem frisch gesäten Feld weilten. «Er klatschte immer wieder in die Hände und versuchte die Krähen zu vertreiben. Er war sichtlich genervt», erzählt D. Auf dem Rückweg sah er den Bauern dann erneut: «Er stellte mehrere Pfosten auf und hängte etwas daran, was von weitem wie tote Krähen aussah.» Er sei im ersten Moment davon ausgegangen, dass es sich dabei um Attrappen handle.

Dennoch beschloss er nach einer Weile, das Ganze aus der Nähe zu betrachten. «Ich war schockiert. Der Bauer hatte tatsächlich echte, tote Krähen als Vogelscheuchen an ihren Beinen aufgehängt», so der Leser. Insgesamt drei Kadaver hingen kopfüber an je einem Pfosten auf dem Feld verteilt. «Sie baumelten im Wind. Solche Methoden erinnern ans Mittelalter und sind einfach nur makaber.» Zumal auch viele Familien mit Kindern am Feld vorbeilaufen würden: «Durch solche Aktionen werden nicht nur Krähen abgeschreckt, sondern auch Passanten und Kinder.»

Vorsichtsmassnahmen gegen Tierseuchen

Nach der gruseligen Entdeckung verständigte der Leser die Polizei. Diese schickte am Samstag eine Patrouille vorbei. Trotzdem hingen die toten Krähen am Pfingstmontag noch immer: «Einfach nur eine Schweinerei, mir fehlen die Worte», sagt D. Die Kantonspolizei Solothurn konnte sich am Pfingstmontag auf Anfrage nicht zum konkreten Fall äussern.

Fakt ist: Das Aufhängen von toten Vögeln verstösst gegen die Tierseuchengesetzgebung. Diese schreibt vor, dass Tierkadaver fachgerecht entsorgt werden müssen. Einschreiten müsste das kantonale Veterinäramt. Dieses war am Montag nicht erreichbar.

Laut dem Schweizer Tierschutz (STS) ist die Methode nutzlos: «Krähen merken sehr schnell, dass hier keine Gefahr besteht und sind mit diesem entwürdigenden Umgang nicht nachhaltig von den Feldern fernzuhalten», heisst es in einem STS-Merkblatt.

Viele Methoden

Immer wieder kommt es vor, dass Bauern tote Krähen zur Abschreckung auf ihren Feldern aufhängen (20 Minuten berichtete). Die Krähen sind für viele Landwirte eine Plage, da sich die Tiere sich an der Saat der Bauern zu schaffen machen. Um das Problem zu bekämpfen, schwören die Landwirte auf die unterschiedlichsten Methoden. Manche hängen reflektierende CDs oder mit Helium gefüllte Ballone auf. Andere verwenden akustische Vogelabwehrgeräte, verteilen Krähenfedern auf den Feldern oder schiessen die Tiere ab.

Intelligente Krähen

Krähen sind intelligente Tiere, besonders wenn es darum geht, an Nahrung zu kommen. Zum öffnen von Walnüssen lassen sie diese einfach aus mehreren Metern Höhe auf Plätze oder Strassen fallen. Zudem sind Krähen fähig, kleine Objekte wie beispielsweise Drähte als Werkzeuge einzusetzen.

(RC)

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