Gegen Foodwaste: Bauer sucht Zwetschgen-Käufer auf Facebook

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Gegen FoodwasteBauer sucht Zwetschgen-Käufer auf Facebook

Die Zwetschgenernte läuft auf Hochtouren. Um Foodwaste zu verhindern, weist ein Thurgauer Landwirt auf Social Media auf seine spontane Abverkaufaktion hin.

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maw
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In Neukirch TG hat ein Landwirt Probleme, alle geernteten Zwetschgen rechtzeitig zu verkaufen. Da der Grosshändler am Wochenende keine Früchte abholt, läuft der Hof Gefahr, dass die Früchte schlecht werden.

In Neukirch TG hat ein Landwirt Probleme, alle geernteten Zwetschgen rechtzeitig zu verkaufen. Da der Grosshändler am Wochenende keine Früchte abholt, läuft der Hof Gefahr, dass die Früchte schlecht werden.

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Auf Facebook informiert der Hof, dass die Früchte günstiger bezogen werden können. Dies ist am Samstag von 7.00 bis 20.00 Uhr möglich.

Auf Facebook informiert der Hof, dass die Früchte günstiger bezogen werden können. Dies ist am Samstag von 7.00 bis 20.00 Uhr möglich.

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Am Freitag konnten 700 Kilo vom Grosshändler abgeholt werden, jedoch würden laut des Landwirten rund 500 Kilo in den kommenden Tagen geerntet. Diese stehen zum Verkauf.

Am Freitag konnten 700 Kilo vom Grosshändler abgeholt werden, jedoch würden laut des Landwirten rund 500 Kilo in den kommenden Tagen geerntet. Diese stehen zum Verkauf.

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Am Freitag holte ein Grosshändler rund 700 Kilo Zwetschgen beim Neukircher Hof ab. Doch das reicht nicht. Die kommenden Tage werden weitere 500 Kilo geerntet. Da der Grosshändler den Hof am Wochenende nicht anfahren wird, würden die Früchte erst am Montag abgeholt werden. «Wenn wir die Zwetschgen am Freitag und Samstag ernten, diese aber erst am Montag abgeholt werden, stehen sie frühstens Dienstags beim Händler im Regal», sagt Mathias Müller, Landwirt des Hofes in Neukirch. Zu spät.

Der Hof läuft damit Gefahr, dass die Früchte bis dann schlecht werden und nicht mehr den Normen der Händler entsprechen. Das kann schwerwiegende Folgen haben: Der Grosshändler könnte die gesamte Ladung zurücksenden. «Dieses Risiko wollen wir vermeiden», sagt Müller. Deshalb habe man sich entschlossen, die Früchte zusätzlich direkt ab Hof zu verkaufen. «Und zwar günstiger also sonst wo», sagt der Landwirt.

Er verlangt 2.80 Franken pro Kilogramm Zwetschgen. «Das ist ein Kompromiss. Für die Kunden ist es ein günstigerer Preis als im Laden und wir erhalten doch noch etwas für unsere Arbeit», so der Landwirt.

Günstiger als Grossverteiler

Ein Augenschein am Freitagnachmittag zeigt, dass die Zwetschgen im Coop am St. Galler Marktplatz zum Preis von 3.95 Franken das Kilo und in der Migros St. Gallen für 4.90 Franken angeboten werden.

Die Thurgauer Zwetschgen gibt es allerdings nur am Samstag, von 7.00 bis 20.00 Uhr, wie der Hof auf Facebook schreibt. Reservationen seien nicht machbar, denn das würde die logistischen Kapazitäten des Hofes sprengen.

Rettet die Aprikosen

Eine ähnliche Aktion fand kürzlich in Opfershofen TG statt. Ein Landwirt konnte seine rund zwei Tonnen Aprikosen nicht mehr an den Grosshändler verkaufen, da dieser die Qualität der Ware bemängelte. Da der Bauer die Früchte aber nicht entsorgen wollte, startete er eine Abholaktion. Sein Angebot war, die Früchte für einen Kilopreis von zwei Franke abzugeben. Dies zeigte Wirkung, denn innert kürze gingen über 120 Bestellungen von Privatpersonen ein.

Deshalb gibt es Normen

Normen der Händler sorgen immer wieder für Diskussionsstoff. Dass Normen ihre Berechtigung haben, teilte

der Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (Swisscofel) kürzlich in einem Beitrag von «TeleZ» mit. Die Normen seien aufgrund von Erfahrungen der Detailhändler entstanden. Es mache keinen Sinn, Produkte in die Läden zu Stellen, die am Abend entsorgt werden müssen, weil sie nicht gekauft werden. Zudem sollen die Produkte beim Konsumenten auch noch eine gewisse Zeit haltbar sein.

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