San Giuliano Milanese (I) - Bauer überfährt zwei Frauen beim Pestizid-Spritzen – «nichts gemerkt»
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San Giuliano Milanese (I)Bauer überfährt zwei Frauen beim Pestizid-Spritzen – «nichts gemerkt»

Die italienische Polizei fand die Leichen zweier Frauen in einem Maisfeld. Eine von ihnen hatte am Tag zuvor gemeldet, von einem Mähdrescher überfahren worden zu sein. Die Ermittlungen zeigen nun, wer hinter dem Unglück steckt – und was die Frauen im Maisfeld machten.

von
Reto Heimann
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In der Nähe dieses Feldes in San Giuliano Milanese wurden am 3. Juli 2021 zwei Marokkanerinnen tot aufgefunden.

In der Nähe dieses Feldes in San Giuliano Milanese wurden am 3. Juli 2021 zwei Marokkanerinnen tot aufgefunden.

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Vorangegangen war eine über 24 Stunden andauernde Suchaktion.

Vorangegangen war eine über 24 Stunden andauernde Suchaktion.

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Eine der Frauen hatte am Freitag beim Notruf Alarm geschlagen: «Hilfe, ein Mähdrescher hat uns überfahren. Meine Freundin ist tot und ich bin verletzt».

Eine der Frauen hatte am Freitag beim Notruf Alarm geschlagen: «Hilfe, ein Mähdrescher hat uns überfahren. Meine Freundin ist tot und ich bin verletzt».

REUTERS

Darum gehts

  • «Hilfe, ein Mähdrescher hat uns überfahren. Meine Freundin ist tot und ich bin verletzt», meldete eine Frau am Freitag dem italienischen Notruf.

  • Über 24 Stunden später fand man die beiden Frauen – tot in einem Maisfeld.

  • Die Polizei verhaftete am Sonntag den Fahrer eines landwirtschaftlichen Gefährts, das zum Pestizid-Spritzen verwendet wird.

Am Samstagabend fanden italienische Polizisten zwei Frauen leblos in einem Maisfeld in San Giuliano Milanese, etwa drei Kilometer südöstlich von Mailand, auf. Schon am Tag zuvor ging beim italienischen Notruf eine Meldung ein. «Hilfe, ein Mähdrescher hat uns überfahren. Meine Freundin ist tot und ich bin verletzt», sagte eine Frau auf Arabisch. Dann brach die Verbindung ab.

Nach einer gross angelegten Suchaktion von Polizei und Feuerwehr konnten die beiden Frauen in einem Maisfeld gefunden werden. Allerdings kam für sie jede Hilfe zu spät. Die beiden Frauen, Marokkanerinnen im Alter von 28 und 32 Jahren, lebten bereits nicht mehr, als man sie fand.

Führten Pestizide zum Tod?

Zunächst fehlte jede Spur des Mähdreschers, von dem die eine der beiden Frauen am Telefon berichtet hatte, er habe sie überfahren. Am Sonntag dann aber die grosse Wende: Die Polizei verhaftete einen Landwirt und stellte ein «landwirtschaftliches Fahrzeug» sicher. Darüber berichtet der «Corriere della Sera».

Allerdings handelt es sich beim sichergestellten Gefährt nicht um einen Mähdrescher, sondern um ein Fahrzeug, das zum Spritzen von Pestiziden eingesetzt wird. Erste Annahmen gehen davon aus, dass die beiden Frauen von den Spritzarmen des Fahrzeugs tödlich getroffen wurden. Auch steht die Vermutung im Raum, dass die giftigen Dämpfe der Pestizide zum Tod der Frauen geführt haben könnten.

«Ich habe nichts bemerkt»

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Mordes aufgenommen. Sie hat den Landwirt, der am Freitag mit der Pestizid-Maschine auf den Feldern unterwegs war, ein erstes Mal vernommen. «Ich habe nichts bemerkt», sagte er gemäss «Corriere della Sera» aus. Auch der Besitzer des Bauernhofs musste sich den Fragen der Staatsanwaltschaft stellen.

Momentan gehen die Ermittler und Ermittlerinnen davon aus, dass die beiden Frauen, die als Sara El Jaafari (28) und Hanan Nekhla (32) identifiziert wurden, im Maisfeld campiert hatten. Es wurden Decken, Alkoholflaschen, Reste von Alufolien und mehrere Mobiltelefone gefunden. Auch geht die Polizei aufgrund von gefundenen Substanzen davon aus, dass die beiden Frauen Drogen konsumiert hatten.

Gemäss übereinstimmender Medienberichte sind die Angehörigen der beiden Frauen über den Tod von Sara El Jaafari und Hanan Nekhla informiert worden. Die Familien der beiden bestätigten offenbar, dass die beiden Frauen über keinen festen Wohnsitz verfügten und oft zwischen den Häusern von Freunden wechselten.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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