Ostschweiz: Bauern ärgern sich über dreiste Obstdiebe
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OstschweizBauern ärgern sich über dreiste Obstdiebe

In der Ostschweiz bedienen sich Diebe kistenweise an fremdem Obst. Die Bauern sind dagegen meist machtlos. In Kressbronn (D) soll ein «Naschgarten» Abhilfe schaffen.

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taw
Pius Stäger bei seinen Apfelbäumen in Steinach SG. (Bild: qll)

Pius Stäger bei seinen Apfelbäumen in Steinach SG. (Bild: qll)

«Das ist wirklich unfair und ärgerlich», sagt Edwin Huber, Präsident des Thurgauer Obstverbandes. Bei Huber wurden schon zwei Mal in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ganze Bäume geplündert. «Auch bei anderen Obstbauern kam es schon vor, dass man sich gleich im grossen Stil bedient hat und Kisten und Säcke mit Obst gefüllt hat», so Huber. Das bestätigt auch Matthias Anderes, der in Egnach neun Hektare Obstbäume mit Tafelobst bewirtschaftet. «Ein Teil meiner Bäume liegt an einem Radweg, da sieht man schon deutlich, dass einzelne Bäume weniger dran haben», sagt der 45-Jährige.

«Es ist ja nur ein Apfel»

Laut Anderes sei ein einzelner geklauter Apfel ja noch zu verkraften, aber es summiere sich dann eben. Der Obstbauer hat Diebe auch schon direkt erwischt und darauf angesprochen. Doch die zeigen meist wenig Verständnis: «Es ist ja nur ein Apfel», heisse es dann.

«Viele halten Mundraub für völlig in Ordnung, dabei ist das Diebstahl. Wenn ich dann sage, ich würde bei ihnen ja auch keinen Salat im Garten abschneiden, heisst es nur, dass man das gar nicht vergleichen könne», sagt Anderes. Stimmt, sagt er, denn er müsse ja sogar davon leben.

Kressbronn (D) setzt auf Naschgarten

Während in der Ostschweiz meist einzelne Früchte stibitzt werden, ist der Obstklau im baden-württembergischen Bodenseekreis ein immer grösser werdendes Problem. Dabei werden die Diebe immer dreister.

Das zeigt der Fall, der sich vor ein paar Tagen in Friedrichshafen beim Bioland-Hof von Andrea Hutt und ihrem Mann abspielte. Etwa zehn Meter vom Hof entfernt liessen sie eine grosse Erntekiste stehen. Irgendwann hielt ein Auto an und die Insassen begannen, Äpfel in den Kofferraum zu laden.

Um dem Abhilfe zu schaffen, setzt man in Kressbronn auf einen sogenannten Naschgarten. Die Anlage, in der vor allem Apfelbäume wachsen, ist ein Angebot der Tourist-Info und der Obstbauern und soll den Obstklau verhindern. «Das wird toll angenommen», sagt Elisabeth Grammel, Leiterin des Kressbronner Tourist-Info gegenüber dem «Südkurier». Allerdings lässt sich der Obstklau damit nicht verhindern: «Die Leute gehen überall hin, klauen Obst und sagen dann, sie hätten gedacht, sie seien im Naschgarten», so Grammel.

Einzäunen als Lösung?

Verschiedene Landwirte im Bodenseekreis denken nun darüber nach, ihre Bäume einzuzäunen. Für den Ostschweizer Obstbauer Pius Stäger ist das keine Lösung. «Da hüpft man doch einfach drüber. Zudem ist das Bewirtschaften so viel mühsamer», so der 52-jährige Steinacher. Auch von einem Naschgarten hält er wenig. «Natürlich ist es ärgerlich, wenn Obst wegkommt, aber damit muss man leider leben», so Stäger.

Von der Hand in den Mund

Auf der Mitmachplattform mundraub.org kann man eintragen, wo in der Gegend es gratis und legal Kirschen oder Äpfel direkt vom Baum zu pflücken gibt oder wo wilde Haselnüsse und frischer Bärlauch auf einen Liebhaber warten. In Deutschland gibt es bereits eine beachtliche Anzahl Einträge. In St. Gallen findet man bisher immerhin einen Birnbaum und ein Brombeer-Feld.

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