Ostschweiz: Bauern bei Alpabfahrt angehupt und beschimpft
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OstschweizBauern bei Alpabfahrt angehupt und beschimpft

Zurzeit finden in der ganzen Ostschweiz wieder Alpfahrten statt. Das freut nicht jeden. Landwirte ärgern sich über zu wenig Verständnis seitens der Autofahrer.

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lad
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Auch in der Ostschweiz gibt es derzeit wieder viele Alpabzüge.

Auch in der Ostschweiz gibt es derzeit wieder viele Alpabzüge.

Appenzellerland Tourismus AR
Diese führen bereits seit Jahren zu Konflikte zwischen den Bauern und den Autofahrern.

Diese führen bereits seit Jahren zu Konflikte zwischen den Bauern und den Autofahrern.

Keystone/Christof Schuerpf
«Die Autofahrer haben häufig kein Verständnis und...

«Die Autofahrer haben häufig kein Verständnis und...

Appenzellerland Tourismus AR

«Der immer zunehmende Verkehr ist ein Problem für die Alpabfahrten», sagt ein Landwirt aus der Ostschweiz zu 20 Minuten. Die Autofahrer würden hupen, die Hände verwerfen und wenig Verständnis für die Tradition zeigen. Auch anderen Bauern aus der Region ist das bekannt: «Vor allem Leute aus der Stadt, die das nicht kennen, reagieren öfters negativ.» Da fehle dann häufig die Akzeptanz.

Das kann auch Marco Bolt, Alpberater beim Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen, bestätigen: «Das habe ich auch schon häufig gesehen», sagt er. Die Autofahrer würden sich aufregen, wenn sie in Kuhdreck fahren oder lange warten müssen.

Bauern nehmen Rücksicht

Andreas Widmer, Geschäftsführer des Bauernverbandes St. Gallen: «Bei uns melden sich sowohl Autofahrer als auch Bauern und beklagen sich.» Das höhere Verkehrsaufkommen trage auch dazu bei, dass der Konflikt in letzter Zeit noch ausgeprägter sei. Er habe auch das Gefühl, dass die Leute immer weniger Geduld haben, gerade dann wenn sie beispielsweise zum Arbeitsplatz unterwegs sind.

Immer wieder gebe es auch Fälle, wo Tiere auf Privatgrund laufen. Das könne man nicht immer verhindern, so Widmer. Das führe dann zu Schäden und das wiederum zu Ärger. Beim Verband rufe man deshalb immer wieder zum gegenseitigen Verständnis auf: «Auch unsere Bauern sind darauf sensibilisiert und wissen, dass sie stark befahrene Strassen nicht nutzen sollen», so Widmer. Nur dann, wenn dies wirklich nicht anders gehe.

Angst ums Auto

Es gibt jedoch nicht nur solche, die sich über die Alpabzüge nerven, sondern auch jene, die panische Angst davor haben, wie eine Autofahrerin gegenüber 20 Minuten schildert. «Die Tiere kommen furchbar nahe ans Auto», sagt sie. Eine Kuh habe ihr sogar einmal den Seitenspiegel eingeklappt. «Ich hatte Angst, dass mein Auto kaputt geht», sagt die Frau.

Glücklicherweise gebe es aber auch sehr viele Leute, die sich das ganze Jahr über sehr auf das Ereignis freuen, vor allem in den traditionsbewussten Orten. «Das ist die schöne Seite, wenn die Leute uns dann mit ihren Handys filmen», sagt ein weiterer Bauer. Das sei ein Stück weit auch der Sinn des Alpabzuges: «Wir wollen ein positives Bild von uns vermitteln, was wäre die Schweiz denn ohne Bauern», sagt er weiter.

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