16.07.2020 22:20

«Schlampiger Job der Behörden»Bauern besprühen weltweit Reis mit Pest-Antibiotika

Laut einer WHO-Studie werden weltweit Antibiotika in der Gemüseproduktion eingesetzt. Bescheid darüber wissen nur die wenigsten Staaten.

von
Nicolas Saameli
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Eine Studie zeigt: Weltweit werden Antibiotika bei in der Gemüseproduktion eingesetzt.

Eine Studie zeigt: Weltweit werden Antibiotika bei in der Gemüseproduktion eingesetzt.

keystone-sda.ch
Darüber wissen die verschiedenen Staaten aber erstaunlich wenig.

Darüber wissen die verschiedenen Staaten aber erstaunlich wenig.

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Besonders in Südostasien wird viel Reis mit Antibiotika besprüht.

Besonders in Südostasien wird viel Reis mit Antibiotika besprüht.

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Darum gehts

  • Eine Studie der UNO und der WHO zeigt, dass in der Gemüseproduktion Antibiotika eingesetzt wird.
  • Dabei kommen auch Mittel zum Einsatz, die eigentlich gegen Tuberkulose und Pest gebraucht werden.
  • Das kann auch für Schweizer Konsumenten gefährlich sein.

Dass bei der industriellen Fleischproduktion vielfach Antibiotika zum Einsatz kommen, ist vielen bereits bekannt. Jetzt zeigt eine Studie, die unter anderem von der UNO und der Weltgesundheitsorganisation WHO in Auftrag gegeben wurde, dass auch bei der Gemüseproduktion viel Antibiotika eingesetzt wird – und dass die einzelnen Staaten erstaunlich wenig darüber wissen.

Wie der «Tagesanzeiger» schreibt, werden mehr als hundert Nutzpflanzen regelmässig mit Antibiotika besprüht. Insbesondere bei Reis, Zitrusfrüchten oder Tomaten würden viele Bakterienkiller eingesetzt.

Wirklich Bescheid über den Einsatz wüssten aber nur die wenigsten Länder. Von 158 untersuchten Staaten dokumentierten nur drei die Verwendung.

Resistente Bakterien

Besonders stark ausgeprägt sei der Einsatz in Südostasien. Alleine dort würden 63 Tonnen Streptomycin und sieben Tonnen Tetracyclin auf Feldern versprüht. Häufig geschehe der Einsatz dabei präventiv, ohne dass die Pflanzen tatsächlich von einer Krankheit befallen seien.

Streptomycin und Tetracyclin sind dabei alles andere als vernachlässigbar: Streptomycin hilft bei Tuberkulose und Pest, Tetracyclin bei verschiedenen anderen Infektionen. Laut der WHO sind die beiden Antibiotika «wichtig bis sehr wichtig» für die Humanmedizin.

Durch die Verwendung auf den Feldern könnten sich resistente Bakterien bilden. Zusätzlich beschleunigt werde das durch den Einsatz von Chemikalien. «Die für die Nahrungsmittelsicherheit zuständigen Behörden haben national wie international einen schlampigen Job gemacht, als sie diese Probleme einfach durchgehen liessen», sagt Erik Millstone, Spezialist für Nahrungsmittelsicherheit an der britischen Universität Sussex.

Fachleute warnen

Das ist möglicherweise auch für Konsumenten in der Schweiz gefährlich. Eine routinemässige Kontrolle von asiatischem Reis findet nicht statt. Bei vereinzelten Kontrollen habe man zwar keine hohen Konzentrationen von Antibiotika gefunden, sagt Martin Brunner, Chef des Kantonalen Labors Zürich. Verallgemeinern könne er diese Aussage aber nicht.

Ein wenig Entwarnung können dagegen die Grossverteiler Coop und Migros geben: Beide geben an, dass sie den Einsatz von Antibiotika im Rahmen von ihren Agrarpraxis-Vereinbarungen nur in Ausnahmefällen zulassen.

In Folge von Antibiotikaresistenz sterben heute bereits jährlich rund 700’000 Menschen. Fachleute warnen seit langem vor dem Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft.

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36 Kommentare
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blume

17.07.2020, 19:46

das ist doch wunderbar .... macht nur so weiter

Brigä

17.07.2020, 19:04

Monsanto lässt grüssen

Hans-Peter Schnyder

17.07.2020, 10:54

Die Menschheit ist so dumm, dass sie sich selber ausrottet. Die Gier hat uns dazu gebracht, Antibiotika bei Tieren und Pflanzen einzusezten. Die steigende Antibiotikaresistenz von Krankheitserregern ist alarmierend und wird dazu führen, dass Viren wie Covid-19 wie ein laues Lüftchen scheinen, wenn der Mensch keine wirksamen Antibiotika mehr besitzt. Die Entwicklung von neuen Antibiotika ist für die Pharmaindustrie eh kein Thema, zu teuer und zu wenig Gewinn. Wie schon erwähnt, die Menschheit löscht sich selber aus.