Werksbau abgeblasen: Bauern bringen Billigauto in Nöte
Aktualisiert

Werksbau abgeblasenBauern bringen Billigauto in Nöte

An einzelnen Tagen waren bis zu 3000 bewaffnete Polizisten im Einsatz: Nach tagelangen Protesten zehntausender Anwohner stoppt der indische Autobauer Tata den Bau eines neuen Werks für sein Billigstauto Nano im ländlichen Westen des Landes.

«Wir haben keine Wahl, wir müssen uns nach einem anderen Standort umschauen», sagte ein Vertreter der Firma am Mittwoch. Die Demonstranten protestieren gegen die Vertreibung armer Bauern für den Bau der Fabrik. Zuletzt immer heftiger, weil sie ihr Land zurückforderten oder eine höhere Entschädigung verlangten.

Widerstand seit Baubeginn

Die Proteste begleiteten den Bau der Fabrik seit Beginn der Arbeiten vor gut zwei Jahren. In den vergangenen Tagen waren die Proteste aber eskaliert; Demonstranten belagerten das Gelände. Am Freitag stellte Tata die Arbeiten an dem Werk deshalb ein, da die Arbeiter «gewaltsam behindert» worden seien.

Der Firmenvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, «es wäre sehr optimistisch zu glauben, dass in ein paar Tagen Normalität einkehren wird». In den vergangenen Monaten sei auch «nichts passiert». Dennoch werde Tata noch etwas abwarten, ob der Frieden wieder hergestellt werde. Die Lage um die Fabrik sei aber «immer noch feindselig und einschüchternd», hiess es.

Auslieferung verzögert

Eigentlich sollte der erste Nano bereits im Oktober in Singur in Westbengalen vom Band laufen. Tata hat in den Bau des Werkes umgerechnet rund 385 Millionen Franken investiert. Firmenchef Ratan Tata hatte bereits im August gedroht, die fast fertige Fabrik an einen anderen Standort zu verlegen. Seitdem überbieten sich andere indische Bundesstaaten mit Angeboten.

Eine Verlegung der Produktion in ein anderes Werk - etwa in die Tata-Fabrik in Pune im Westen oder die in Patnagar im Nordosten des Landes - würde den Start des Nano in Indien nach Einschätzung von Analysten um Monate verzögern.

Billigauto für 2500 Franken

Tata will den Nano für 100 000 Rupien (rund 2500 Franken) verkaufen und damit den Massenmarkt erobern. Vorgestellt hatte die Firma das billigste Auto der Welt im Januar in Neu Delhi.

Die Ankündigung der Firma, den Bau der Fabrik zu stoppen, schade dem Ansehen Indiens in der Welt, sagte der Chef des Motorradherstellers TVS, Venu Srinivasan. Das Fabrikgelände in Singur sei Tata schliesslich ganz legal zugewiesen worden.

(SDA/AP)

Deine Meinung