Aktualisiert 09.01.2020 14:39

Avenir-Suisse-Analyse

Bauern erhalten dreimal mehr Geld als Schulkinder

Schweizer Haushalte zahlen jedes Jahr 2269 Franken für die Landwirtschaft. Eine Grenzöffnung würde die Kosten stark senken. Das wäre laut Bauernverband aber das Ende der Landwirte.

von
bsc
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20,7 Milliarden Franken kostet die Landwirtschaft die Schweiz pro Jahr. Für diese Kosten kommen etwa die Konsumenten und die Steuerzahler auf.

20,7 Milliarden Franken kostet die Landwirtschaft die Schweiz pro Jahr. Für diese Kosten kommen etwa die Konsumenten und die Steuerzahler auf.

Keystone/Gaetan Bally
Für einen Vollzeitbeschäftigten auf einem Bauernbetrieb zahlt der Staat dreimal so viel Geld, wie für einen Schüler in der obligatorischen Schule.

Für einen Vollzeitbeschäftigten auf einem Bauernbetrieb zahlt der Staat dreimal so viel Geld, wie für einen Schüler in der obligatorischen Schule.

Keystone/Arno Balzarini
Im Vergleich mit einem Arbeitslosen kostet der Beschäftigte auf dem Landwirtschaftsbetrieb den Staat 16 Franken mehr pro Tag.

Im Vergleich mit einem Arbeitslosen kostet der Beschäftigte auf dem Landwirtschaftsbetrieb den Staat 16 Franken mehr pro Tag.

Keystone

20,7 Milliarden Franken kostet die Landwirtschaft die Schweiz pro Jahr. Für diese Kosten kommen etwa die Konsumenten und die Steuerzahler auf. So muss jeder Schweizer Haushalt jährlich 2269 Franken in die Finanzierung der Bauern stecken, wie die Denkfabrik Avenir Suisse im neuen Privilegienregister der Schweizer Landwirtschaft schreibt.

Damit zahlt der Staat für einen Vollzeitbeschäftigten auf einem Bauernbetrieb dreimal so viel Geld, wie für einen Schüler in der obligatorischen Schule. Auch kostet ein Beschäftigter auf einem Landwirtschaftsbetrieb den Staat pro Tag 16 Franken mehr als ein Arbeitsloser.

Die Agrarpolitik kostet die Schweiz viel Geld. Um die Kosten zu senken schlägt Avenir Suisse darum umfassende Reformen vor. Das sind die zwei wichtigsten:

Grenzöffnung für Agrargüter

Das sagt Avenir Suisse:

«Im Moment zahlen Konsumenten aufgrund des Grenzschutzes 89 Prozent mehr für Lebensmittel in der Schweiz als in der EU», erklärt Patrick Dümmler, Forschungsleiter für Agrarthemen bei Avenir Suisse. Ein Schweizer Haushalt blättert pro Jahr alleine für den Konsum von Lebensmittel 1011 Franken hin.

Mit einer Grenzöffnung würden sich die Preise reduzieren. «Es gäbe dann mehr Produkte in verschiedenen Preissegmenten», sagt Dümmler. Damit könnten sich auch schlecht verdienende Haushalte alle Lebensmittel in der Schweiz leisten. «Das würde wiederum den Einkaufstourismus reduzieren.»

Durch eine Grenzöffnung müssten wohl einige Bauernhöfe ihre Tore aus finanziellen Gründen schliessen. Um im internationalen Markt zu bestehen, müssten die Schweizer Bauern halt innovativer werden. Doch es gebe bereits junge Bauernbetriebe, die mit neuen Konzepten ihre Produkte auf der ganzen Welt verkaufen können, so Dümmler. «Ein Käser aus Bern verkauft einzigartige Produkte bis nach London.»

Das sagt der Bauernverband:

Ohne den Grenzschutz würde sich die Lebensmittelproduktion in der Schweiz nicht rentieren, erklärt Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands. Das Kostenumfeld sei schlicht zu hoch in der Schweiz: «Wir haben in der Schweiz 50 Prozent höhere Kosten für Maschinen, Gebäude oder Arbeitskräfte als in Baden-Württemberg oder Bayern», so Ritter.

Gäbe es eine Grenzöffnung, würden noch mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert. Heute kommen bereits 40 Prozent der Nahrungsmittel aus anderen Ländern.

Mehr Import um die Umweltkosten zu senken

Das sagt Avenir Suisse:

Mehr Importe sind laut Avenir Suisse wünschenswert: Weil Bauernbetriebe in der Schweiz oft auf engem Raum produzieren müssen, verschmutzen sie die Region oft stark. Das sorgt für hohe Umweltkosten. «Die Viehmästereien in Luzern sorgen beispielsweise dafür, dass vielen umliegenden Seen künstlich Sauerstoff zugeführt werden muss», so Dümmler.

In anderen Ländern könne oft ökologischer produziert werden. Der Import wäre also umweltfreundlicher, trotz längerer Transportwege. «Bezogen auf die ökologische Gesamtrechnung, fällt der Transport kaum ins Gewicht.»

Das sagt der Bauernverband:

Bei importierten Lebensmitteln könne die Schweiz gemäss der Welthandelsorganisation keinerlei Einfluss auf die Produktionsbedingungen nehmen, oder Kontrollen durchführen: «Dies gilt sowohl für den Umweltschutz als auch für das Tierwohl und die Arbeitsbedingungen», sagt Markus Ritter.

Dabei sei die Schweiz, gerade wenn es um den Tierschutz gehe, eine Vorreiterin: «Hierzulande gelten die strengsten Regeln zum Wohl der Tiere weltweit.»

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