Aktualisiert 06.08.2018 20:36

Forderung nach Hilfe

Bauern machen beim Bund wegen Hitze hohle Hand

Die Trockenheit setzt der Landwirtschaft zu. Jetzt fordern die Bauern Hilfe. Kritiker schiessen dagegen.

von
Dominic Benz
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Wegen der Trockenheit leiden die Kühe.

Wegen der Trockenheit leiden die Kühe.

Mohssen Assanimoghaddam
Das Wasser fehlt. Militärhelikopter versorgen die Tiere mit dem dringend nötigen Wasser.

Das Wasser fehlt. Militärhelikopter versorgen die Tiere mit dem dringend nötigen Wasser.

Keystone/Ennio Leanza
Weil die Kosten für das Futter steigen und die Milchmenge sinkt, forderte der Schweizer Bauernverband am 7. August 2018 die Detailhändler auf, für die Industriemilch befristet bis am 30. April 2019 fünf Rappen Solidaritätsbeitrag zu bezahlen, der vollumfänglich den Milchproduzenten zugute kommt.

Weil die Kosten für das Futter steigen und die Milchmenge sinkt, forderte der Schweizer Bauernverband am 7. August 2018 die Detailhändler auf, für die Industriemilch befristet bis am 30. April 2019 fünf Rappen Solidaritätsbeitrag zu bezahlen, der vollumfänglich den Milchproduzenten zugute kommt.

Keystone/Ennio Leanza

Kein Heu, kein Futtermais, kein Wasser – die Hitzewelle bringt die Landwirtschaft an ihre Grenzen. Die Ernteausfälle dürften Schäden in Millionenhöhe verursachen. In Deutschland haben die Bauern vom Staat bereits eine Milliarde Euro als Entschädigung für die Trockenheit gefordert.

Jetzt gehen auch die Landwirte in der Schweiz in die Offensive: Am Dienstag präsentiert der Bauernverband (SBV) ein Forderungspaket. Unter anderem soll der Bund den Bauern aus der Patsche helfen. Details nennt der Verband im Vorfeld nicht. Welche Forderungen sind wahrscheinlich? Und was sagen die Kritiker?

• Keine Zölle auf Importheu

Wegen der Trockenheit fehlt den Bauern das Gras als Futter für die Kühe. Daher importieren die Bauern Heu aus dem Ausland. Laut SBV zahlen sie pro 100 Kilo 3 Franken Zoll. Als erste Sofortmassnahme will der SBV diese Abgaben weghaben. Am Montag ist der Bund bereits der Forderung nachgekommen. Da die Importpreise wegen des knappen Heus auch im Ausland gestiegen sind, senkt das Bundesamt für Landwirtschaft befristet die Grenzbelastung für Heu und auch Futtermais. Zollsenkungen kompensierten zum Teil die angestiegenen Importpreise, «sie sollen somit den Bauern zugutekommen», teilt das Departement mit.

• Längere Rückzahlungsfristen für Kredite

SBV-Direktor Bourgeois hat im Vorfeld laut darüber nachgedacht, dass die Bauern mehr Zeit für die Rückzahlung von Investitionskrediten erhalten sollen. Das soll den finanziellen Spielraum der Landwirte erhöhen. Auch hier ist der Bund am Montag entgegengekommen. Betroffene Bauern könnten beim Kanton eine entsprechende Fristerstreckung beantragen. Ebenso könne ein rückzahlbares zinsloses Betriebshilfedarlehen die Bauern finanziell etwas entlasten.

• Ernteausfallversicherung

Der SBV verlangt immer wieder die Einführung einer Ernteausfallversicherung. Gegenüber dem «Schweizer Bauer» hat Verbandspräsident Markus Ritter betont, dass sich der Bund an den Prämien beteiligen solle. Das passiert aber nicht von heute auf morgen. «Für die Mitfinanzierung einer Ernteausfallversicherung müsste zuerst eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden», so Ritter gegenüber 20 Minuten. Das sei aber frühestens mit der Agrarpolitik 2022+ möglich und würde im Parlament diskutiert. Die Forderung könnte am Dienstag erneut auftauchen.

• Avenir Suisse: «Bauern erhalten jetzt schon zu viel»

Für Patrick Dümmler von der Denkfabrik Avenir Suisse zeugt es von einer «mangelndem unternehmerischen Ethos», wenn die Bauern wegen der Trockenheit Forderungen stellen. «Bauern erhalten jetzt schon zu viele Beiträge vom Steuerzahler», sagt Dümmler zu 20 Minuten. Es sei eine «billige Lösung», sich bei jedem Problem immer an den Staat zu wenden. Andere Unternehmen könnten auch nicht einfach Forderungen stellen. «Bei Bauern ist das aber Gebrauch.» SBV-Präsident Ritter hält von der Kritik nichts. «Wir versuchen zu helfen und bei den Bauernfamilien die grösste Not zu lindern. Was soll daran falsch sein?»

Laut Dümmler verdienen die hiesigen Bauern ihr Geld nur zur Hälfte auf dem Markt. Der Rest komme vom Steuerzahler. «Wenn wir noch mehr Geld in die Landwirtschaft reinbuttern, dann verdienen die Bauern mehr durch den Staat. Das heisst dann nicht Marktwirtschaft, sondern Planwirtschaft», so Dümmler. Er sieht etwa die Forderung nach dem Wegfall von Zöllen als zu einseitig gedacht. «Wenn bei den Bauern die Zölle wegfallen sollen, dann soll das auch bei anderen Lebensmitteln geschehen.» Immerhin würde wegen des Zollschutzes jeder Schweizer Haushalt im Schnitt 1000 Franken pro Jahr zu viel bezahlen, so Dümmler.

• Politik: «Bauern bekämpfen Klimaschutz»

GLP-Präsident Jürg Grossen hat zwar Verständnis dafür, dass die Bauern Hilfe benötigen. Er kritisiert aber die Haltung der Bauernvertreter in Bundesbern. «Diese lehnen alle klimapolitischen Massnahmen wie etwa Lenkungsabgaben auf Treibstoffe in der Luft und auf den Strassen ab», sagt er auf Anfrage. Grossen ist bereit, das Forderungspaket der Bauern anzuschauen. «Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Bauern beim Klimaschutz mitmachen.» SBV-Präsident Ritter sieht in der Kritik politisches Kalkül. «Wir sind sehr betroffen, dass die GLP die aktuelle Notsituation vieler Bauernfamilien dazu missbraucht, eigene politische Ziele damit zu forcieren. Das sollte man nicht tun.»

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