09.02.2018 14:36

Label-WirrwarrBauern streiten über Label für faire Milch

Was ist ein fairer Milchpreis? In der Schweiz gibt es nun bereits drei Labels, die unterschiedliche Antworten geben.

von
R. Knecht
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Neun Bauern lancierten am Donnerstag  die Initiative Fair. Sie bringen bereits das dritte Schweizer Label für faire Milch auf den Markt.

Neun Bauern lancierten am Donnerstag die Initiative Fair. Sie bringen bereits das dritte Schweizer Label für faire Milch auf den Markt.

20 Minuten
Das Label soll dem Konsumenten signalisieren, dass die Bauern für die Milch mindestens 75 Rappen pro Liter erhalten.

Das Label soll dem Konsumenten signalisieren, dass die Bauern für die Milch mindestens 75 Rappen pro Liter erhalten.

20 Minuten/Screenshot/fair.ch
Bauern kämpfen schon lange um mehr Geld für die Milch – im Bezirk Affoltern hat eine Genossenschaft  im Dezember bereits faire Milch lanciert.

Bauern kämpfen schon lange um mehr Geld für die Milch – im Bezirk Affoltern hat eine Genossenschaft im Dezember bereits faire Milch lanciert.

Keystone/Xavier Gehrig

Im langjährigen Kampf um einen fairen Milchpreis gibt es einen neuen Mitstreiter seitens der Bauern: Eine Gruppe von Bauern und Bäuerinnen hat am Donnerstag die Initiative Fair ins Leben gerufen. Ihr Anliegen ist es, dass Milchproduzenten mindestens 75 Rappen pro Liter Milch erhalten. Produkte, die dieser und weiteren Anforderungen (siehe Box) entsprechen, dürfen mit dem neuen Label «Fair» versehen werden.

In der Schweiz ist das bereits das dritte Milch-Label, das dem Konsumenten signalisieren soll, dass der Bauer für das Produkt einen fairen Preis erhält. Aldi führte im Sommer letzten Jahres «Fair Milk» ein und im Zürcher Bezirk Affoltern gibt es seit Dezember die «Faire Milch Säuliamt» unter anderem im Volg und in der Landi zu kaufen.

Wie viel Rappen pro Liter sind fair?

Trotz der ähnlichen Namen gibt es massgebliche Unterschiede zwischen den Labels. Schon bei der Frage, was ein fairer Preis überhaupt ist, gehen die Meinungen auseinander. Die 75 Rappen pro Liter der Initiative Fair liegen dabei zwischen den derzeit 73 Rappen bei Aldi und den 80 Rappen im Säuliamt.

«Man muss bei diesen Preisen die Differenz zum heutigen Umfeld sehen», sagt Stefan Hagenbuch, Direktor des Verbands Swissmilk, zu 20 Minuten. Laut Initiative Fair erhalten Bauern häufig nur 56 Rappen pro Liter. Entscheidend sei nicht der letzte Rappen, sondern der Unterschied zu den herkömmlichen Preisen in der Branche, erklärt Hagenbuch.

Ein Schweizer Milchbauer, der anonym bleiben möchte, ist da allerdings anderer Meinung: «Beim Milchpreis zählt jeder Rappen», findet er. 80 Rappen seien dabei das Minimum, das Bauern brauchen. Andere Labels, die dieses Minimum nicht einhalten, würden den Begriff «fair» verwässern.

Die Konsumenten wissen kaum, was die Labels bedeuten

Auch für den Konsumenten dürfte der Label-Salat mehr hinderlich als informativ sein: «Mittlerweile gibt es so viele Labels, dass kaum jemand mehr weiss, was dahinter steckt», sagt Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, zu 20 Minuten. Der Kunde müsse sich jeweils selbst informieren, was ein Label wirklich bedeutet. Das dürfte bald auch bei der Milch der Fall sein.

Sinnvoll wäre es laut Sigg darum, dass sich die Bauern gemeinsam für ein einheitliches, schweizweites Label einsetzen. Genau das will die Initiative Fair erreichen. Allerdings stehe man noch ganz am Anfang, sagt Initiantin und Luzerner Kantonsrätin Priska Wismer-Felder zu 20 Minuten. Sie hofft, dass das Label in der Schweiz einmal eine ähnliche Bedeutung haben wird wie etwa Max Havelaar.

Label ist noch nicht in den Läden

Bis zu einer Vereinheitlichung dürfte es aber noch Jahre dauern. Bisher habe die Initiative noch keine Zusagen von Verteilern erhalten, sagt Bäuerin Wismer-Felder. Sie hofft, dass das Label in wenigen Jahren in den Läden zu finden sein wird, stellt sich jedoch darauf ein, dass es merklich länger dauern könnte. Zweifel am Label hat sie jedoch keine: «Die Idee ist so gut, dass sie sich durchsetzen wird.»

Bauern streiten über Label für «faire» Milch

Was ist ein fairer Milchpreis? In der Schweiz gibt es nun bereits drei Label, die unterschiedliche Antworten geben.

20 Minuten hat bei Coop und Migros angefragt, ob sie daran interessiert seien, das Label bei ihren Produkten einzusetzen. Migros sagt, das Unternehmen werde die allfällige Aufnahme des Labels prüfen. Bei Coop hies es hingegen: «Wir setzen auf unsere Mehrwertmilch-Labels wie Bio (Naturaplan), Demeter, Pro Montagna und Heumilch.» Laut Schätzungen von Schweizerbauer.ch erhalten Bauern von beiden Detailhändlern derzeit jeweils 68 Rappen pro Kilogramm (das entspricht etwa einem Liter) Milch. Genaue Zahlen nennen weder Migros noch Coop.

Auflagen für das Label «Fair»:

Um das Label «Fair» verwenden zu dürfen, müssen laut Initiantin Priska Wismer-Felder folgende Auflagen erfüllt sein:

- Die Milchbauern müssen pro Liter 75 Rappen erhalten

- Die Tiere müssen regelmässigen Auslauf haben

- Die Stallhaltung muss besonders tierfreundlich sein

- Futtermittel dürfen kein Palmöl enthalten und dürfen nicht gentechnisch verändert worden sein

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