Aktualisiert 16.03.2020 11:39

VolksinitiativenBauern werben mit toten Äckern für Pestizide

Ohne Pestizide drohten zerfressene Felder und verdorrte Reben: Mit dieser Kampagne wollen Bauern die Pestizid-Initiativen bodigen. Eine Initiantin ist gelassen.

von
P. Michel
1 / 8
Dieser Mais wird von Unkraut befallen. Die Botschaft der Aktion der IG Bauernunternehmen: Es braucht Pestizide, um die Erträge zu garantieren.

Dieser Mais wird von Unkraut befallen. Die Botschaft der Aktion der IG Bauernunternehmen: Es braucht Pestizide, um die Erträge zu garantieren.

IG Bauernunternehmen
Mit der Aktion wollen die Bauern im Sommer Stimmung gegen die Pestizid-Initiativen machen, über die wohl im Herbst abgestimmt wird.

Mit der Aktion wollen die Bauern im Sommer Stimmung gegen die Pestizid-Initiativen machen, über die wohl im Herbst abgestimmt wird.

IG Bauernunternehmen
«Die Verunsicherung bei den Bauern ist gross», sagt Samuel Guggisberg, der Präsident des Verbands, zu 20 Minuten. Viele hätten Angst, dass die Initiativen ihre Existenz bedrohen könnten. Es brauche deshalb eine aufrüttelnde Kampagne, die die «dramatischen Folgen» für die Lebensmittelproduktion in der Schweiz und die Bauern aufzeige.

«Die Verunsicherung bei den Bauern ist gross», sagt Samuel Guggisberg, der Präsident des Verbands, zu 20 Minuten. Viele hätten Angst, dass die Initiativen ihre Existenz bedrohen könnten. Es brauche deshalb eine aufrüttelnde Kampagne, die die «dramatischen Folgen» für die Lebensmittelproduktion in der Schweiz und die Bauern aufzeige.

IG Bauernunternehmen

Mit Unkraut überwucherter Mais, zerfressene Kartoffelfelder, verdorrte Reben: Im Sommer zeigt die Interessengemeinschaft Bauernunternehmen schweizweit 50 solche «Nullparzellen», die nicht mit Pestiziden «massvoll geschützt werden», um vor den Folgen der Pestizid- und Trinkwasserinitiative zu warnen (siehe Box). Neben den Feldern prangen Schilder, die aufzeigen, wie gross der Ernteverlust wäre, wenn Bauern ihre Pflanzen nicht spritzen könnten: Fast 90 Prozent Ausfall bei den Reben, mehr als 50 Prozent weniger Kartoffeln und Raps. Zusätzlich platziert die Interessengemeinschaft 2000 Informationsschilder an Kulturen, an denen Landwirte Pflanzenschutz einsetzen.

«Die Verunsicherung bei den Bauern ist gross», sagt Samuel Guggisberg, der Präsident des Verbands, zu 20 Minuten. Viele hätten Angst, dass die Initiativen ihre Existenz bedrohen könnten. Es brauche deshalb eine aufrüttelnde Kampagne, die die «dramatischen Folgen» für die Lebensmittelproduktion in der Schweiz und die Bauern aufzeige.

Gäbe es mehr Importe?

«Wir setzen Pflanzenschutzmittel nicht zum Spass ein», betont Guggisberg. Es gehe darum, die Erträge zu sichern. «Ohne Pflanzenschutz nimmt der ohnehin schon tiefe Anteil der Schweizer Lebensmittel weiter ab, während die Importe steigen.»

Die Interessengemeinschaft, der rund 500 Bauern angehören, umgeht mit ihrer aggressiven Kampagne den Bauernverband, der noch im letzten Februar entschieden hatte, dieselbe Aktion «Dein Essen ist in Gefahr!» zu stoppen. Biobauern kritisierten sie als «Täuschungskampagne» und «Verarschung der Bevölkerung», weil Biobauern auch ohne synthetische Pestizide gute Erträge erzielten.

Idee stammt aus der Industrie

Ursprünglich stammt die Idee der Nullparzellen aus Österreich und Deutschland: Die dortige chemische Industrie – darunter Bayer und Syngenta – hatte die Aktion vor drei Jahren lanciert, um die «Gefühlsebene der Konsumenten anzusprechen».

Die IG Bauernunternehmen lässt sich vom Rückzug des mächtigen Bauernverbands und der Kritik der Biobauern nicht beeindrucken: «Wir sind die Männer fürs Grobe», sagt Guggisberg. Und auf Anfrage findet auch der Bauernverband nun, man finde die Aktion doch gut: «So kann man anschaulich zeigen, was je nach Wetter passiert, wenn auf jeglichen Pflanzenschutz verzichtet wird», sagt Sprecherin Sandra Helfenstein.

«Keine Vision»

«Peinlich», findet hingegen Franziska Herren, Initiantin der Trinkwasser-Initiative, die Aktion. «Das zeigt, dass einige Bauern keine Vision für eine zukünftige nachhaltige Landwirtschaft haben, ausser weiter mit Pestiziden zu hantieren.» Sie glaubt nicht, dass die «Angstkampagne» mit den toten Feldern bei der Bevölkerung verfangen werde, zu gross seit mittlerweile das Bedürfnis nach umweltschonenden und unbelasteten Lebensmitteln.

«Bio- und biodynamische Höfe zeigen, dass es schon heute ohne synthetische Pestizide geht», sagt Herren. Sie betont, dass auch bei einem Ja zur Initiative biologische Pestizide erlaubt seien und die Übergangsfrist acht Jahre betrage. «Das ist genug Zeit, um auch die Forschung voranzutreiben, dies ist auch ein Bestandteil der Initiative.»

Das steht drin

Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» eines Westschweizer Bürgerkollektivs will synthetische Pestizide gänzlich verbieten. Auch der Import von Produkten, die damit behandelt wurden, wäre nicht erlaubt.

Umkämpfte Initiativ-Veranstaltungen

Regelmässig spricht Franziska Herren öffentlich über ihre Trinkwasser-Initiative, die vermutlich im Herbst zur Abstimmung kommt. Die Initiative verlangt unter anderem, dass Landwirte nur noch Direktzahlungen erhalten, wenn sie auf Pestizide verzichten. Doch in den letzten Monaten sei die Stimmung bei ihren Auftritten zunehmend gehässiger geworden, sagt sie. «Seit Bauernkreise dazu aufrufen, unsere Veranstaltungen zu besuchen, ist eine gesittete Diskussion schwierig bis unmöglich geworden.» Teils würden die Landwirte gar ausfällig werden. «Ich trete deshalb nur noch auf, wenn die Veranstaltung moderiert wird», so Herren.

«Wir haben keine Rückmeldungen dieser Art erhalten und haben selber nie mitbekommen, dass Bauernvertreter in irgendeiner Art aggressiv oder ausfällig geworden wären», sagt hingegen Sandra Helfenstein vom Bauernverband. Vielmehr würden die Bauern kritische Fragen stellen und die zum Teil «absurden Behauptungen von Franziska Herren» widerlegen. «Sie kann nicht erwarten, dass sie unwidersprochen bleibt.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.