Massentierhaltungsinitiative: «Bauern werden im Abstimmungskampf als Kriminelle hingestellt»

Aktualisiert

Massentierhaltungsinitiative«Bauern werden im Abstimmungskampf als Kriminelle hingestellt»

Bilder und Berichte von verletzten und ausgehungerten Hühnern: Bauer Mario Küng nervt sich gewaltig über den Abstimmungskampf. Letztlich entscheide der Konsument an der Kasse.

von
Christina Pirskanen
Marino Walser
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Bauer Mario Küng aus dem Kanton Aargau stellt sich klar gegen die Massentierhaltungs-Initiative: «Für mich gibt es keine Massentierhaltung. Viel wichtiger ist, wie die Tiere gehalten werden», sagt Küng.

Bauer Mario Küng aus dem Kanton Aargau stellt sich klar gegen die Massentierhaltungs-Initiative: «Für mich gibt es keine Massentierhaltung. Viel wichtiger ist, wie die Tiere gehalten werden», sagt Küng.

20min/Marco Zangger
Auf seinem Hof leben 16’000 Masthühner. «Die Schweizer Bauernfamilien investieren jeden Tag ihr Herzblut in die Arbeit und die Schweizer Landwirtschaft macht gewaltige Fortschritte», so Küng.

Auf seinem Hof leben 16’000 Masthühner. «Die Schweizer Bauernfamilien investieren jeden Tag ihr Herzblut in die Arbeit und die Schweizer Landwirtschaft macht gewaltige Fortschritte», so Küng.

20min/Marco Zangger
Küng betont, dass die Bauern schlussendlich das produzieren, was von den Konsumentinnen und Konsumenten gekauft wird. «Würde man die Kassenbons als Wahlscheine zählen, würde die Initiative mit über 90 Prozent abgelehnt», hält Küng fest.

Küng betont, dass die Bauern schlussendlich das produzieren, was von den Konsumentinnen und Konsumenten gekauft wird. «Würde man die Kassenbons als Wahlscheine zählen, würde die Initiative mit über 90 Prozent abgelehnt», hält Küng fest.

Landbote

Darum gehts

  • Bauer Mario Küng hält 16’000 Masthühner auf seinem Hof.

  • Würde die Massentierhaltungsinitiative angenommen, befürchte er eine drastische Abnahme an inländischen Produkten.

  • Alfred Schädeli ist ebenfalls Landwirt – doch er unterstützt die Massentierhaltungsinitiative.

  • Seiner Meinung nach gebe es in der Schweiz noch zu viele Tiere, die nie unter freiem Himmel leben dürften.

  • Der Bauernverband spricht sich zwar entschieden gegen die Initiative aus, hofft jedoch auf einen Anstieg der Bio-Einkäufe.

Am 25. September stimmt die Schweiz über die Massentierhaltungsinitiative ab. Einer, der die Initiative nicht nachvollziehen kann, ist Mario Küng aus Eiken im Kanton Aargau. Auf seinem Hof hält der Bauer 16’000 Masthühner. Von einer Massentierhaltung sei dies aber weit entfernt. «Für mich gibt es keine Massentierhaltung. Viel wichtiger ist, wie die Tiere gehalten werden», sagt Küng.

In der Schweiz gebe es ein einzigartig strenges Tierschutzgesetz mit gesetzlich limitierten Höchst-Tierbeständen wie in keinem anderen Land. «Es macht für ein Huhn keinen Unterschied, ob es mit 2000 oder 16’000 anderen Hühnern in einer Herde lebt.» Im Ausland jedoch werden laut Küng teils Tiere in viel grösseren Herden und auf der Hälfte des Platzes gehalten.

«Die Schweizer Bauernfamilien investieren jeden Tag ihr Herzblut»

Küng nervt sich darüber, dass die Schweizer Bauern im Abstimmungskampf wie Kriminelle dargestellt würden. «Die Schweizer Bauernfamilien investieren jeden Tag ihr Herzblut in die Arbeit und die Schweizer Landwirtschaft macht gewaltige Fortschritte. Und die von der Initiative geforderten Bio-Standards gibt es bereits. Der Kunde findet diese, wenn er sie kaufen will.» Die Annahme würde laut dem Landwirt dazu führen, dass der Konsument bevormundet würde, indem man ihm keine Auswahl mehr gäbe.

Das Angebot an Schweizer Fleisch würde bei der Annahme der Initiative laut Küng drastisch schrumpfen. Er geht deshalb davon aus, dass Tiere aus schlechterer Haltung importiert würden. «Dies schadet mitunter auch der Ökologie. Es ist deshalb gleich doppelt spannend, dass diese Initiative von Links-Grün kommt», sagt Küng. Schlussendlich produzieren die Bauern laut Küng, was vom Konsumenten gekauft wird. «Würde man die Kassenbons als Wahlscheine zählen, würde die Initiative mit über 90 Prozent abgelehnt», hält Küng fest.

«Ein Mastmuni steht auf einer Fläche, die kleiner ist als mein Bett»

Alfred Schädeli vom Demeter-Hof Looren im Zürcher Oberland hingegen befürwortet die Massentierhaltungsinitiative: «Es gibt sehr viele Tiere in der Schweiz, die trotz Tierschutzgesetzen nie unter freiem Himmel leben können.» Zum Teil hätten die Tiere sehr wenig Raum zur Verfügung. «Ein Mastmuni wiegt rund 550 Kilogramm – und steht sein Leben lang auf einer Fläche, die kleiner ist als mein Bett.»

Was Massentierhaltung bedeutet, ist auch für Schädeli schwierig abzugrenzen. «Wenn aber die Tiere immer auf der gleichen Fläche stehen müssen, nicht nach draussen dürfen und in riesigen Mengen gehalten werden, ist das für mich eine industrielle Massentierhaltung», so der Landwirt. Auf seinem Hof leben rund 40 Milch- und Mutterkühe, ein paar Schweine und circa 600 Legehennen.

Bauernverband hofft auf mehr Bio-Einkäufe

Der Bauernverband lehnt die Initiative mit ähnlichen Argumenten wie Bauer Küng entschieden ab. Verständnis habe der Verband jedoch für die Ansichten beider Bauern. «Die Landwirte, welche die Initiative ablehnen, sind nicht gegen mehr Tierwohl, sondern gegen eine kontraproduktive staatliche Zwangsmassnahme.»

Bauern hingegen, die schon heute nach Bio-Standards produzieren, würden selbstverständlich die Initiative unterstützen. Und: Von ihnen könne es noch viel mehr geben, wenn die Bevölkerung beim Einkauf auf viel Tierwohl achte. «Wir hoffen darauf, dass sich der Bio-Anteil von Fleisch, Eiern oder Milch im Verkauf mit der Abstimmung mindestens vervierfacht», sagt Helfenstein.

Machen die Bauern schon genug für das Tierwohl oder nicht?

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