Schweizer Landwirtschaft: Bauern wollen zwei Preise auf Lebensmitteln

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Schweizer LandwirtschaftBauern wollen zwei Preise auf Lebensmitteln

Grossverteiler sollen auf Preisschildern anschreiben, wieviel Geld die Produzenten für ein Produkt erhalten. Konsumenten sollen so mehr Schweizer Produkte kaufen. Grossverteiler reagieren zurückhaltend.

Die Konsumenten sollen laut Bäuerlichem Zentrum Schweiz darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie mit dem Kauf von Schweizer Produkten Arbeitsplätze stützen.

Die Konsumenten sollen laut Bäuerlichem Zentrum Schweiz darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie mit dem Kauf von Schweizer Produkten Arbeitsplätze stützen.

Das Bäuerliche Zentrum Schweiz (BZS) will den Preiskampf im Detailhandel mit einer ungewöhnlichen Massnahme stoppen: Die Grossverteiler sollen auf den Preisschildern auch anschreiben, wieviel Geld die Produzenten für das Produkt erhalten.

So würden die Konsumenten beispielsweise erfahren, dass ein Bauer für ein Ei mit 27 Rappen entschädigt wird, wie BZS-Präsident Josef Kunz am Dienstag vor den Medien in Bern sagte. Die bäuerliche Basisorganisation will die Konsumenten damit motivieren, vermehrt Schweizer Produkte zu kaufen.

«Die Konsumenten müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie Arbeitsplätze in der Schweiz stützen, wenn sie Schweizer Produkte kaufen», sagte Kunz. Der abtretende Nationalrat (SVP/LU) ist überzeugt, «dass die Konsumenten sich an der Wertschöpfung beteiligen wollen».

«Positive Preisspirale» erhofft

Die Bauern erhoffen sich sogar eine «positive Preisspirale»: «Wenn ein Grossverteiler zeigt, was ihm die Schweizer Produkte wert sind, werden die Leute dort einkaufen», sagte Kunz. So könnten die Preise erhöht statt gesenkt werden.

Bereits ein Preisunterschied von einem Rappen sei für einen kleinen Bauernbetrieb überlebenswichtig, sagte Kunz: «Erhält ein kleiner Eierproduzent nur einen Rappen weniger pro Ei, so verliert er 10 000 Franken seines Jahreseinkommens.»

Dass die Bauern ein Interesse daran haben, ihre Preise offen zu legen, zeigt auch das Beispiel des Käsemarktes: Die Preissenkung auf dem Käsemarkt habe in den letzten Jahren nur bei den Produzenten stattgefunden, sagte Kunz. «Für uns haben sich die Preise halbiert - aber der Käse kostet immer noch gleichviel - das ist die Tragik.»

Grossverteiler zurückhaltend

Das BZS steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit zwei Grossverteilern. Er habe diesen seinen Vorschlag unterbreitet und warte nun auf eine Antwort, sagte Kunz.

Die Migros beurteilt die Idee der Bauern als «originell», aber «schwer umsetzbar», wie Sprecherin Monika Weibel auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Preise zwischen Händlern und Lieferanten seien Verhandlungssache und unterlägen dem Geschäftsgeheimnis. Zudem änderten sich die Preise oft und unterschieden sich je nach Menge und Qualität des Produktes.

«Die Migros ist aber für Transparenz», sagte Weibel. Um beim Beispiel der Eier zu bleiben: Der Detailhändler versehe jedes Schweizer Ei mit einem Code, mit dem die Konsumenten auf der Migros- Webseite die Herkunft der Eier bis auf den einzelnen Hof zurückverfolgen könnten.

Bei Coop sei keine Anfrage des BZS eingegangen, sagte Sprecherin Denise Stadler. Deshalb nehme das Unternehmen keine Stellung.

(sda)

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