Aktualisiert 20.06.2008 20:02

Kander-Drama«Bauernopfer» oder «gute Personalpolitik»?

Der Rücktritt von Luftwaffenchef Walter Knutti nach dem tödlichen Schlauchbootunfall auf der Kander ist von den Parteien mehrheitlich begrüsst worden, hat aber auch Misstrauen ausgelöst.

Für die SVP ist Knutti ein «Bauernopfer» im VBS, dessen Chef Samuel Schmid nötigenfalls die Konsequenzen ziehen müsste.

Erstaunt und zugleich beununruhigt über die Begründung äusserte sich die FPD zum Abgang des Luftwaffenkommandanten. Der Äusserung, wonach bei der Luftwaffe reglements- und weisungswidrigen Abläufe in der Kaderselektion zu Tage getreten seien, müsse nachgegangen werden, sagte FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher auf Anfrage. Denn eine gute Personalpolitik sei zentral für das Vertrauen in die Luftwaffe.

CVP-Generalsekretär Reto Nause attestierte Armeechef Roland Nef Führungsstärke in der Schlauchbootaffäre. Dies sei eine neue Qualität. Früher seien derartige Krisen oft ausgesessen worden. «Die Armee ist an sich sauber in den Regeln - wie der vorliegende Fall zeigt -, aber mangelhaft im Vollzug», sagte Nause.

Auch die SP begrüsste den Rücktritt. Knutti übernehme damit Verantwortung, sagte SP-Pressesprecher Peter Lauener. Dies sei bei der Armee nicht immer so gewesen. Damit sei es aber nicht gemacht. Laut SP muss der Bundesrat nun endlich ein umfassendes Konzept für die innere Führung der Armee ausarbeiten. Dies fordere die SP seit Jahren.

Für die SVP dagegen hat mit Knutti der falsche Mann die Konsequenzen aus den Problemen der Armee mit dem Bootsunglück gezogen. «Korpskommanant Knutti ist ein Bauernopfer», sagte Sprecher Alain Hauert. Die Hauptverantwortung trage der Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Samuel Schmid. Er sei derjenige, der nötigenfalls Konsequenzen zu ziehen hätte, sagte Hauert.

Falls es gravierende Gründe dafür gebe, sei es richtig, die Konsequenzen zu ziehen, sagte der Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), Hans Schatzmann zur jüngsten Entwicklung. Der Schritt zeige auch, dass Armeechef Roland Nef seine Verantwortung wahrnehme und wenn nötig rasch reagiere. (dapd)

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