Horgen ZH: Bauernschlauer Landwirt verlangt erneut Freispruch

Aktualisiert

Horgen ZHBauernschlauer Landwirt verlangt erneut Freispruch

Ein Weinbauer aus Horgen hat laut Anklage nicht nur 13 Hydranten zerstört, sondern auch eine Bronzefigur entwendet und den Personenwagen des Bauvorstandes mit Dieselöl beschädigt. Das Bezirksgericht Horgen hat den Behördenschreck mangels Beweisen freigesprochen. Seit Freitag beschäftigt der Fall das Obergericht.

von
Attila Szenogrady

Selbst der Verteidiger bezeichnete seinen heute 69-jährigen Klienten als bauernschlau. Fest steht, dass sich der rüstige Landwirt schon seit Jahren mit den Gemeindebehörden Horgen immer wieder anlegt. Laut Anklageschrift auch mit böswilligen und kriminellen Methode. So soll der Weinbauer im November 2005 den Personenwagen des ehemaligen Bauvorstandes Hans Stünzi beschädigt haben. Er zerschnitt das Verdeck des Cabriolets und leerte Dieselöl ins Wageninnere.

Laut Anklage Bronzeplastikfigur entwendet

Im März 2007 kam es zum nächsten Coup. Laut Anklage riss der Beschuldigte beim Berglikreisel vom dortigen Brunnen die Bronzeplastikfigur für 5000 Franken ab und entführte sie. Der Täter liess als Ersatz einen Gartenzwerg zurück. Das Kunstwerk gilt bis heute als verschollen. Wenige Wochen später soll der Landwirt einen eisernen Torflügel der Villa Seerose demontiert und an einen unbekannten Ort verbracht haben.

... und 13 Hydranten zerstört

Laut Anklage handelt es sich beim Winzer gar um einen Serientäter. So soll er auf dem Gemeindegebiet von Horgen innert drei Jahren nicht weniger als 13 Hydranten zerstört haben. Jedes Mal kam es zu Wasserfontänen und beträchtlichen Sachschäden.

Im November musste sich der Landwirt zuerst am Bezirksgericht Horgen verantworten. Wegen Sachentziehung und mehrfacher Sachbeschädigung musste er mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie 1000 Franken Busse rechnen.

Freispruch mangels Beweisen

Der Angeklagte wies die Vorwürfe zurück und wurde mangels Beweisen freigesprochen. Die Geschädigten legten Berufung ein und verlangten am Freitag vor dem Zürcher Obergericht Schuldsprüche. Der Anwalt der Kläger sprach von einem klaren Beweismosaik gegen den Beschuldigten. Sollte das alles Zufall sei, wollte er wissen und verwies auf die zahlreichen Konflikte, die der Angeklagte mit der Gemeinde Horgen bereits ausgetragen habe. Das Tatmotiv liege auf der Hand.

Erneut Freispruch verlangt

Der Angeschuldigte zeigte sich unbeeindruckt und führte aus, dass er die Ereignisse bloss von der Presse her kenne. Allerdings beschwerte er sich erneut, dass die Gemeinde von ihm noch keinen Tropfen Wein gekauft habe. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch und besass den Vorteil, dass sein Mandant niemals in flagranti erwischt worden war. Das Obergericht kam nach einem langen Prozessnachmittag noch zu keinem Entscheid. Es wird das Urteil den Parteien schriftlich zustellen. Auf das Verdikt darf man gespannt sein.

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