Bauernverband will keine «politischen Kamikaze-Übungen»
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Bauernverband will keine «politischen Kamikaze-Übungen»

Mit deutlichen Worten hat sich der Schweizerische Bauernverband (SBV) erneut gegen ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU ausgesprochen.

Die Bilanz zur Situation der Landwirtschaft stand im Zeichen einer Trendwende auf den Märkten und von mehr Unternehmertum bei den Bauern.

Derartige «politische Kamikaze-Übungen» seien zurzeit fehl am Platz, sagte Verbandspräsident Hansjörg Walter zu einem möglichen Agrarfreihandelsabkommen der Schweiz mit der EU. Denn die landwirtschaftlichen Einkommen würden sich mit einem solchen Abkommen praktisch halbieren.

Walter machte an der Medienkonferenz auf einem Bauernhof in Münchenwiler bei Murten auf die veränderten Rahmenbedingungen aufmerksam: «Statt Überfluss sind einige Agrarrohstoffe heute knapp und die Preise auf den Weltmärkten haben entsprechend angezogen.» Walter forderte, dass diese Situation auch in der nationalen Agrarpolitik berücksichtigt werden müsse. Der Trend zur Extensivierung sei zu stoppen und die nachhaltige Produktion weiter zu fördern. Der Thurgauer SVP-Nationalrat plädierte für einen breiten Ansatz: Lebensmittel von höchster Qualität produzieren, Kosten senken, Nischen- und Zuerwerbsmöglichkeiten bestmöglich nutzen.

Im gleichzeitig vorgelegten Situationsbericht befasst sich der Bauernverband auch mit den Erwerbsmöglichkeiten ausserhalb der Landwirtschaft, der so genannten Paralandwirtschaft. Sie ist nach den Worten von Verbandsdirektor Jacques Bourgeois eine von vier Möglichkeiten, mit denen die Bauernfamilien ihre Zukunft meistern können. Dazu gehörten Tätigkeiten wie die Verarbeitung und Vermarktung von hofeigenen Produkten, agrotouristische Angebote oder Dienstleistungen im Sozial- oder Umweltbereich.

Die im Bericht zusammengestellten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigten, dass es einen klaren Trend zur Diversifikation, beziehungsweise Paralandwirtschaft gebe. «Die Zahlen zeigen auch, dass die grosse Mehrheit unserer Bäuerinnen und Bauern sehr unternehmerisch sind und handeln, statt die Faust im Sack zu machen», sagte Bourgeois gemäss Redetext.

Für das Landwirtschaftsjahr 2007 zog der SBV eine gemischte Bilanz. Es sei von einem sehr warmen Frühling und einem wechselhaft feuchten Sommer geprägt gewesen. Das Wetter brachte im Schnitt gute Ernten aber auch starken Druck durch Krankheiten. Vor allem der Kernobstbau sei vom Feuerbrand arg beeinträchtigt worden. Der Viehmarkt verlief unterschiedlich, im Milchmarkt kam es nach jahrelangem Preisrückgang zu einer Wende. Der Produktionswert der Landwirtschaft sei um 3,6 Prozent auf 10,336 Milliarden Franken gestiegen. Das Nettounternehmenseinkommen legte 2,1 Prozent zu und erhöhte sich auf 2,598 Milliarden Franken.

In der Analyse der wirtschaftlichen Situation sind noch keine Auswirkungen der ansteigenden Produzentenpreise zu erkennen, da sie sich auf das Jahr 2006 bezieht. Der Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft lag bei 35 500 Franken (Vorjahr: 36 700), das landwirtschaftliche Betriebseinkommen bei 52 900 Franken (Vorjahr: 54 300 Franken). Damit liege das Einkommen der Bauern bei rund der Hälfte der übrigen Wirtschaftssektoren, sagte Bourgeois. (dapd)

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