Weiningen ZH: Baufirma bis zum letzten Rappen ausgesaugt
Aktualisiert

Weiningen ZHBaufirma bis zum letzten Rappen ausgesaugt

Um sein Hauptunternehmen zu retten, hat ein Baukaufmann aus Weiningen seine zweite Firma um über 170 000 Franken erleichtert.

von
Attila Szenogrady

Laut Gericht eine ungetreue Geschäftsbesorgung, die nun eine bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 250 Franken nach sich zieht.

«Ich wollte niemanden finanziell schaden», beteuerte der heute 46-jährige Kaufmann am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich. Zum Schluss allerdings vergeblich. So folgte das Gericht weitgehend den Darstellungen der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis und verurteilte den Unternehmer aus Weiningen wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Gläubigerschädigung sowie Urkundenfälschung zu einer hohen, aber noch bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 250 Franken. Zudem wurde der Angeklagte verpflichtet, zwei geprellten Ex-Angestellten einen Schadenersatz von über 131 000 Franken zu entrichten.

Laut Anklage Zweitfirma finanziell ausgehöhlt

Fest stand, dass der Angeklagte vor über zehn Jahren gleichzeitig als Geschäftsführer der beiden Baufirmen A* und B* aktiv war. Ebenso sicher war, dass die Firma B im Januar 2004 in den Konkurs fiel und einen Schaden in Millionenhöhe hinterliess. Zwei entlassene Angestellte der Firma B begannen gegen Limmattaler Unternehmer zu prozessieren. Dabei kam auch die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis ins Spiel. Diese erhob im September 2009 Anklage und lastete dem Baukaufmann unter anderem ungetreue Geschäftsbesorgung an. So soll der Angeschuldigte seine bereits massiv angeschlagene Zweitfirma absichtlich finanziell ausgehöhlt haben. Laut Anklage hatte der Beschuldigte der Firma B mindestens 175 000 Franken widerrechtlich entzogen und der Hauptfirma A zukommen lassen.

Freispruch verlangt

Gemäss Staatsanwaltschaft hatte der Geschäftsführer auch Bilanzen der Firma B gefälscht. So liess er zum Beispiel Ende 2001 ein Warenlager für über 246 000 Franken ausweisen. Obwohl er wusste, dass das Zweitunternehmen in Wahrheit über gar kein Warenlager mehr verfügte. Der Angeklagte habe die Firma B bis zum letzten Rappen ausgesaugt, plädierte der Geschädigtenvertreter.

Im Gegensatz zum Verteidiger, der einen vollen Freispruch verlangte und erklärte, dass das fragliche Warenlager erst im Jahre 2005 bei einem Hochwasser grossen Schaden genommen habe. Die Geschädigten hätten zudem hinter dem Rücken des Angeklagten eine Konkurrenzfirma aufbauen wollen, erklärte der Rechtsanwalt. Auf jeden Fall sei dem Angeschuldigten kein Vorsatz nachzuweisen.

Bereicherungsabsicht erwiesen

Das Gericht folgte jedoch der Anklage und sah eine Bereicherungsabsicht aufgrund der Akten als erwiesen an. Der Deliktbetrag betrug laut Urteil rund 170 000 Franken. Damit wurde der Angeklagte von einem bereits weit zurückliegenden Konkurs eingeholt. Allerdings hat er die Möglichkeit, den Fall an das Zürcher Obergericht weiterzuziehen.

* Namen der Redaktion bekannt

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