Morddrohungen und Vandalismus - Baufirma macht Ex-Auftraggeber die Hölle heiss
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Morddrohungen und VandalismusBaufirma macht Ex-Auftraggeber die Hölle heiss

Plattenleger werden unter dem Mindestlohn angestellt, andere machen Schwarzarbeit und bei der Kündigung werden ihre Autos demoliert – ein Ex-Auftraggeber erzählt.

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zst
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Nach der Kündigung wurden die Autos von mehreren ehemaligen Mitarbeitern einer Baufirma beschädigt.

Nach der Kündigung wurden die Autos von mehreren ehemaligen Mitarbeitern einer Baufirma beschädigt.

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Weil sie entweder schwarz oder unter dem Mindestlohn gearbeitet hatten, wendeten sie sich an einen ehemaligen Auftraggeber der beschuldigten Firma.

Weil sie entweder schwarz oder unter dem Mindestlohn gearbeitet hatten, wendeten sie sich an einen ehemaligen Auftraggeber der beschuldigten Firma.

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Als dieser das Arbeitsverhältnis mit dem Bauunternehmen auflöste, erhielt er nicht nur Morddrohungen, sondern auch seine Familie wurde belästigt.

Als dieser das Arbeitsverhältnis mit dem Bauunternehmen auflöste, erhielt er nicht nur Morddrohungen, sondern auch seine Familie wurde belästigt.

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Darum gehts

  • Als Mitarbeiter bei einer Solothurner Plattenlegerfirma kündeten, wurden kurz darauf ihre Autos beschädigt.

  • Zuvor wurden sie unter dem Mindestlohn des Gesamtarbeitsvertrages oder gar schwarz angestellt.

  • Die Geschäftsleiter der Firma näherten sich gar der Familie eines ehemaligen Auftraggebers, dem sie daraufhin Morddrohungen machten.

Jonas* erhielt bereits eine telefonische Morddrohung. Kurz darauf wurden die Reifen seines Autos aufgeschlitzt. Später wurde seine neunjährige Tochter auf dem Pausenplatz beobachtet und eingeschüchtert. Als schliesslich seine Frau und seine Tochter in der Badi stundenlang beobachtet wurden und auch die Polizei nicht eingeschritten sei, stand für Jonas fest: Er würde sich selbst schützen müssen. Zu 20 Minuten sagt er: «Ich fühle mich hilflos. Ich will doch nur noch ein normales Leben führen und nicht ständig in Angst um meine Familie leben müssen.»

Der Anfang des Terrors liegt drei Jahre zurück. Als Roman* und Fabio* in die Schweiz kamen und eine Plattenlegerfirma gründeten, baten sie Jonas um Hilfe. Letzterer ist Inhaber einer Baufirma und willigte ein, mit den beiden an zwei grossen Aufträgen beim Wohnpark Champagne in Biel zu arbeiten. Als Roman und Fabio nach den erledigten Arbeiten wieder fragten, ob er einen Auftrag für sie habe, verneinte er. Zwei Tage später rief ihn der Wohnpark Champagne an mit der Nachricht, die gemachten Plattenarbeiten seien übers Wochenende zerstört worden. Bereits da wurde Jonas stutzig, denn er vermutete, dass Roman und Fabio mutwillig die Platten beschädigt hatten, um einen weiteren Auftrag zu ergattern.

Nach dem aufgelösten Arbeitsverhältnis mit den beiden, meldete sich einer ihrer Mitarbeiter bei Jonas und zeigte ihm seinen Arbeitsvertrag bei der Plattenlegerfirma. Jonas erschrak, als er sah, dass der Brutto-Stundenlohn des Mannes lediglich 13 Franken betrug, wie dem Arbeitsvertrag, der 20 Minuten vorliegt, zu entnehmen ist. Dieser Betrag kommt einem Monatsgehalt von 2851 Franken gleich. Plattenlegerunternehmen unterliegen jedoch einem Gesamtarbeitsvertrag, in welchem ein Mindestlohn von 4215 Franken festgelegt ist. Der Mann kündigte schliesslich, weil ihm deutlich mehr Gehalt versprochen worden war, als er des Jobs wegen in die Schweiz kam.

«Wenn du zur Polizei gehst, bestrafen wir dich»

«Sie haben mich wie einen Sklaven ausgenutzt und mich überhaupt nicht respektiert», sagt er zu 20 Minuten. Als er seine Arbeit beim Solothurner Unternehmen beendete, hätten ihm die Arbeitgeber gedroht: «Wenn du zur Polizei gehst, bestrafen wir dich. Solltest du uns 10'000 Franken Schaden verursachen, machen wir dir 20'000 Franken Schaden.» Als die Firma schliesslich erfuhr, dass er mit der Unia in Kontakt war, wurde sein Auto beschädigt und seine Nummernschilder gestohlen. Er ist nicht der einzige, dem die Kündigung bittere Folgen bescherte. Sieben weitere ehemalige Mitarbeiter von Roman und Fabio suchten den Kontakt zu Jonas und klagten über demolierte Autos.

Einer davon wurde von der Firma schwarz angestellt. Er erzählt 20 Minuten, die Firma habe ihn mit sechs anderen Männern in einen zehn Quadratmeter grossen Raum eingepfercht, wo sie in unerträglichem Gestank gewohnt hätten. Auch er sagt: «Ich fühlte mich wie ein Sklave, der dort hineingeworfen wurde.» Und weiter: «Diese Männer sind Kriminelle.»

Jonas erklärt, dass er die Polizei über alle Vorfälle informierte, sie jedoch nicht auf seine Beschwerden reagiert habe. Deshalb suchte er das Gespräch direkt mit Roman und Fabio, woraufhin diese ihm mit Mord drohten. Da dem Bauleiter bekannt sei, dass Fabio in Italien im Gefängnis gesessen habe, weil er in einem Konflikt seinen Arbeitgeber erstochen habe, beantragte er eine Verfügung gegen die beiden. Nun dürfen sie sich, weder Jonas noch seiner Familie noch deren Haus nähern. Am 11. Dezember findet das Schlichtungsverfahren zwischen den Parteien statt.

«Ich habe mir einen Taser gekauft, weil ich mich von der Polizei nicht ausreichend beschützt fühle», sagt Jonas. Denn selbst nach der Verfügung wurde er von Roman und Fabio bis zu seiner Baustelle verfolgt.

Als 20 Minuten die beschuldigte Firma mit der Angelegenheit konfrontiert, verlangt diese die Namen der Zeugen, ansonsten gebe sie keine Auskünfte zu den Fällen. Aus Gründen des Quellenschutzes gab 20 Minuten diese jedoch nicht heraus. Deshalb haben Roman und Fabio eine Stellungnahme zu den Anschuldigungen verweigert. Einen Tag nachdem die beiden mit den Aussagen konfrontiert wurden, wurde Jonas’ Firmenauto beschädigt. Weil er eine starke Vermutung hegt, dass zwischen der Kontaktaufnahme und dem Vandalismus ein Zusammenhang besteht, wagt er nun einen erneuten Versuch und erstattet eine Anzeige bei der Polizei.

* Die Namen der Personen wurden geändert, da sie anonym bleiben wollen. Ihre richtigen Namen sind der Redaktion bekannt

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