Aktualisiert 14.03.2013 18:01

RekordbilanzBaukastensystem soll bei VW Kosten senken

VW ist optimistisch und spricht von einer erfolgreichen Zukunft. Der Einsatz gleicher Bauteile und Module in den neuen Modellen soll die Kosten um ein Fünftel sinken.

(Video: Reuters)

Der deutsche Autobauer Volkswagen muss angesichts der ausufernden Krise in Europa vom Gas gehen. «Wir müssen uns mehr denn je ins Zeug legen und alles geben», sagte Konzernchef Martin Winterkorn am Donnerstag bei der Präsentation der Rekordbilanz für das abgelaufene Jahr in Wolfsburg.

Allen konjunkturellen Unwägbarkeiten zum Trotz bleibt der Manager für 2013 jedoch grundsätzlich optimistisch. Winterkorn bekräftigte, dass Volkswagen im laufenden Jahr erneut mehr Autos verkaufen und den Umsatz steigern wolle. Beim operativen Gewinn erwartet der Vorstand indes ein weiteres Jahr Stagnation.

In den beiden ersten Monaten lieferte der Konzern ohne die Lastwagagenmarken MAN und Scania rund um den Globus 1,4 Millionen Fahrzeuge aus, das waren 8,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist. «Volkswagen hat alles, um den guten Weg der vergangenen Jahre auch unter veränderten Vorzeichen fortzusetzen, sagte der Konzernchef.

Viele neue Modelle

Seine Hoffnung stützt der Konzern auf eine Vielzahl neuer Modelle, die in den nächsten Jahren auf Grundlage des neuen Baukastensystems auf den Markt kommen sollen. Durch den Einsatz gleicher Bauteile und Module sollen die Kosten um ein Fünftel sinken.

Im vergangenen Jahr konnte die Euro-Krise, unter der die Konkurrenz von Opel über Ford und Fiat bis hin zu Peugeot ächzt, Volkswagen nur wenig anhaben. Trotz heftiger Preiskämpfe in Westeuropa, Milliardeninvestitionen in das neue Baukastensystem und der Eingliederung der Marken Porsche und MAN stieg der Betriebsgewinn 2012 um zwei Prozent auf 11,5 Mrd. Euro.

Beteiligungen in China

Einer der stärksten Ertragsbringer waren die Beteiligungen in China, aus denen VW anteilig ein operativer Gewinn von 3,7 Mrd. Euro zufloss, 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Kernmarke VW musste dagegen wegen der Krise in Europa Federn lassen, ihr operatives Ergebnis schrumpfte um vier Prozent auf 3,6 Mrd. Euro.

Unter dem Strich verdiente VW im abgelaufenen Jahr rund 22 Mrd. Euro, so viel wie nie zuvor ein deutsches Unternehmen. Grund für den Anstieg des Überschusses um fast 40 Prozent waren Sondereffekte im Zusammenhang mit der vollständigen Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts, stehen also nur auf dem Papier.

Schon im vorangegangenen Jahr hatte Volkswagen aufgrund von Bilanzeffekten aus der geplatzten Fusion mit der Porsche Holding SE unter dem Strich knapp 16 Mrd. Euro verdient.

Höhere Dividende

Der Konzernumsatz schwoll zugleich um mehr als ein Fünftel auf 192,7 Mrd. Euro an. Das entspricht dem Bruttoinlandprodukt Finnlands. Der Anstieg resultierte zu einem beträchtlichen Teil aus der Übernahme von Porsche und MAN.

Die VW-Aktionären sollen angesichts des Rekordgewinns abermals höhere Beteiligungen erhalten. Die Dividende soll um 50 Cent auf 3,50 Euro je Stamm- und 2,56 Euro je Vorzugsaktie angehoben werden.

Weniger Lohn für Winterkorn

Die Tarifbeschäftigten in den sechs westdeutschen Werken bekommen eine Prämie von 7200 Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr und damit 300 Euro weniger als für das vorangegangene Jahr. Grund ist der niedrigere Betriebsgewinn der Marke VW Pkw, der Grundlage für die Berechnung des Zuschlags an die Belegschaft ist.

Konzernchef Winterkorn erhält 14,5 Mio. Euro für das abgelaufene Jahr und damit 5,5 Mio. Euro weniger als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten. Damit wollte VW eigentlich verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten - wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Mio. Euro verdiente. Auch mit über 14 Mio. Euro ist Winterkorn der am besten bezahlte Vorstandschef in Europa. (sda)

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