Aktualisiert 19.10.2012 13:02

Ballonfahrer klagt an«Baumgartner hat mein Projekt gestohlen»

Weltrekord-Ballonfahrer Ivan Trifonov hatte einen grossen Traum: Den Aufstieg in die Stratosphäre mit anschliessendem freien Fall. Mit wem hat er die Idee besprochen? Genau - mit Felix Baumgartner.

von
rme

Die Menschheit wird am Sonntag Zeuge von Ivan Trifonovs grossartiger Heldentat. Der Österreicher steigt mit einem Heissluftballon in die Stratosphäre auf und stürzt sich anschliessend im freien Fall in Richtung Erde.

Ivan Trifonov? Der Name ist kein Pseudonym für Felix Baumgartner. Es ist der Name des Mannes, der den Rekordsprung ursprünglich geplant hatte. Und dessen Projekt zu seinem grossen Frust von Baumgartner und Red Bull – diplomatisch ausgedrückt – übernommen wurde.

Vier Weltrekord-Flüge und ein Traum

In der Ballonfahrer-Szene ist Trifonov eine grosse Nummer. Der gebürtige Bulgare, der in Wien lebt, bringt es gleich auf vier Einträge im Guinness-Buch der Rekorde. Als erster Mensch überquerte der heute 67-Jährige mit einem Heissluftballon das Mittelmeer. Er fuhr als Erster im Ballon zum Nord- und zum Südpol. Und Trifonov war der erste Ballonfahrer, der über den Kreml und die Chinesische Mauer fuhr. «Ivan, der Schreckliche» wird er genannt, wegen der «schrecklich schönen Ballonfahrten», die er seinen Gästen bietet.

Baumgartners Sprung aus der Stratosphäre

Trotz dieser Erfolge lässt ein letzter Traum Trifonov nie los: Er will mit einem Ballon in die Stratosphäre aufsteigen, bis auf 50 000 Meter, und sich anschliessend mit Schallgeschwindigkeit in die Tiefe stürzen. Sein Projekt schafft es vor zehn Jahren bereits in die Medien, es scheint ausgereift zu sein. Jahrelang tüftelt der Ballonfahrer gemeinsam mit russischen Kosmonauten an der «Mission Uranos», wie er seinen Plan nennt.

Absagen von Red Bull

Doch für die Umsetzung müssen Sponsoren her. Rund zehn Millionen Franken will Trifonov zusammenkriegen, auch bei Red Bull klopft er an. «Dreimal habe ich dort angefragt», erzählt er im «Kurier». Doch dreimal erhält er eine Absage, das letzte Mal im Jahr 2002.

Als er das Projekt 2005 beerdigt, nimmt er Kontakt mit Felix Baumgartner auf. Denn er weiss, dass der Extremsportler «ein Liebkind von Didi Mateschitz» ist, dem Red-Bull-Chef. Einen Aktenordner voll mit Unterlagen nimmt er zum Treffen mit Baumgartner in Salzburg mit. «Felix war Feuer und Flamme. Er hat alle Berechnungen und Kontaktadressen kopiert.» Trifonov gibt ihm das Material unter der Bedingung, dass er bei einer Umsetzung als Berater mit an Bord ist. Er vertraut auf die Ehrlichkeit unter Sportlern, einen schriftlichen Vertrag gibt es nicht. «Das war ein Fehler», weiss Trifonov nun.

Aus den Medien muss er in der Folge erfahren, dass Baumgartner sein Vorhaben mit einem US-Team in die Tat umsetzen will. «Er sagte mir kalt, dass er mich nicht braucht. Das ist charakterlos.»

Kein Geld für eine Klage

Vorübergehend bessert sich die Beziehung zwischen den beiden Ballonfahrern wieder. Es wird geplant, dass Trifonov beim Start in Roswell dabei ist, das Visum hat sich der 67-Jährige schon besorgt. «Doch plötzlich hiess es, es gebe zu wenig Platz. Wahrscheinlich hatten sie Angst, dass herauskommt, dass Felix nicht der Urheber des Projekts ist.»

Baumgartner gönnt er den Erfolg. Trifonov stört sich aber daran, dass er und sein Sponsor sich als Urheber der Idee präsentieren. Von einer Klage will er absehen, da er einerseits keinen schriftlichen Beweis hat und andererseits auch nicht das Geld, um in einem Prozess gegen den Milliardenkonzern zu bestehen.

Red Bull bestätigt, dass es Kontakte mit Trifonov gegeben hat. Die Idee eines Absprungs im freien Fall aus der Stratosphäre sei über 50 Jahre alt, lässt der Energy-Drink-Hersteller verlauten. Im Laufe der Jahre hätten immer wieder Abenteurer vorgesprochen und ihre Projekte präsentiert, darunter auch Trifonov. Da sein Konzept nicht überzeugend gewirkt habe, sei es nicht weiterverfolgt worden.

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