Aktualisiert 21.12.2011 17:18

Gezüchteter Erreger

Bauplan für Killer-Virus soll publiziert werden

Hintergrundwissen über ein im Labor gezüchtetes Killer-Virus könnte Millionen Menschen das Leben kosten. Dennoch erwägen zwei Wissenschaftmagazine die Informationen zu veröffentlichen.

Werden Terroristen bald Informationen zugespielt, die für Attentate grösseren Ausmasses missbraucht werden können? Das genau befürchtet die US-Behörde für Biosicherheit (NSABB).

Hintergrund: Die Wissenschaftszeitschriften «Science» und «Nature» wollen möglicherweise mit Hintergrundwissen über ein besonders gefährliches tödliches Virus an die Öffentlichkeit gehen.

Das US-Magazin «Science» zeigte sich beunruhigt, der Forschung «potenziell wichtige» Informationen zur Gesundheit vorzuenthalten, wie Chefredakteur Bruce Alberts erklärte. Auch das britische Blatt «Nature» verweist auf die Bedeutung der Informationen für die Wissenschaft, damit sich beispielsweise neue Behandlungsmethoden entwickeln lassen.

Die US-Behörde für Biosicherheit (NSABB), die die Regierung in Washington berät, befürchtet im Falle der Veröffentlichung der Informationen über das Vogelgrippevirus H5N1, dass dieses für Anschläge mit Millionen von Todesopfern hergestellt werden könnte.

Im Labor geschaffen

Bei dem Virus handelt es sich um eine genetisch abgewandelte Variante des H5N1-Virus, das erstmals von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sollte es in der Natur vorkommen oder von Terroristen eingesetzt werden, könnte es Experten zufolge eine tödliche Pandemie auslösen.

Das Virus führt in 60 Prozent der Fälle zum Tod. Bislang starben lediglich 350 Menschen an der Vogelgrippe, da diese nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Der Vorsitzende der NSABB, Paul Keim, zeigte sich im vergangenen Monat zutiefst besorgt über das Virus, das Forscher in Holland und den USA im Labor geschaffen haben.

«Ich kenne keinen anderen krankheitserregenden Organismus, der so beängstigend ist wie dieser», sagte Keim. Seine Behörde forderte die beiden Zeitschriften angesichts der «extrem ernsten globalen Bedrohung der Gesundheit» auf, «Änderungen an den Texten» vorzunehmen. «Science» und «Nature» prüfen nun die nicht bindende Forderung der US-Regierung.

(sda)

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