Begegnungsraum wird halbiert: «Baustelle wird angespannte Stimmung zusätzlich verschärfen»
Publiziert

Begegnungsraum wird halbiert«Baustelle wird angespannte Stimmung zusätzlich verschärfen»

Wegen der Bauarbeiten für den neuen Bahnhof wird die Begegnungszone Schützenmatte ab 2023 nur noch beschränkt nutzbar sein – ganz zum Ärger der Linken und der Menschen vor Ort.

von
Lara Hofer
1 / 8
Seit einigen Jahren wird in der Stadt Bern darüber diskutiert, wie die Begegnungszone Schützenmatte am besten genutzt werden könnte.

Seit einigen Jahren wird in der Stadt Bern darüber diskutiert, wie die Begegnungszone Schützenmatte am besten genutzt werden könnte.

20min/Matthias Spicher
Zurzeit befindet sich der Platz in einer Entwicklungs- und Ausprobierphase. Doch das soll sich bald ändern.

Zurzeit befindet sich der Platz in einer Entwicklungs- und Ausprobierphase. Doch das soll sich bald ändern.

20min/Matthias Spicher
Im Rahmen des Projekts Zukunft Bahnhof Bern sollen bereits ab 2023 Bauinstallationen einen Grossteil der Schützenmatte in Anspruch nehmen. 

Im Rahmen des Projekts Zukunft Bahnhof Bern sollen bereits ab 2023 Bauinstallationen einen Grossteil der Schützenmatte in Anspruch nehmen.

Sam Bosshard

Darum gehts

  • Der Bahnhof Bern wird umgebaut. Die Schützenmatte wird deshalb von 2023 bis 2026 als Bauinstallationsplatz dienen.

  • Die Alternative Linke (AL) sowie diverse Menschen vor Ort halten die geplante Veränderung für eine Zumutung mit grossem Konfliktpotential.

  • Die Stadt Bern betont, dass der Platz auch während der Bauarbeiten gut zugänglich sein werde – und dass passende Alternativen fehlen würden.

  • Seit vielen Jahren wird in Bern darüber diskutiert, wie die Schützenmatte am besten genutzt werden könnte.

Im Rahmen des Grossprojekts Zukunft Bahnhof Bern (ZBB) sollen grosse Teile der Begegnungszone Schützenmatte als Bauinstallationsplatz genutzt werden. Ab 2023 werde rund ein Drittel des beliebten Platzes für den Baubetrieb des neuen Bahnhofes verwendet, schrieb die «Berner Zeitung» am Wochenende. Bei verschiedenen Menschen vor Ort sowie bei der Alternativen Linken (AL) stösst das Vorhaben auf Kritik und Unbehagen.

«Weniger Platz zum Skaten und Austoben»

«Ich fände es extrem schade, wenn Teile der Schützenmatte nicht mehr benutzt werden könnten», sagt der 31-jährige Michael, der am Mittwoch mit den Inlineskates auf der Schützenmatte unterwegs war. Die letzten Sommer sei der Platz immer sehr beliebt gewesen – bei Jung und Alt. Das beste Beispiel dafür sind Leila (36) und Toufik (38): «Wir wohnen seit acht Jahren in der Schweiz und kommen seither immer hierher, damit die Kinder spielen und skaten könnten», so das Paar. Der beliebte Platz sollte ihrer Meinung nach weder für Baustellen noch für sonst etwas eingeschränkt werden.

Dem stimmt auch Sarah (47) zu, die mit ihren Kindern da ist. Sie verstehe zwar, dass der Platz in einer grossen Stadt begrenzt ist und hält eine temporäre Einschränkung für akzeptabel. Dennoch gibt es ihrer Meinung nach bessere Alternativen: «Die Schützenmatte-Parkplätze könnten aufgehoben werden, damit es hier weiterhin genug Platz hat.» Es sei nicht zeitgemäss, Parkplätze in der Stadt um jeden Preis aufrecht erhalten zu wollen: «Stattdessen sollte Freiraum geschaffen werden.» Dem stimmt auch ihr Sohn zu, der in dem Moment mit den Rollschuhen vorbeifährt: «Wenn es hier Baustellen gibt, werde ich weniger Platz zum Skaten und Austoben haben, das wäre echt schade.»

Linke Seite kritisiert das Vorhaben

Auch die Alternative Linke (AL) kritisiert das Vorhaben der Stadt. «Die Baustelle stellt ein entscheidender Bruch in der positiven Entwicklung der Schützenmatte dar», so Parteimitglied David Böhner. Er wittert ein grosses Konfliktpotential: «Die Schützenmatte ist generell ein konfliktbeladener Platz. Zusätzliche Gitter mit
Stacheldraht oder Videoüberwachung würden die Stimmung negativ beeinflussen und verschärfen. Die Entwicklung sollte in die umgekehrte Richtung gehen, damit die Schützenmatte ein einladender Platz zum Verweilen wird.»

Die Partei erwarte deshalb, dass die Stadt Bern alternative Plätze für die Bauinstallationen prüft, etwa auf der anderen Seite der Lorrainebrücke. «Falls tatsächlich kein anderer Ort gefunden werden kann, sollten die bereits bestehenden Parkplätze auf der Schützenmatte verwendet werden», findet Böhner. Denn diese würden ohnehin ein Drittel des Areals beanspruchen. So könnte verhindert werden, dass ein weiterer Drittel der Schützenmatte unbenutzbar wird. «Die Schützenmatte ist ein freier Treffpunkt für Jugendliche und alle Anderen und muss gefördert werden– eine Baustelle legt diesem Anliegen Steine in den Weg.»

«Es wird weiterhin Platz für Zwischennutzungen haben»

Die Stadt Bern ist sich dieser kritischen Ansichten bewusst. «Wir stehen in regelmässigem und gutem Austausch mit den Betroffenen», so Nadine Heller, Bereichsleiterin Gestaltung und Nutzung beim Tiefbauamt Bern. Es sei zu betonen, dass die Schützenmatte während den Bauarbeiten jederzeit zugänglich sein werde. «Es wird auch Platz für Zwischennutzungen aller Art haben», so Heller. Das Tiefbauamt könne das Bedürfnis der Bevölkerung nach Begegnungs-und Bewegungsraum gut nachvollziehen und werde deshalb versuchen, grosse Teile der Schützenmatte bestmöglich freizuhalten. Überwachungskameras werde es zudem keine geben, versichert Heller.

Leider liessen sich jedoch bei Bauarbeiten allgemeine Einschränkungen nicht vermeiden. «Container, Materiallager und Baufahrzeuge, welche für die Realisierung des neuen Bahnhofs im Einsatz stehen, werden auf der Schützenmatte installiert werden müssen», so Heller. Die Installationsfläche müsse im nahen Umfeld der Bauarbeiten sein – alternative Flächen seien bereits belegt. «Wir werden dem Wunsch der Bevölkerung jedoch Rechnung tragen und die Installationsflächen bestmöglich auf ein Minimum begrenzen.»

Deine Meinung

16 Kommentare