Aktualisiert 07.06.2007 10:18

Bayer stoppt «Pille für den Mann»

Keine «Pille für den Mann»: Die neue Schering-Mutter Bayer stellt die Forschung an dem Verhütungspräparat ein. Chemische Verhütung bleibt also Vorderhand Frauensache.

Dies bestätigte eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag in Berlin. Damit schwinden die Chancen, dass Frauen die Verhütung bald dauerhaft ihren Partnern überlassen können. Denn auch der Pharmakonzern Organon hat die entsprechende Forschung inzwischen beendet, wie der «Tagesspiegel» meldete.

Hintergründe wollte die Bayer-Schering-Sprecherin vor einem Analystentreffen am 19. Juni nicht nennen. Die Entscheidung, die Forschung einzustellen, bedeute auch nicht unbedingt, dass das Thema für alle Zeiten ad acta gelegt sei. Allerdings rechnen Experten nicht mehr mit einer schnellen Markteinführung. Die Hormonpräparate sollten dazu dienen, die Spermienproduktion zu unterdrücken und so eine Schwangerschaft bei der Partnerin zu verhindern.

Schering und Organon hatten von 2002 bis 2006 zusammen an der Pille für den Mann geforscht. Ende vergangenen Jahres kündigten sie die Trennung ihrer Forschung an, bekräftigten allerdings ihr Engagement für das Produkt. Schon damals schloss die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einem Bericht zum Stand der Forschung aber, dass «in den nächsten Jahren nicht mit der Markteinführung eines entsprechenden Produkts zu rechnen» sei.

Diese war zunächst schon für 2005, später dann für 2009 ins Auge gefasst worden. Doch gestaltete sich die Forschung schwierig. Zwar fanden die Wissenschaftler durch komplizierte Eingriffe in den Hormonhaushalt des Mannes tatsächlich einen Weg, ihn zeitweilig unfruchtbar zu machen. Um die Kombination von Gestagen und Testosteron sinnvoll zu dosieren, war jedoch sowohl ein Implantat als auch alle drei Monate eine Spritze nötig.

Für eine so komplizierte Darreichung sahen Schering und Organon keine Marktchancen, wie sie zur Trennung ihrer Aktivitäten im September 2006 mitteilten. Deshalb sollte die Forschung nun darauf zugespitzt werden, wie die Mittel leichter handhabbar werden könnten. Auch damit ist es nun offenbar vorbei.

Nach der Übernahme durch Bayer soll bei Schering in Berlin laut «Tagesspiegel» die Forschung insgesamt auf nur noch vier Schwerpunktthemen konzentriert werden: Krebs, Frauen-Gesundheit, Herz-Kreislauf und diagnostische Bildgebung. Das gesamte bisherige Forschungsfeld Andrologie (Männerkunde) tauche in der Forschungsstrategie des Unternehmens nicht mehr auf. (dapd)

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