Nach Unentschieden: Bayern feuern van Gaal
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Nach UnentschiedenBayern feuern van Gaal

Nach dem 1:1 in Nürnberg hat Bayerns Führungscrew mit der sofortigen Entlassung von Louis van Gaal (59) reagiert.

von
tog
Louis van Gaal ist nicht mehr Trainer von Bayern München.

Louis van Gaal ist nicht mehr Trainer von Bayern München.

Präsident Uli Hoeness rechnete mit dem gescheiterten holländischen Coach gnadenlos ab: «Der Spass hat in diesem Verein seit langer Zeit gefehlt.»

Der FCB trennt sich mit Ausnahme des Assistenten Andries Jonker (48) vom gesamten Trainerstab. Jonker soll den beträchtlichen Schaden in den restlichen fünf Runden begrenzen und den Verein zumindest auf Platz 3 führen, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt.

Den letzten Termin zur «Personalie Van Gaal» erklärte Hoeness zur Chefsache. Die Abrechnung mit Van Gaal überliess er niemandem anders. Mit hoch rotem Kopf sass er auf dem Podium: «Nicht nur bei uns fehlte der Spass, sondern auch bei den Spielern. Und dass die Spieler hinter ihm standen, ist ein Märchen.» An der Säbener Strasse wurde heftig nachgetreten.

Die unmittelbare Vorgeschichte? Beim Derby in Nürnberg hatten sich die Bayern einen weiteren schwachen Auftritt geleistet. Keeper Thomas Kraft, den Van Gaal in der Winterpause (überraschend) zur Nummer 1 befördert hatte, verschuldete mit einem Fehlpass den Ausgleich. Nach Spielschluss beschwerte sich Arien Robben so lange, bis ihm der Schiedsrichter die rote Karte zeigte.

Die problematische Goalierochade von Jörg Butt zu Kraft thematisierte Hoeness in seiner ausführlichen Fehleranalyse tags darauf und leitete diverse Probleme ab: «Es ist eine Unruhe in der ganzen Abwehr entstanden.» Auch für den Fan-Aufstand benannte der langjährige Manager den Hauptschuldigen: «Vor allem das Thema Neuer hätte sich hier nie so hochgeschaukelt, wir hätten nie ein Problem bekommen mit der Südkurve. Wir haben uns Probleme gemacht, die völlig unnötig waren. Das sollte sich Louis van Gaal mal überlegen.»

Das rot-weisse (Bayern-)Tuch war seit Monaten zerschnitten. Van Gaal hätte München im Sommer nach einer enttäuschenden zweiten Saison ohnehin verlassen müssen. Leverkusens Jupp Heynckes wird dann übernehmen. Angesichts des ungünstigen Betriebsklimas zeichnete sich ab, dass der «lahmen Ente» Van Gaal kein allzu langer Auslauf mehr gewährt würde.

Hoeness hatte «LvG» im Rahmen einer Talksendung auf «Sky» als «beratungsresistent» diffamiert. Es war der präsidiale Konter auf den Ratschlag Van Gaals, Hoeness könne bei der Lektüre seines Fussball-Buchs unter Umständen noch etwas dazulernen. Die Basis zur vernünftigen Zusammenarbeit fehlte danach. Hoeness hatte seinem leitenden Angestellten öffentlich den Support gekündigt und ihn, den Widerborstigen, genüsslich blossgestellt.

Die internationalen Turbulenzen überstand der «angezählte» Coach zwar noch, doch das Out gegen Inter im Achtelfinal der Champions League ramponierte sein Image weiter. Das Remis und die Aussetzer Krafts kosteten ihn nun endgültig den Job - knapp ein Jahr nach der rauschenden Siegesfeier auf dem Marienplatz ist Louis van Gaal offenbar nur noch ein «Biest».

Van Gaals System funktionierte nur während der ersten zwölf Monaten. In jener Phase führte er den Verein von einer Trophäe zur nächsten. Cup und Meisterschaft gewannen die Münchner. Der eigenwillige Trainer stand für Extravaganz. Und auf europäischer Ebene wurde der FCB erst im Final von Inter gestoppt. Der Vertrag wurde vorzeitig bis 2012 verlängert. Nun ist alles Makulatur. Van Gaal ist ab sofort Münchner Geschichte.

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