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Sehr anfällige Defensive«Bayern-Niederlage ist die schönste Neuigkeit seit langem»

Die Bayern haben nach 14 Tagen im neuen Jahr schon mehr Spiele verloren als im kompletten 2020. Dafür verantwortlich ist unter anderem eine Verteidigung, die aktuell geschlossen im Formtief ist.

Thomas Müller schnauzt nach der Niederlage gegen Kiel die Reporterin an.

ARD

Was ist nur mit dem Triple-Sieger Bayern München los? Nachdem die Bayern am Freitag eine 2:0-Führung gegen Mönchengladbach hergegeben haben, kam es am Mittwochabend zur grossen Überraschungspleite im DFB-Pokel gegen Holstein Kiel. Damit hat Bayern München 2021 schon mehr Pflichtspiele verloren als im ganzen Jahr 2020 – und das am 14. Januar. Nur gegen die TSG Hoffenheim am 27. September verlor der Rekordmeister im vergangenen Jahr.

«Nicht gerade die beste Zeit des FC Bayerns»

Nach der Überraschungspleite im DFB-Pokal beim Fussball-Zweitligisten Holstein Kiel will Münchens Trainer Hansi Flick erst gar kein Krisengerede aufkommen lassen. «Im Moment ist das so ein Lauf, den wir haben. Wir müssen jetzt nach vorne schauen, wir müssen viel arbeiten. Es gibt auch keine Entschuldigung mehr», sagte Flick nach dem 5:6 im Elfmeterschiessen und dem Scheitern schon in der zweiten Runde am Mittwochabend. «Natürlich ist das ein Schock, wir sind enorm enttäuscht.»

Ein sichtlich angefressener FCB-Spieler Thomas Müller sagte beim Pay-TV-Sender Sky: «Ich bin in meiner Karriere noch nie so früh aus dem Pokal ausgeschieden.» Das 1:1 habe man wiederum nicht gut verteidigt. «Das verfolgt uns ja schon bisschen länger.» Es sei nicht gerade die beste Zeit des FC Bayerns. Noch frustrierter reagierte Müller anschliessend vor der Kamera der ARD, weil die Reporterin während einer Frage lacht (siehe Video).

Historisches Ausscheiden

Erstmals seit mehr als 20 Jahren scheiterte der FC Bayern in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Am 1. November 2000 verloren die Münchner beim Oberligisten 1. FC Magdeburg ebenfalls im Elfmeterschiessen. Die Niederlage in Kiel war auch die erste seit 17 Jahren gegen einen unterklassigen Verein. Zudem bedeutete sie das Ende einer Siegesserie nach 13 Pokal-Spielen.

Abwehr wackelt wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Die aktuelle Defensiv-Misere der Bayern wurde auch in Kiel deutlich. In der Bundesliga hat der Tabellenführer nach 15 Spieltagen schon 24 Gegentreffer kassiert – nur fünf Teams haben mehr und so viel Gegentore kassierten die Münchner zuletzt in der Saison 1981/1982. Damals wurden sie am Ende Dritter. Auch im Pokal am Mittwochabend liess die wackelige Abwehr wieder zwei Tore zu. «Das ist das Muster, das wir jetzt schon bei vielen Gegentoren gesehen haben. Wir haben das ganz klar angesprochen, wir müssen die Zentrale, die Mitte absichern», bemängelte Trainer Hansi Flick beispielsweise die Entstehung des 1:1 durch die Kieler.

Verteidigung sorgt mit Vertragsverhandlungen für Schlagzeilen statt mit Leistungen

Ein Grund für die schlechte Statistik der Bayern-Defensive könnten die vielen offenen Baustellen sein. Die Verträge des Stammduos in der Innenverteidigung laufen aus: David Alaba ist momentan mehr wegen seines auslaufenden Vertrags Gesprächsthema als wegen seiner Leistungen. Alle deutet auf einen Bayern-Abschied hin – Alaba soll bei Real Madrid, Liverpool und Manchester City auf dem Zettel stehen. Auch der Vertrag des 32-jährigen Jérôme Boateng läuft im Sommer aus. Die Verteidiger Niklas Süle und Weltmeister Benjamin Pavard sind beide eher im Leistungstief als in Top-Form.

Hinzu kommt Verletzungspech bei Tanguy Nianzou, der im Sommer von Paris Saint-Germain zu den Bayern gekommen ist und als eines der grössten Innenverteidiger-Talente überhaupt gilt. Erst 21 Minuten in einem Spiel konnte der 18-jährige Franzose für die Bayern auf dem Platz stehen. Zu guter Letzt ist da noch Bouna Sarr, der im Herbst kurz vor Ende des Transferfensters von Marseille nach München transferiert wurde. Bis heute fragen sich die Bayern-Fans, was Sarr bei den Münchnern macht. Sky-Experte und Ex-Nationalspieler Didi Hamann sagte bei der Verpflichtung: «Sarr ist wahrscheinlich eine Notlösung. Man hätte lieber einem Nachwuchstalent die Chance gegeben – ich verstehe diesen Transfer nicht.» Der 28-Jährige zeigt bisher eher enttäuschende Leistungen und kann das Formtief von Pavard nicht ausgleichen auf der Position der rechten Verteidigung.

«Die schönste Neuigkeit seit langem»

Die Niederlage der Bayern gegen Kiel wird in den sozialen Medien wie auch in der 20-Minuten-Community gefeiert: «In einer schwierigen Zeit für die Gesellschaft ist das die beste Neuigkeit seit langem» oder «so schön, wieder mal hängende Köpfe von Bayern-Spielern zu sehen» lauten etwa die Kommentare. Die Bayern-Fans reagieren cool: «Dann gewinnen wir halt nur das Double – Meisterschaft und Champions League. Pokal ist eh nicht so wichtig.» Für die Münchner geht’s nun Schlag auf Schlag weiter. Bundesliga, Champions League und Club-WM in Kater – in den nächsten Wochen spielen die Bayern fast alle drei Tage. Die Stars müssen also auf dem Spielfeld aus der Krise finden. Thomas Müller macht Hoffnung: «Ich bin mir sicher, wir werden die nächsten Spiele auch gewinnen.»

(wed/afp)

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54 Kommentare
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Fragenüb erFragen

14.01.2021, 16:03

Diese Bayern interessieren nicht, auch Müller nicht, aber im Interview hatte er recht. Wenn ich mir die Fragen von sogenannten Journalisten anschaue (auch die PK des BR zu Corona), muss ich mich langsam Fragen, ob ihr ganz dicht seit.

Fauxpas

14.01.2021, 15:37

Die Reporterin der ARD stellt eine absolut überflüssige Frage und lacht noch hämisch dazu. Total daneben!

Durosa

14.01.2021, 14:38

Es ist da schon lange an der Zeit, für eine Wachablösung. Denn ohne ihre Millionen, die sie Haufenweise umher schmeissen, sind sie höchstens Mittelmass. Ich gönne jedem Team den Sieg gegen die eingebildete Fraktion. Ist bei Basel nicht anders!