Bayern trotz Niederlage mit guter Ausgangslage
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Bayern trotz Niederlage mit guter Ausgangslage

Mit einem späten Tor wahrte Bayern München bei Real Madrid (2:3) die Chancen auf die Viertelfinalqualifikation in der Champions League.

Real Madrid hat sich im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bayern München nur einen minimalen Vorsprung erspielt. Zwar führten die Spanier schon nach 34 Minuten 3:1, doch das zweite Münchner Auswärtstor zum 3:2 durch Mark van Bommel (88.) eröffnet den Bayern verbesserte Chancen auf die Wende im Rückspiel.

Reals Startfuriose zu wenig honoriert

Die Abwehrmängel der beiden Formationen schnitten den beiden Trainern tiefe Furchen der Sorge ins Gesicht. Die Fans jedoch bekamen so ein von Beginn weg völlig offenes Spiel zu sehen. Mit Vorteilen für Real bis zwei Minuten vor dem Ende. Der Zweitore- Vorsprung dank der Treffer von Raul (10./28.) und Ruud van Nistelrooy (34.) aus der ersten Halbzeit und die vorzügliche Ausgangslage für die Spanier war plötzlich weg, als Van Bommel mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze den Anschlusstreffer erzielte (88.). Dieses Tor katapultierte die Bayern (fast) auf Augenhöhe mit den «Merengues». Im Heimspiel in 14 Tagen genügt dem deutschen Meister ein Sieg mit einem Tor Differenz (ausser er kassiert mehr als zwei Tore), um in die Viertelfinals einzuziehen.

Bis dieses späte Tor plötzlich Stille der Enttäuschung über das Bernabeau legte, war es der Abend der süssen königlichen Überraschungen gewesen: seitenlang hatten sich die Gazetten in der Hauptstadt beschwert, dass die Equipe pragmatischen Resultat- Fussball praktiziere und als Folge davon keine Tore schiesse. Untermauert wurden diese Theorien mit der Statistik, die besagt, dass Real in dieser Saison in der Primera Division bisher in zwölf Heimspielen erst zwölf Treffer erzielt hat. In den letzten vier Partien vor dem kritischen Heimpublikum ging das Star-Ensembe sogar dreimal leer aus.

Und jetzt dies: nur zehn Minuten dauerte es, bis die Spanier führten; nach 34 Minuten hatten sie sogar schon dreimal gejubelt. Dass Captain Raul dabei zum Doppeltorschützen avancierte, passte zum Spiel, das so gar nicht dem Erwarteten entsprach. Der 29- Jährige ist zwar mit 56 Toren der Topskorer der Champions-League- Historie, traf aber seit Ende November für Real in einem Wettbewerbsspiel nicht mehr.

Diese Doublette des zuletzt erfolglosen Raul war vielleicht so etwas wie ein Votum für den (wohl bald) scheidenden Trainer Fabio Capello. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Raul zusammen mit Capellos Landsmann Fabio Cannavaro und dem Holländer Ruud van Nistelrooy einen kleinen Kreis bildet, der sich immer wieder hinter den italienischen Trainer gestellt hat.

Raul stand so im Mittelpunkt einer Mannschaft, die stärker auftrat, als nach den zuletzt lamentablen Auftritten auf dem Rasen und den Querelen daneben (aus spanischer Sicht) befürchtet werden musste. Königlich oder gar überirdisch traten die Madrilenen zwar nicht auf, doch die Leistung war so gut, dass sie diesem «Krisengipfel» Klasse und Niveau verlieh. Stupend war dabei auch der Auftritt von David Beckham. Der Engländer verliess seine Position auf der rechten Seite wiederholt und setzte durch die Mitte oder über das linke Couloir Akzente. Das 2:1 und 3:1 bereitete Beckham mit stehenden Bällen vor, ein Torerfolg blieb ihm beim Freistoss in der 52. Minute an die Latte nur um Millimeter verwehrt.

Die Bayern wurden mit der knappen Niederlage und den zwei Auswärtstore für einen bis zur 70. Minute schlechten Auftritt gut bedient. Die Abwehr war bei allen drei Gegentoren von der Situation völlig überfordert. Dass zwei dieser Treffer nach stehenden Bällen fielen, verwunderte Trainer Ottmar Hitzfeld wahrscheinlich wenig. Offenbar hatte er am Abend zuvor im Abschlusstraining noch lange das Abwehrverhalten bei gegnerischen Freistössen und Cornern geübt. Genützt hat es offenkundig wenig.

In der Offensive waren die Münchner zudem lange Zeit harmlos. Erst die Einwechslung von Claudio Pizarro für den schwachen Lukas Podolski in der letzten halben Stunde belebte den Angriff sichtlich. Der Peruaner kam dreimal gefährlich zum Abschluss, scheiterte in seiner besten Aktion nach schönem Dribbling aber am bravourösen Iker Casillas (78.). Das zweite Auswärtstor, das die Bayern wie einen Siegtreffer feierten, war zu diesem Zeitpunkt jedoch nur aufgeschoben.

Schlauer Giggs brachte ManU den Sieg bei Lille

Die Abgebrühtheit von Ryan Giggs brachte Manchester United im Hinspiel des Achtelfinals bei Lille den 1:0-Vorteil. Der Waliser schlenzte einen Freistoss ohne Abwarten des Abstands aus 16 Metern direkt ins Tor (83.).

Der Treffer sorgte in Lens, wo Lille seine Europacup-Spiele austragen muss, auf Seiten der Franzosen für hitzige Köpfe. Die Proteste beim Schiedsrichter Eric Braamhaar, der schon zuvor den Unmut der Gastgeber auf sich gezogen hatte, beschränkten sich nicht nur auf auf das übliche Reklamieren; Lille deponierte gleich einen Spielfeldprotest. Giggs und Rooney, der den Ball setzte, hatten beim entscheidenden Freistoss nicht den Abstand verlangt und den Freistoss sofort ausgeführt, während Tony Sylva am nahen Pfosten noch die Mauer dirigierte.

Manchester dominierte die Partie während praktisch 60 Minuten, ohne jedoch in der Offensive die entscheidende Durchschlagskraft zu haben. Wayne Rooney, in der Champions League mit Ausnahme seines Hattricks beim Debüt im September 2004 noch ohne Torerfolg, und Cristiano Ronaldo, in der europäische Königsklasse ebenfalls noch ohne Treffer, vergaben in der ersten Halbzeit ihre Möglichkeiten, und der Portugiese scheiterte nach dem Seitenwechsel alleine vor Syvla (53.). Erst danach steigerte sich Lille, Mathieu Bodmer scheiterte an Edwin van der Sar (58.). Drei Minuten später traf Peter Odemwingie, doch hatte Braamhaar ein Foul des Nigerianers an Nemanja Vidic gesehen (61.).

Méndez' Schuss ins PSV-Glück

Ein Distanzschuss des Ekuadorianers Edison Méndez nach einer Stunde brachte PSV Eindhoven den 1:0-Erfolg gegen Arsenal mit Philippe Senderos. Die Londoner vergaben eine bessere Ausgangslage im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals in der ersten Halbzeit.

Arsenal hat auf europäischer Bühne die gleichen Probleme wie in der Premiership - die mangelnde Effizienz. Tomas Rosickys Abschluss in der 13. Minute nach einem schönen Doppelpass mit Thierry Henry stoppte PSV-Keeper Gomes mit den Fingerspitzen, und kurz vor der Pause scheiterte Henry ebenfalls am Brasilianer. Erst nach der der Torpremiere von Mendez in der Champions League fand Eindhoven besser ins Spiel und kam zu einigen Möglichkeiten. Vor allem verstanden es die Holländer nach dem Seitenwechsel, das schnelle Kurzpassspiel der Londoner wirkungsvoll zu unterbinden.

Gilardinos viele Chancen

Milan hat es bei Celtic Glasgow verpasste, eine (noch) bessere Ausgangslage für das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League zu schaffen. Trotz spielerischer Dominanz und einiger guter Chancen kam der Favorit aus der Serie A nur zu einem 0:0.

Vor allem Alberto Gilardino hätte dieses Achtelfinal-Duell für die Mailänder schon im Hinspiel in die entscheidenden Bahnen lenken können. Doch der Stürmer, der auch in der Serie A seit über einem Monat nicht mehr getroffen hat, vergab dreimal aus günstigster Position. Gefahr, die Partie zu verlieren, lief Milan zu keinem Zeitpunkt. Die Abwehr um Captain und Jubilar Paolo Maldini (100. Spiel in der Champions League), die am vergangenen Samstag in Siena noch drei Tore kassiert hatte, liess aus dem Spiel heraus nicht eine Celtic-Chance zu und auch der gefährlichste Freistoss von Spezialist Nakamura war eine leichte Aufgabe für Milans Ersatztorhüter Kalac (40.).

Champions League, Achtelfinals, Hinspiele:

Real - Bayern 3:2 (3:1)

Santiago Bernabeu. - 77 000 Zuschauer (ausverkauft). - SR De Bleeckere (Be).

Tore: 10. Raul 1:0. 24. Lucio 1:1. 28. Raul 2:1. 34. Van Nistelrooy 3:1. 88. Van Bommel 3:2.

Real Madrid: Casillas; Torres, Cannavaro, Helguera, Roberto Carlos (59. Raul Bravo); Beckham, Gago, Guti, Raul; Higuain (53. Robinho), Van Nistelrooy.

Bayern München: Kahn; Sagnol, Lucio, Van Buyten, Lahm; Van Bommel, Hargreaves, Demichelis (46. Salihamidzic), Schweinsteiger (79. Scholl); Makaay, Podolski (61. Pizarro).

Bemerkungen: Real ohne Diarra, Sergio Ramos und Cicinho (alle verletzt). 52. Kahn lenkt Freistoss von Beckham an die Latte. Verwarnungen: 38. Demichelis (Foul). 56. Schweinsteiger (Foul).

Celtic - Milan 0:0

Celtic-Park. - 60 000 Zuschauer. - SR Hauge (No).

Milan: Kalac; Oddo, Maldini, Kaladse (63. Bonera), Jankulovski; Gattuso, Pirlo, Ambrosini, Gourcuff; Kaka; Gilardino (77. Oliveira).

Bemerkungen: Milan ohne Ronaldo (nicht spielberechtigt) und Borriello (gesperrt) sowie Seedorf, Nesta, Inzaghi, Dida und Serginho (alle verletzt). Verwarnungen: 10. Maldini (Foul). 36. Nakamura (Foul). 71. Gilardino (Unsportlichkeit).

Lille - ManU 0:1 (0:0)

Félix-Bollaert, Lens. - 31 680 Zuschauer. - SR Braamhaar (Ho).

Tor: 83. Giggs 0:1.

Lille: Sylva; Chalmé, Plestan, Tavlaridis, Tafforeau; Debuchy, Bodmer, Makoun, Obraniak (90. Bastos); Fauvergue (57. Cabaye); Odemwingie (75. Audel).

ManU: Van der Sar; Gary Neville, Ferdinand, Vidic, Evra; Cristiano Ronaldo (67. Saha), Carrick, Scholes (93. O'Shea), Giggs; Rooney; Larsson.

Bemerkungen: Lille ohne Kader Keita (gesperrt) und Lichtsteiner (Ersatz). - 62. Tor von Odemwingie aberkannt (Foul an Vidic). - Verwarnungen: 4. Fauvergue (Foul), 15. Evra (Foul), 27. Debuchy (Foul), 30. Vidic (Foul), 84. Sylva (Reklamieren).

Eindhoven - Arsenal 1:0 (0:0)

Philipps. - 35 770 Zuschauer. - SR Övrebro (No).

Tor: 61. Méndez 1:0.

PSV Eindhoven: Gomes; Kromkamp, Alex, Da Costa (66. Sun Xiang), Salcido; Culina, Simons, Cocu; Méndez, Arouna Koné, Diego (75. Väyrynen).

Arsenal: Lehmann; Gallas, Kolo Touré, Senderos, Clichy; Hleb (76. Baptista), Gilberto, Fabregas, Rosicky; Henry, Adebayor.

Bemerkungen: Arsenal ohne Djourou (Ersatz). - Verwarnung: 63. Senderos (Hands).

(si)

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