Aktualisiert 13.11.2007 11:09

Bayern wieder auf Schmusekurs

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat die Kritik an Ottmar Hitzfeld relativiert. An der Hauptversammlung des Vereins reichte er dem Trainer symbolisch die Hand.

Bei den Bayern hängt derzeit der Haussegen schief. Die öffentliche Kritik von Vorstands-Chef Rummenigge an Trainer Hitzfeld lässt die Gemüter kochen und die Gerüchteküche brodeln. Präsident Franz Beckenbauer zeigte sich deshalb an der Hauptversammlung des Tabellenführers am Montagabend auf Schmusekurs. Wie deutsche Medien berichten, begrüsste der «Kaiser» Trainer Ottmar Hitzfeld und löste minutenlangen Beifall auf. «Ich denke, Ottmar, der Beifall wird dir gut tun», sagte der Präsident, «und den hast du dir auch verdient.» Vielleicht könne Hitzfeld aber später erklären, weshalb er in den letzten Spielen so viel gewechselt habe. Beckenbauer: «Das wäre sicherlich von Interesse.»

Rummenigge streitet gern

Auch Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich versöhnlich. «Ich war sauer», kommentierte er seine öffentliche Kritik an Trainer Hitzfeld nach dem Uefa-Cup-Spiel gegen Bolton. Er sei ein Freund der bayerischen Streitkultur, so Rumenigge. «Sie macht uns stark und führt uns am Ende des Tages zum Erfolg.» Und der Vorsitzende fügte an: «Wir vom Vorstand betrachten uns als Freunde und Partner von Ottmar Hitzfeld, aber ich gehe auch mit Freunden kritisch um.» Dennoch liess sich Rummenigge auf dem Rednerpult zu einer Geste hinreissen: «Ich reiche ihm von hier oben symbolisch die Hand.» Dies aber nicht weil er einen Streit beenden wolle, sondern weil er als Partner und Freund kein Interesse daran habe, Dinge in der Öffentlichkeit auszudiskutieren.

Die Kritik kommt nun von aussen

Obwohl die Bayern das Kriegsbeil begraben zu haben scheinen, schwillt die Kritik nicht ab. In verschiedenen Medien äussern sich Fussball-Experten zur aktuellen Situation des Bundesliga-Leaders. Trainer-Legende Winnie Schäfer ist beispielsweise überzeugt, dass Hitzfeld den Vertrag bei den Bayern nicht verlängern wird. «Es wird für beide Seiten nicht zusammen weitergehen», so Schäfer im Interview mit «Sport Bild». In der «Bild» meldet sich Günter Netzer zu Wort. «Ich verstehe die Kritik an Hitzfelds Rotationsprinzip», so der Sportkommentator. Es stelle sich nun die Frage, wie tief der Graben zwischen Vorstand und Trainer sei. Netzer: «Bestimmt nicht so tief, dass es keine gemeinsame Zukunft mehr geben kann.»

Rauswurf-Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch

Der Bayern-Knatsch hat auch Auswirkungen auf die Sportwetten. Laut den Quoten, die der Wettanbieter «intertops.com» am Montag veröffentlichte, ist Hitzfelds Rauswurf nach den schwachen Auftritten gegen Bolton und Stuttgart jetzt doppelt so wahrscheinlich wie noch vor einer Woche. Es sei jedoch angemerkt, dass Hitzfeld mit seiner Quote von 1:51 (zuvor 1:101) nur den 14. Platz in der Liste der «rauswurfbedrohten» Bundesliga-Trainer belegt. Damit liegt er beispielsweise hinter Herthas Lucien Favre (Quote: 1:18) oder Spitzenreiter Rudi Bommer (Duisburg, Quote: 1:3,5).

(mon)

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