Aktualisiert 09.08.2011 15:48

Nach fatalem PatzerBayerns Neuer im Kreuzfeuer der Kritik

Bayern Münchens neuer Goalie Manuel Neuer avanciert zum Buhmann der Nation. Nach seinem Fehler und der 0:1-Pleite gegen Gladbach muss er sich von den Fans nun einiges anhören.

von
Herbie Egli

Manuel Neuers Patzer gegen Borussia Mönchengladbach. (Video: Eurosport)

Sonntag, 7. August 2011, 17.30 Uhr: Bayern München empfängt zum Bundesliga-Auftakt Borussia Mönchengladbach, die Fast-Absteiger der letzten Saison mit dem Schweizer Trainer Lucien Favre. In der 62. Minute passiert es. Bayerns neuer Goalie Manuel Neuer stürmt aus dem Tor, erreicht den Ball an der Strafraumgrenze nicht und kassiert durch den Kopfball von Igor de Camargo den Gegentreffer, der zur 0:1-Startpleite führt. Neuer war sich beim Herauslaufen mit Abwehrchef Jerome Boateng, ebenfalls einem Neuzuzug, nicht einig.

Gleich nach dem Spiel stand Neuer für seinen Fehler gerade: «Das Tor nehme ich auf meine Kappe.» Während Bayern-Sportchef Christian Nerlinger seinen Goalie in der «tz» in Schutz nahm - «Manuel wird uns noch viele Spiele gewinnen» - gabs von seinem Trainer Jupp Heynckes leise Kritik: «Manuel hätte da sicher nicht raus müssen.» Weil er es aber doch tat, war die Startpleite von Bayern besiegelt. Dies ruft nun jene Bayern-Fans auf den Plan, die von Anfang an gegen eine Verpflichtung des deutschen Nati-Goalies waren.

Üble Beschimpfungen auf Facebook

Lustigerweise verhielten sich die Münchner Anhänger im Stadion nach dem Goalie-Flop ruhig. Keine Schmährufe, keine Anti-Plakate «Koan Neuer», wie sie noch beim Pokalspiel im März, vor der Verpflichtung des 25-Jährigen, in die Luft gehalten wurden. Auf Facebook liessen sie den Hasstiraden jedoch freien Lauf. Als härteste Beschimpfungen konnte man «Arschloch» und «Hurensohn» lesen. Auch ein Schalker-Fan meldete sich zu Wort: «Judas hüpft wieder daneben, hahaha, was ein Lutscher und jetzt wartet Zürich.» Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass Neuer dem FCZ in den Champions-League-Playoffs ein solches Geschenk macht.

Dass die Fans in der Allianz-Arena (noch) nicht Sturm liefen, hat wohl mit einer Abmachung mit Neuer zu tun. Die Bayern-Anhänger haben dem neuen Goalie einen Verhaltenskodex verschrieben. Unter anderem darf er nicht mit dem Megafon in der Südkurve feiern. Wie lange sich beide Partien an diese Abmachung halten, bleibt abzuwarten. Bayerns Ur-Torwart Oliver Kahn kann nachvollziehen, wie es Neuer derzeit geht: «Wenn man bei Bayern und in der Nationalelf Nummer eins ist, dann kommen Momente, die einen in Grenzbereiche der Belastbarkeit bringen.»

Geld alleine macht noch keinen Meister

Bayern bezahlte für Neuer 22 Millionen Euro. Jerome Boateng kam für über 13 Millionen. In der 1. Runde haben sie die hohen Summen, die investiert wurden, um die Meisterschale wieder nach München zu holen, noch nicht gerechtfertigt. Neuer und Boateng stehen damit nicht alleine da. Paris Saint-Germain verpflichtete von Palermo den argentinischen Spielmacher Pastore für 43 Millionen Euro. PSG verlor ebenfalls am Wochenende in der 1. Runde gegen Lorient 0:1.

Für Bayerns Neuer gibt es immerhin einen kleinen Trost, wie «Focus» schreibt. Der ehemalige belgische Nationalgoalie Jean-Marie Pfaff sorgte 1982 in seinem ersten Bayern-Spiel für landesweite Belustigung. Er liess einen Einwurf des Bremer-Spielers Uwe Reinders ins eigene Tor gleiten (siehe Video unten). Das Spiel ging 0:1 verloren. Pfaff steigerte sich aber zu einem sicheren Rückhalt und feierte in seinen sechs Jahren bei Bayern drei Meistertitel und zwei Cupsiege.

Pfaffs Eigentor im 1. Bayern-Spiel 1982 gegen Bremen

(Video: YouTube)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.