Gaza-Konflikt: BBC im Clinch mit der Objektivität
Aktualisiert

Gaza-KonfliktBBC im Clinch mit der Objektivität

Der öffentlich-rechtliche britische Rundfunk BBC will einen Spendenaufruf für die Menschen in Gaza nicht zeigen und ist deshalb in die Kritik geraten.

Der Sender sieht durch den Aufruf des Disasters Emergency Committees (DEC) - einem Zusammenschluss mehrerer grosser Wohltätigkeitsorganisationen - seine Objektivität gefährdet.

Das DEC wollte mit dem Aufruf im Fernsehen und Radio Geld für die Menschen im Gazastreifen sammeln, denen es durch die israelischen Angriffe unter anderem an Medikamenten und Nahrungsmitteln fehlt. Auch die Sender ITV und Sky wollen den Aufruf nicht zeigen.

Entwicklungshilfeminister Douglas Alexander forderte die Sender am Samstag auf, die Entscheidung zu überdenken und somit das «immense Leid der Menschen» anzuerkennen. «Ich denke, die Öffentlichkeit kann zwischen der Unterstützung humanitärer Hilfe und einer Parteinahme in einem Konflikt unterscheiden.»

Kriegsgegner riefen zu einer Demonstration vor dem BBC- Rundfunkhaus in London auf. Der ehemalige Labour-Minister Tony Benn bezeichnete die Entscheidung als «Verrat» am öffentlichen Auftrag der BBC.

Die geschäftsführende Leiterin der BBC, Caroline Thomson, betonte jedoch, die Entscheidung sei sehr schwierig gewesen. «Im Fall von Naturkatastrophen ist es klar (...). Aber im Fall von Menschen verursachten Katastrophen und Kriegen ist es sehr, sehr viel komplizierter.»

BBC-Generaldirektor Mark Thompson sagte, eine Ausstrahlung würde das Vertrauen in die Unparteilichkeit der BBC stören.

Geoffrey Dennis, Chef der globalen Organisation Care International, erklärte, in Gaza seien zahlreiche Menschen in Not. «Wir wollen nicht in die Politik verwickelt werden. Wir meinen, dass wir den Menschen helfen müssen, die wirklich leiden.» Dem DEC gehören unter anderen Oxfam und das britische Rote Kreuz an.

(sda)

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