Aktualisiert 07.04.2014 15:05

Profil gesucht

BDP, wer bist du?

Eine Partei, eine Mission: Ein Profil muss her! Die BDP sucht fieberhaft nach Merkmalen, die sie von anderen Parteien abhebt.

von
J. Büchi
BDP - Die neue Kraft: Damit die Partei dieses Versprechen einlösen kann, muss sie laut Politologe Michael Hermann noch einiges tun.

BDP - Die neue Kraft: Damit die Partei dieses Versprechen einlösen kann, muss sie laut Politologe Michael Hermann noch einiges tun.

Nach der empfindlichen Wahlschlappe der Bürgerlich-Demokraten in Bern war für Politbeobachter und Medien schnell klar, woran die Partei krankt: «Der BDP fehlt das Profil», echote es auf den verschiedensten Kanälen. Auch Parteichef Martin Landolt machte Handlungsbedarf aus. «Es genügt nicht mehr, einfach BDP zu heissen und Eveline Widmer-Schlumpf als Bundesrätin zu haben», sagte er am Samstag an der Delegiertenversammlung zur Basis. Doch gibt es überhaupt eine Nische für die BDP in der Schweizer Politlandschaft? Zusammen mit dem Politologen Michael Hermann checkt 20 Minuten mögliche Positionierungen der Partei:

1) BDP, die Partei der Jungen:

Modern und innovativ, diese Attribute will Parteichef Martin Landolt in die Welt hinaustragen. Ganz nach dem BDP-Wahlslogan: «Die neue Kraft». Landolt spricht in Interviews von einem zeitgemässen Frauenbild, von Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mit solchen Themen will die Partei für junge Wähler zwischen 18 und 40 Jahren attraktiv werden.

Politologe Michael Hermann sagt dazu: «Das ist nicht ganz einfach, weil die BDP von ihrer Wählerstruktur her eher eine behäbige Partei ist.» Mit ihren Positionen und Exponenten sei es derzeit eher schwierig, diesen Spagat zur jungen Wählerschaft zu machen. Da Junge sowieso weniger zahlreich an die Urne gingen, bleibe die BDP besser ihrem jetzigen, älteren Wählersegment treu. «Alles andere ist keine zielführende Strategie – es würden mehr Wähler vergrault als gewonnen.»

2) BDP, die mit dem grünen Mäntelchen:

Mit ihrem Ja zum Atomausstieg hob sich die BDP nach der Atomkatastrophe von Fukushima von ihrer Ursprungspartei, der SVP, ab. Entsprechend bekräftigte Landolt auch dieses Wochenende den Willen der Partei, sich den ökologischen Herausforderungen zu stellen.

Sich 2014 in der Schweiz noch mit Umweltthemen zu profilieren, sei sehr schwierig, sagt Hermann. «Dieses Themenfeld wird nicht nur von den Grünen und den Grünliberalen beackert, derzeit surfen alle Parteien auf dem Ökohype mit.» Auch das ein schwieriges Unterfangen, also.

3) BDP, die politisch korrektere SVP:

An der Delegiertenversammlung bemängelte Landolt, die SVP habe in ihrem Abstimmungskampf zur Masseneinwanderungsinitiative teilweise Nazi-Rhetorik verwendet – und kaum jemand habe sich daran gestört. Der BDP-Chef nimmt damit einmal mehr die Gelegenheit wahr, seine Partei als vernünftige und gemässigte Stimme in einem zuweilen giftigen Politumfeld hervorzutun.

«Genau das ist das Markenzeichen der BDP: Konstruktive, konsensorientierte Politik», sagt Michael Hermann. Durch diese helvetische Art des Kommunizierens könne sich die Partei mehr auszeichnen als durch inhaltliche Positionen. «Das ist eine Nische, die sonst bestenfalls die CVP noch besetzt.» Im Gegensatz zu den Christdemokraten spreche die BDP aber eher reformierte Wähler an – in dieser Lücke wäre also noch etwas Platz. Allerdings muss die BDP diesen Stil laut Hermann entsprechend vermarkten und in ein positives Licht rücken – sonst werde er schnell als langweilig abgetan.

4) BDP, die Widmer-Schlumpf-Partei:

Der grösste Trumpf der BDP war bisher zweifellos ihre Bundesrätin, Eveline Widmer-Schlumpf. Dies ist der Parteispitze durchaus bewusst, wie Landolts Aussage an der Delegiertenversammlung zeigte. Doch wer leiht der BDP sein Gesicht, wenn die Bündnerin ihren Sitz eines Tages räumt?

«Für ihr Fortbestehen braucht die BDP das richtige Personal.» Dieser Punkt scheint Politologe Hermann zentral. Das grösste Problem der Partei sei die interne Spaltung in einen jüngeren, fortschrittlichen und einen älteren, behäbigeren Flügel. «Parteipräsident Martin Landolt verkörpert eine moderne Generation vom Land», so Hermann. Der 45-jährige Glarner könnte deshalb eine entsprechende Wählerschaft abholen. «Um auf diese junge Schiene setzen zu können, müsste er sich aber vielleicht mit ähnlich gesinnten Kräften aus anderen Mitteparteien zusammentun – und sich dafür vom alten Gewerbeflügel der Partei lossagen.»

Fazit:

«Egal, wo die BDP mit ihrer Politik hin will, es ist schon jemand da», fasst Hermann die verzwickte Lage zusammen, in der sich Widmer-Schlumpfs Partei befindet. Wenn sich die Partei langfristig etablieren könne, dann als bürgerliche Partei mit gutschweizerisch-anständigem Umgangston. Falls sich die BDP inhaltlich in eine progressivere Richtung entwickeln wolle, müsse sie wohl mit jungen Politikern anderer Mitteparteien zusammenspannen.

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