St. Gallen: «Beamte müssen Kassen füllen»

Aktualisiert

St. Gallen«Beamte müssen Kassen füllen»

Der Respekt gegenüber der Polizei sinkt – vermehrte Gewalt und Drohungen gegen Beamte sind die Folge. «Ein Teil der Probleme ist hausgemacht», sagen Polizeibeamte und verweisen auf das Bussenbudget.

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Die Fälle von Gewalt und Drohung gegen Beamte im Kanton St. Gallen haben sich innerhalb von nur fünf Jahren auf 172 verdreifacht. Über die Ursachen rätselt man bei der Polizei.

«Dass die Polizei an Respekt verliert, ist zu einem guten Teil selbst verschuldet», sagt dazu ein Beamter der Kapo St. Gallen, der nicht genannt werden möchte. «Statt um unsere Kernaufgaben kümmern wir uns um Bagatellen», so der Informant. Der Grund dafür liegt seiner Ansicht nach bei den budgetierten Busseneinnahmen. Im Kanton sind für 2012 Bussgelder von 11,5 Mio. Franken veranschlagt. «Die Ressourcen werden so eingesetzt, dass dieses Ziel erreicht wird», sagt der Beamte. «Jede Bagatelle wird geahndet.» Die Folge: «Polizeiarbeit wird zunehmend als Schikane empfunden.»

Rückendeckung erhält der Informant von Heinz Buttauer vom Verband Schweizerischer Polizei-Beamter: «Polizisten werden immer häufiger als Säckelmeister für Stadt oder Kanton missbraucht.» In manchen Korps werde Druck auf Beamte ausgeübt, wenn das Soll nicht erreicht sei. «Statt mal ein Auge zuzudrücken, büssen die nun schon, wenn das Auto leicht über das Parkfeld hinausragt», so Buttauer.

Von solchen Praktiken distanziert sich Bruno Zanga, Kommandant der Kapo St. Gallen. «Wir müssen unser Bussenbudget nicht erreichen», so Zanga. Auch werde bei Verkehrskontrollen stets darauf geachtet, dass sie einen Beitrag zur Sicherheit leisten und nicht blosse Schikane seien. Zanga: «Dass die Gebüssten das anders sehen, liegt in der Natur der Sache.»

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