Aktualisiert 27.07.2015 07:05

27'000 GesucheBeamte unter Stress – mehr Asylanträge bewilligt

Die Migrationsbehörde fordert von ihren Mitarbeitern eine rasche Erledigung der Gesuche. Beamte monieren, dass sie dadurch die Anträge nicht mehr sorgfältig prüfen können.

von
dia
Die Zahl der bewilligten Asylgesuche nimmt zu: Asylbewerber in Schafhausen im Emmental. (31. Oktober 2014).

Die Zahl der bewilligten Asylgesuche nimmt zu: Asylbewerber in Schafhausen im Emmental. (31. Oktober 2014).

27'000 Asylgesuche hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) 2014 erledigt. Das sind fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Die starke Zunahme der Anträge hat massive Auswirkungen auf die Mitarbeitenden, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. So dränge die Migrationsbehörde die Angestellten dazu, die Pendenzen rasch abzubauen. Die Direktion bestimme jeweils, wie viele Fälle ein Sachbearbeiter im Jahr zu erledigen habe.

«Die Zahlen sind dermassen hoch, dass uns für eine sorgfältige Prüfung der Dossiers schlicht zu wenig Zeit bleibt», sagt eine anonyme Mitarbeiterin der «Sonntagszeitung». Laut dem Bericht würden die Mitarbeiter Überstunden machen und auf Ferien verzichten. Einige seien krankgeschrieben. Doch auch für die Migranten habe diese Fliessbandarbeit spürbare Auswirkungen.

Anerkennungsquote angestiegen

Der Druck sorge dafür, dass die Wahrscheinlichkeit auf eine Bewilligung des Antrags zunehme, berichten mehrere Mitarbeiter. «Je mehr positive Asylentscheide ein Sachbearbeiter macht, desto weniger Probleme hat er intern – und desto schneller erreicht er seine Zahlen.» So sei der Arbeitsaufwand bei einer Annahme deutlich geringer als bei einer Ablehnung. «Bei einem positiven Asylentscheid können wir einen Serienbrief rauslassen.»

Die Statistik scheint die Wahrnehmung der Beamten zu stützen. So wurden im ersten Halbjahr 2015 26,4 Prozent aller Asylanträge genehmigt, 2012 betrug die Anerkennungsquote noch 11,7 Prozent.

«Hohe Qualitätsstandards»

Für SEM-Sprecher Martin Reichlin hat dies allerdings einen anderen Hintergrund. So gäbe es weniger schwach begründete Gesuche. Auch würden mehr Anträge von Personen aus Ländern mit einer hohen Schutzquote gestellt.

Dem Vorwurf, dass Asylgesuche nicht genau geprüft werden können, widerspricht Reichlin. So müsse jeder Entscheid von einem Vorgesetzten unterschrieben werden. Dafür müssten die «hohen Qualitätsstandards» eingehalten sein.

Bischof Gmür: Grenzschliessung für Flüchtlinge wäre «daneben»

Felix Gmür, Bischof des Bistums Basel, kritisiert die aktuelle Asyldebatte in der Schweiz. Manche Politiker seien gerade in Steuer- und Asylthemen engstirnig, sagte Gmür in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag».

Als «völlig daneben» bezeichnete er den Vorschlag, für Asylsuchende die Grenzen zu schliessen. «Das bringt einfach gar niemandem etwas - auch der Schweiz nicht.»

Der Oberhirte des grössten Schweizer Bistums rief zudem die Schweiz dazu auf, bei der Entwicklungszusammenarbeit mehr zu leisten. «Wir schöpfen nicht alle unsere Möglichkeiten aus, um Bildung, Infrastruktur und Rechtsstaatlichkeit zu fördern. Das ist bedauernswert.»

Stossend sei auch, dass die Schweiz kritiklos mit Ländern und Regierungen zusammenarbeite, die «Menschen und die Schöpfung ausbeuten» und extremistische Gruppen unterstützen würden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.