12.07.2020 10:32

Beschattungsaffäre der Credit Suisse

Beamte sollen Handys von Privatdetektiven illegal beschlagnahmt haben

Die Spionageaffäre der Credit Suisse gegen ihren ehemaligen Angestellten Iqbal Khan ist noch nicht abgeschlossen.
So müssen sich nun Polizisten der Kantonspolizei Zürich wegen der «rechtswidrigen» Beschlagnahmung von Handys verantworten.

von
Bianca Lüthy
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Die Credit Suisse liess einen Mitarbeiter beschatten, als sie erfuhr, dass der Mitarbeiter zur Konkurrenz, der Bank UBS, wechseln werde.

Die Credit Suisse liess einen Mitarbeiter beschatten, als sie erfuhr, dass der Mitarbeiter zur Konkurrenz, der Bank UBS, wechseln werde.

Foto: Keystone
Der betreffende Mitarbeite bemerkte die Privatdetektive nach nur kurzer Zeit und erstattete Anzeige.

Der betreffende Mitarbeite bemerkte die Privatdetektive nach nur kurzer Zeit und erstattete Anzeige.

KEYSTONE
Beim Mitarbeiter handelte es sich um Iqbal Khan, der als Chef der internationalen Vermögensverwaltung der CS fungierte.

Beim Mitarbeiter handelte es sich um Iqbal Khan, der als Chef der internationalen Vermögensverwaltung der CS fungierte.

REUTERS

Darum gehts

  • Die Credit Suisse hatte einen ehemaligen Mitarbeiter beschatten lassen.
  • Den Polizisten, die gegen die Privatdetektive ermittelten, droht eine Untersuchung wegen Amtsmissbrauchs und Sachentziehung, da sie nicht rechtmässig Handys und Computer beschlagnahmt hatten.
  • Die Daten der Privatdetektive sind immer noch versiegelt.

Die Beschattungsaffäre der Credit Suisse ist noch nicht abgeschlossen; so laufen immer noch Verfahren gegen die Privatdetektive sowie auch gegen die am Fall beteiligten Kantonspolizisten. Der Banker Iqbal Khan, ehemaliger Angestellter der Credit Suisse, wurde im September 2019 von seinem Arbeitgeber beschattet, als bekannt wurde, dass er zur Konkurrenz, der UBS, wechseln werde. Khan selbst fiel die Beschattung Mitte September letzten Jahres auf. Er sei sogar an seinem Wohnort in Herrliberg ZH beschattet worden. Der Banker reagierte prompt, machte Fotos der Autos der Privatdetektive und erstattete daraufhin Anzeige gegen unbekannt wegen «schwerer Drohung» und «Nötigung».

Ermittler der Kantonspolizei Zürich nehmen einen Tag später die Beschatter Khans und die beiden Inhaber der Privatdetektei fest, nehmen DNA-Proben und konfiszieren die Handys der Detektive. Die Kantonspolizisten hatten jedoch keinen Durchsuchungsbefehl, was den Beamten denn auch zum Verhängnis wurde. Das schreibt die «Blick»-Zeitung.

Handys und Computer «rechtswidrig» beschlagnahmt

Mitte Februar entschied das Bezirksgericht Meilen, dass das Handy des Privatdetektivs «rechtswidrig» erlangt worden war und die Daten darum nicht ausgewertet werden dürfen. Die Handys der Inhaber der Privatdetektei sowie die Computer des Mittelsmanns, der sich, nachdem der Skandal an die Öffentlichkeit gelangt war, das Leben nahm, sind weiterhin unter Verschluss.

Das Zürcher Zwangsmassnahmengericht wollte zwar den Zugriff auf die Geräte erlauben, doch das Bundesgericht entschied am 27. Mai dagegen. Der Grund für den Entscheid sei, dass die Privatdetektive nicht angemessen angehört wurden. Und auch den sechs Zürcher Kantonspolizisten steht eine Untersuchung wegen Sachentziehung und Amtsmissbrauchs bevor. Die Privatdetektive hatten im Dezember 2019 Strafanzeige gegen die Beamten eingereicht.

Untersuchung wegen Amtsmissbrauchs

Die Staatsanwaltschaft lehnte die Anzeige zuerst ab, doch das Zürcher Obergericht hat am 30. Juni anders entschieden. Es soll nun wegen Amtsmissbrauchs und Sachentziehung gegen die Polizisten ermittelt werden.

Bis Ende Juli kann die Staatsanwaltschaft gegen den Entscheid Beschwerde einreichen. Die zuständige Staatsanwältin will alles daran setzen, Einblick in die Handy- und Computerdaten zu erlangen. Sie ermutigte Khans Anwalt sogar dazu, den Strafantrag gegen die Privatdetektei um mehrere Delikte, wie «Abhören und Aufnehmen fremder Gespräche», «Unbefugtes Aufnehmen von Gesprächen» ­sowie «Verletzung des Geheim- oder Privat­bereichs durch Aufnahmegeräte», auszuweiten.

Was die Auswertung der Daten bringen soll, sei jedoch fraglich, da bereits klar ist, dass die Credit Suisse der Privatdetektei den Auftrag gab, Khan zu beschatten. Wer jedoch sonst alles noch in die Beschattungsaffäre eingeweiht war, ist unklar. Es wird spekuliert, ob auch der ehemalige CEO Tidjane Thiam davon wusste. Dieser bestritt jedoch offiziell, Kenntnis von der Spionage gehabt zu haben.

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