Lausanne: Beamtenfehler – Häftling 15 Minuten auf der Flucht
Publiziert

LausanneBeamtenfehler – Häftling 15 Minuten auf der Flucht

Bei einem Transfer konnte ein Gefangener aus Orbe Ende Oktober kurzzeitig fliehen. Nun weiss man: Eine Sicherheitsmassnahme wurde vergessen.

von
kün/cg
Trotz seines Fluchtversuchs nahm der Mann an der Anhörung vor dem Gericht in Lausanne teil.

Trotz seines Fluchtversuchs nahm der Mann an der Anhörung vor dem Gericht in Lausanne teil.

Keystone/Laurent Gillieron

Ein Gefängnisinsasse aus Orbe nutze am 27. Oktober den Weg zu einer Anhörung vor Gericht aus, um zu fliehen. Lange konnte er aber nicht von seiner neu gewonnenen Freiheit profitieren, denn nur eine Viertelstunde später fassten ihn die Beamten wieder. Nun wurde bekannt: Die zwei Agenten der Waadtländer Kantonspolizei, die ihn begleiteten, hatten Sicherheitsvorschriften missachtet.

Der Gefangene sollte am besagten Tag zu einer Anhörung ins Bezirksgericht Lausanne. Florence Maillard, Sprecherin der Kantonspolizei Waadt, sagt: «Bei einem solchen Transfer müssen sowohl die Hände als auch die Füsse des Insassen gesichert werden.» Genau dies sei hier aber nicht der Fall gewesen, sagt ein Zeuge. «Dem Mann wurden lediglich Handschellen angelegt.»

Es war menschliches Versagen

Dies nutzte der Häftling aus: Kaum hielt das Polizeifahrzeug vor dem Gericht, stürmte er davon. Mehrere Beamte verfolgten ihn, zu Fuss, im Polizeiauto und auf Motorrädern. So konnte der Mann einige Minuten später in der Nähe des Bahnhofs wieder gefasst werden. Er nahm noch wie geplant an der Anhörung teil.

Maillard bestätigt, dass «die eigentliche Vorgehensweise in diesem Falle aufgrund eines menschlichen Versagens nicht befolgt wurde». Dies habe eine interne Untersuchung ergeben. Es seien diesbezüglich nun Massnahmen getroffen worden. Der Insasse wurde für die ihm vorgeworfenen Taten noch nicht verurteilt und sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

Deine Meinung