Beautiful
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Beautiful

Bereits mit ihrem Debütalbum etablierte sich Erykah Badu als Ikone des modernen Soul. Nun hat die Texanerin ihren Turban entknotet und lässt Haare und Groove wuchern.

Erykah Badu ist mehr als nur ein zartes Persönchen mit einer schönen Stimme – und dafür lieben sie die Leute. Letztes Jahr in Montreux: Nach einem lange ausgehaltenen Ton, der eigentlich zum Schlussakkord eines Liedes führen sollte, bricht sie plötzlich ab, entfernt sich vom Mikrofon und genehmigt sich in aller Ruhe eine Tasse Tee. Kaltschnäuzig lässt sie alle einige Minuten warten. Dann nimmt sie das Lied an der gleichen Stelle wieder auf.

Seit vor sechs Jahren ihr erstes Album «Baduizm» erschien, hat die 31-jährige Diva markante Spuren im Musikgeschäft hinterlassen. Es ist vor allem ihr zuzuschreiben, dass Soulmusik gegen Ende der Neunzigerjahre wieder das Interesse der breiten Öffentlichkeit weckte. Sie schaffte dies, indem sie Inhalte und Persönlichkeit einbrachte. Statt kurzlebige Einheitsrefrains zu trällern und platte Tanzmusik fabrizieren zu lassen, machte sie sich den Groove zum Freund, liess ihre Band erdig klingende Reminiszenzen an die Plattensammlung ihrer Eltern herbeizaubern – und hauchte dem Ganzen schliesslich mit ihrem zart-grellen Gesang und ihrem Erscheinungsbild die nötige Identität ein. «Hip-Hop is the love of my life», singt Badu auf ihrem dritten Album «Worldwide Underground» und webt Rap-Elemente ebenso spielerisch wie Funk und R'n'B in ihre Stücke ein. Diese handeln von Gefühlserlebnissen und zeugen von einem starken Bewusstsein für die afroamerikanische Kulturgeschichte und für politische Ungerechtigkeiten.

Keine kann so schnell zwischen der Rolle der mächtigen, alles überstrahlenden Diva und der verletzlichen Frau wechseln. Das gelingt ihr, weil sie beides in ihrem Charakter vereint. Wers nicht glaubt, kann am nächsten Mittwoch Zeuge sein.

Date: Mittwoch, 26. November, 22 Uhr, Maag Eventhall, Zürich.

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