Der Franz twittert: Beckenbauer und Blatter «on same page»
Aktualisiert

Der Franz twittertBeckenbauer und Blatter «on same page»

Am Mittwoch eröffnet er seinen Account, am Donnerstag meldet er sich vom Raclette mit dem Blatter Sepp, am Freitag hat er schon 25 000 Followers: Kaiser Franz grüsst neuerdings über Twitter.

von
phi

Wäre es nur ein profaner 66-Jähriger, der sich neu bei Twitter anmeldet, hätte kein Hahn danach gekräht. Doch wenn der Kaiser den Kurznachrichten-Dienst entdeckt, gleicht das Internet einem aufgeregten Hühnerhaufen.

World Wide Web ist begeistert

«Also gut, dann lasst uns halt ein bisschen zwittschern... », lautete der erste Eintrag am 20. Juni. Schon meldete sich «@beckenbauer» bei einem alten Freund: «A special hello to my dear brother @Pele». Nicht zuletzt beweist er mit einem Retweet noch eine Prise Humor: «War es nicht @beckenbauer, der das Twittern erfunden hat, lange bevor das World Wide Web erfunden worden ist?», zitiert der Vorsitzende der «Fifa Task Force Football 2014» einen Twitterer.

Am 21. Juni zitiert der Kaiser wieder. Joseph S Blatter teilt mit: «Raclette, wine and interesting talks with @beckenbauer over lunch – and all in gorgeous weather in Zurich.» Der Kaiser und der Papst des Fussballs haben in der Limmatstadt bei einem sonnigen Dinner über #GLT gesprochen, Goal Line Technology. Nach dem nicht gegebenen Tor im Spiel der Ukraine gegen England an der EM sind auch die Funktionäre nun für Verbesserungen wie dem Chip im Ball sind, damit alles mit rechten Dingen zugeht.

Sepp Blatter ist begeistert

Die WM 2014 und die nächste EM könnten schon anders laufen, glauben Blatter und Beckenbauer. Der FIFA-Boss: «@beckenbauer and I on same page: intro of #GLT, abolish triple punishment, unify criteria for #wc2014 and #Euro group stages.» Doch halt: Was meint der Sepp denn mit Franz «and I on the same page»?

Haben Sie miteinander gelesen? Passt kein Blatt zwischen das Duo? Oder meinte er, sie wären «on the same side»? Auf der Seite des Guten? Die Achse Zürich-München? Im letzten zitierten Tweet droht Blatter: «The IFAB will decide on #GLT on 5 July – I am confident they will realise that the time has come». Schluck! Den Streit zwischen Uefa und Fifa haben Blatter und Beckenbauer also am grünen Tisch in Zürich beigelegt.

DFB ist begeistert

Nach zwei Tagen bei Twitter hat der Kaiser schon über 25 000 Untertanen, die ihm folgen. Das Fussballvolk ist hellauf begeistert. Der Verband verkündet stolz: «Prominente Unterstützung für das @DFB_Team der DFB-Ehrenspielführer Franz @beckenbauer ist jetzt auch bei Twitter aktiv.»

Warum @DFB glaubt, dass die alleinige Anwesenheit Beckenbauers flankierend wirkt, bleibt ein Geheimnis, denn der Franz selbst folgt bloss dem Pele, dem Sepp und dem Kaká. Aber der Bayer zeigt sich gnädig: «Thanks for the warm welcome of all of you. Now let's watch the game», verkündet er vor dem Viertelfinale Tschechien – Portugal.

Das Medienvolk ist begeistert

Selbstredend war das Gezwitscher ihrer Majestät für die deutsche Presse die Krönung. «‹Willkommen bei Twitter› - Des Kaisers neue Medien», frohlockt das «Hamburger Abendblatt», «Der Ball ist rund und ein Tweet hat 140 Zeichen», kalauert «Spiegel Online», «God bless Der Kaiser», schwelgt die «Rheinische Post».

«Bild» berichtet einerseits. «Der Kaiser steigt in eine für ihn neue Welt ein.» Andererseits scheint sie den eigenen Lesern auch nicht viel zuzutrauen, wenn sie Beckenbauer zitiert: «Eigentlich dachte ich ja, das würde ich nie machen. Aber mein Berater Marcus Höfl hat mir die Tweets (die gesendeten Nachrichten; die Red.) von Pelé gezeigt. Da bin ich neugierig geworden.»

Nun sind 25 000 Follower in zwei Tagen zwar eine stolze Zahl, doch derlei Aufregung mutet auch gockelig an: Pelé hat immerhin zehn Mal mehr. Da lachen ja die Hühner.

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