«ZH 987»: «Bedenklich, dass Staat sinnlosen Konsum fördert»
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«ZH 987»«Bedenklich, dass Staat sinnlosen Konsum fördert»

Für 152'400 Franken wurde «ZH 987» am Mittwochabend ersteigert. Fachleute und Autofans erklären, warum man für ein Kontrollschild so viel Geld ausgibt.

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som
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«ZH 987» wurde für 152'400 Franken ersteigert.

«ZH 987» wurde für 152'400 Franken ersteigert.

Während knapp einer Woche wurde das erste dreistellige Zürcher Kontrollschild versteigert: Der Startpreis war bei 4000 Franken.

Während knapp einer Woche wurde das erste dreistellige Zürcher Kontrollschild versteigert: Der Startpreis war bei 4000 Franken.

Der Schweizer Rekord liegt noch etwas höher: 233'000 Franken hat ein Bieter im Februar 2018 bei der Auktion für das Nummernschild «ZG 10» bezahlt.

Der Schweizer Rekord liegt noch etwas höher: 233'000 Franken hat ein Bieter im Februar 2018 bei der Auktion für das Nummernschild «ZG 10» bezahlt.

auktion-stva.zg.ch

Die Auktion des Kontrollschilds ZH 987 ist beendet: Für 152'400 Franken ging das erste dreistellige Kontrollschild am Mittwochabend weg, das der Kanton Zürich versteigerte. Damit verpasste es den Schweizer Rekord von 233'000 Franken, die im Februar für ZG 10 ausgegeben wurden.

Dass jemand so viel Geld in eine Autonummer investiert, mag manchen Normalsterblichen verwundern. In der Fachwelt heisst das Phänomen Geltungskonsum, der einzig und allein auf die öffentliche Wirksamkeit abzielt, wie Wirtschaftspsychologe Christian Fichter sagt: «Praktiziert wird das vor allem von älteren Männern. Sie wollen mit einem solchen Kontrollschild auf ihre finanzielle Potenz und ihren sozialen Status aufmerksam machen.»

«Trägt nicht gerade zum sozialen Frieden bei»

Volkswirtschaftlich hätte das Nummernspiel durchaus seinen Sinn: «Schliesslich kommt der Erlös in die Staatskasse und damit allen zugute.» Gleichzeitig findet er es bedenklich, dass der Staat einen solch sinnlosen Konsum fördert: «Dadurch steigert sich die gesellschaftliche Produktivität nicht. Und es trägt auch nicht gerade zum sozialen Frieden bei, wenn bekannt wird, wie viel Geld Leute für eine Autonummer ausgeben.» In der öffentlichen Wahrnehmung vergrössere es sogar die Einkommensschere.

So oder so: Emre Avsar glaubt nicht, dass es bei einer tiefen Autonummer bloss um die finanzielle Potenz geht. Der Thurgauer investiert selbst in tiefe TG-Kontrollschilder, mehr als 9000 Franken hat er aber noch nicht dafür ausgegeben. Sein derzeitiges Lieblingsstück heisst TG 464 und hat «nur» 4000 Franken gekostet. «Jedes Auto sieht besser aus mit einer dreistelligen Nummer.» Je tiefer, desto schöner: «Das Gesamtbild ist symmetrischer.»

10'000 Franken Gewinn mit Schilder-Handel

Nicht verwunderlich, verfolgt er die Zürcher Auktion mit grossem Interesse. So viel Geld würde er aber nicht für ein Kontrollschild zahlen. «Doof ist vor allem, dass man es als Privatperson nicht weiterverkaufen darf.» Anders sei dies im Thurgau: «Hier habe ich schon ungefähr 10'000 Franken Gewinn mit einem Kontrollschild gemacht.»

Die teuersten 10 Kontrollschilder der Schweiz:

1. ZG 10 - 233'000 Franken

2. VS 1 - 160'100 Franken

3. ZH 987 - 152'400 Franken

4. SG 1 - 135'000 Franken

4. TI 10 - 135'000 Franken

6. ZH 1000 - 131'00 Franken

7. ZG 18 - 128'000 Franken

8. VD 1 - 122'500 Franken

9. GR 8 - 111'000 Franken

10. GR 5 - 103'000 Franken

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