Bedeutet das Verbrenner-Verbot das Aus für den Traumberuf?
Welchen Einfluss hat das Verbrenner-Verbot der EU auf junge Berufsleute, die eine Lehre als «Automech» starten wollten? 

Welchen Einfluss hat das Verbrenner-Verbot der EU auf junge Berufsleute, die eine Lehre als «Automech» starten wollten? 

Swiss Skills
Publiziert

EU-BeschlussBedeutet das Verbrenner-Verbot das Aus für den Traumberuf?

Ab 2035 sollen in Europa keine Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotor mehr zugelassen werden. Ob die Schweiz diesen Entscheid übernimmt, ist noch unklar. Welchen Einfluss hat das auf junge Berufsleute, die eine Lehre als Automech starten wollten? 

von
Olivier Maeder, AGVS

Frage von Petra ans AGVS-Expertenteam: 

Mein Sohn findet seit Jahren alles, was einen Motor hat, genial. Er wollte nächstes Jahr eigentlich eine Lehre als Automech starten. Nun wurde aber letzte Woche vom EU-Parlament in Strassburg entschieden, dass es ab 2035 keine Autos mehr mit Verbrennungsmotor geben soll. Muss ich mir Sorgen machen, dass mein Sohn bald nach der Lehre eine Umschulung machen muss? Hat der Beruf für den Motorenfan überhaupt eine Zukunft?

Antwort: 

Liebe Petra,

Du musst dir trotz dieses Entscheids keine Sorgen machen. Der Beruf des Automech hat sich wie die Fahrzeugtechnologie selbst in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Der AGVS stellt dabei als Branchen- und Berufsverband sicher, dass die Lernenden und die qualifizierten Fachkräfte auch in Bezug auf die alternativen Antriebe das nötige Know-how aufweisen und stets auf dem neusten Stand der Technik sind. Wir bieten derzeit drei technische Grundbildungen an: Automobil-Assistenten/-in EBA (zwei Jahre), Automobil-Fachmann/-frau (drei Jahre) und Automobil-Mechatroniker/-in (vier Jahre). Die Kompetenzen, welche die Lehrbetriebe und die Berufsfachschulen in diesen Berufsbildungen vermitteln, werden regelmässig überprüft und an die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse angepasst. Dasselbe gilt für die höhere Berufsbildung und für die zahlreichen Möglichkeiten zur Weiterbildung.

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Selbst wenn das EU-Parlament ab 2035 keine neuen Benzin- und Dieselautos mehr zulassen will, gewartet werden müssen ja die 2034 noch gekauften Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auch noch eine Weile lang. Und ob und wie die Schweiz diesen Entscheid übernimmt, ist ebenfalls noch unklar. Sicher ist: Im Bereich unserer Aus- und Weiterbildung werden die für die Elektromobilität erforderlichen Kompetenzen bereits heute vermittelt. Dein Sohn kann also nächstes Jahr bedenkenlos seine Lehre starten. Denn Autoberufe haben – dank einer marktgerechten Ausbildung – Zukunft.

Lernende bekommen heute schon das Wissen vermittelt, wie sie Elektro-, Hybrid- und alternative Antriebskonzepte  reparieren, warten und diagnostizieren.

Olivier Maeder, AGVS


Lernende der Grundbildung Automobil-Mechatroniker/-in erhalten die geforderten Kompetenzen beispielsweise bereits seit Inkrafttreten der Bildungsverordnung 2018. Sie lernen Elektro-, Hybrid- und alternative Antriebskonzepte zu reparieren, warten und diagnostizieren. Zudem erwerben sie Kompetenzen im Bereich von Fahrassistenzsysteme. Seit kurzem sind die Kurse «Hochvolt 1» und «Hochvolt 2» auch Bestandteil der Grundbildung der Automobil-Fachmänner/-frauen. Die Nachwuchskräfte werden so möglichst früh im sicheren Umgang mit der Hochvolttechnik sensibilisiert. Die Branche ist auf den zunehmenden Marktanteil von Elektrofahrzeugen also gut vorbereitet, vergisst die Verbrennungsmotoren und die dazu nötigen Kompetenzen aber keinesfalls. Selbst für die Kundenberatung werden die ab diesem Sommer neuen Grundbildungen Detailhandelsfachmann/-frau EFZ Automobil Sales und After-Sales übrigens entsprechend geschult.

Als Verantwortlicher für Bildung beim Auto Gewerbe Verband Schweiz freut es mich natürlich sehr, dass sich dein Sohn als Motorenfan für einen Job in unserer Branche interessiert. Die Autobranche braucht nämlich junge, motivierte Berufsleute, die im Leben vorwärtskommen wollen. Und ein Beruf im Autogewerbe bietet auch in Zukunft – egal, welche politischen Entscheide noch gefällt werden – tolle Perspektiven mit interessanten und attraktiven Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Sende deine Frage(n) einfach per Mail an autoratgeber@20minuten.ch. Die interessantesten und aktuellsten Fragen und natürlich die Antworten publizieren wir jede Woche unter dem Vornamen des oder der Fragenden hier im Lifestyle-Channel von 20 Minuten.

Der AGVS

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräfte in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind. Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

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