Bedeutet der Klimawandel das Ende für den Riesling?
Viele Weinkennerinnen und -kenner zählen Rieslinge zu den besten Weissweinsorten.

Viele Weinkennerinnen und -kenner zählen Rieslinge zu den besten Weissweinsorten.

Pexels/cottonbro
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Weinbau und KlimawandelDiese Weinsorte wirds vielleicht nicht mehr lange geben

Der sensible Riesling, die häufigste Rebsorte Deutschlands, mag kühle Gegenden. Aufgrund des Klimawandels nehmen Temperatur- und Wetterschwankungen zu. Erste Weingüter verzichten bereits auf den Anbau.

von
Sonja Siegenthaler

Der Riesling ist schon fast ein Synonym für deutschen Wein: Mehr als die Hälfte aller weltweit angebauten Rieslinge wächst in unserem Nachbarland. Vor allem in Südwestdeutschland, etwa entlang der Mosel und im Rheingau, fühlt sich die Rebsorte wohl. Weine davon werden aufgrund ihrer fruchtigen Säure, Leichtigkeit, Eleganz und des relativ geringen Alkoholgehaltes geschätzt.

Wenn es der Traube aber zu warm ist, kann ein Riesling die Fehlnote Petrol aufweisen, die an Petroleum und Kerosin erinnert. Diese machte sich lange nur in Erzeugnissen der südlichen Hemisphäre bemerkbar – im Zuge der globalen Erwärmung tritt die Fehlnote nun aber auch vermehrt in deutschen Rieslingweinen auf.

Die dünne, sensible Beerenhaut des Rieslings muss langsam und kühl ausreifen.

Die dünne, sensible Beerenhaut des Rieslings muss langsam und kühl ausreifen.

Unsplash / Luca Jonas-

Verantwortlich für das Problem ist die Abbauprodukt 1,1,6-Trimethyl-1,2-dihydronaphthalin, kurz TDN. Wie im gemeinsamen Forschungsbericht des Instituts für Weinbau und Oenologie aus Neustadt an der Weinstrasse und der Universität Braunschweig steht, wird erwartet, dass die TDN-Gehalt in Rieslingen aufgrund der sich verändernden Temperaturen weiter steigen wird.

Erste Weingüter verzichten bereits auf Riesling

Sorgen bereitet der Klimawandel Landwirten und Winzern und Winzerinnen auf der ganzen Welt: Wetterextreme wie Dürreperioden, Hagel oder Starkregen werden zunehmen, hingegen können altbekannte Wetterphänomene wie kühle Herbstnächte und Sommerregen ausfallen. Vor allem hat die Temperatur, die seit Messbeginn des Wetters im Mittel ansteigt, Auswirkungen auf den Weinbau. So können etwa die wärmeren Winter frühere Austriebe bewirken, wodurch die Reben von Spätfrösten im Frühjahr getroffen werden können. Das kann ganze Ernten vernichten – wie auch die Krankheiten oder Pflanzenschädlinge, die aus wärmeren Regionen nach Norden getragen werden.

Der Riesling verträgt solche Veränderungen am schlechtesten: Während Wein mit mehr Sonne allgemein mehr Zucker bekommt, steigt damit auch sein Alkoholgehalt, und aufgrund der warmen Nächte entsteht immer weniger Säure. Nebst der Petrolnote kann die typische Aromatik des Rieslings künftig also auch unter diesen Auswirkungen leiden.

Diverse Forschende sind sich einig: Der Wein wird bald nicht mehr so schmecken wie heute. Erste Weingüter würden bereits auf den Anbau verzichten, wie etwa der Traditionsbetrieb Staatsweingut Freiburg, schildert die «Frankfurter Allgemeine Zeitung».

Der Riesling wird anders schmecken, aber nicht verschwinden

Weil Anfang des 19. Jahrhunderts noch andere Temperaturen vorherrschten, hat der Riesling damals noch viel saurer geschmeckt. Dass sich der Wein also verändert, sei normal, sind sich viele Winzerinnen und Winzer sowie Forschende sicher. Die Veränderung des Klimas sollte den Riesling aber nicht zum Verschwinden bringen. Die Betriebe müssten sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen und Strategien entwickeln, um die Typizität des Rieslings zu erhalten. Auch wenn die Massnahmen zur Vermeidung der Fehlnote nur begrenzt verfügbar sind, wie im Forschungsbericht weiter festgehalten wird.

Rieslinge werden in Zukunft anders schmecken – was aufgrund seiner Vergangenheit nicht weiter verwunderlich sei, finden Wein-Expertinnen und -Experten.

Rieslinge werden in Zukunft anders schmecken – was aufgrund seiner Vergangenheit nicht weiter verwunderlich sei, finden Wein-Expertinnen und -Experten.

Unsplash / Zan 

So fanden die Verfasserinnen und Verfasser des Dokuments dennoch heraus, dass eine Reduktion der Rebenblätter die Traubenreife verzögern kann und einen «hochsignifikanten Einfluss» auf die TDN-Bildung hat. Gleiche Effekte könnten auch veränderte Anbaumethoden und spezielle Weinhefen in der Produktion erzielen. Vor allem aber sollten das Lesegut und die Weine kühl gelagert werden, auch beim Transport. Radikaler ist dabei die Möglichkeit, den Weinanbau in höhere und weniger sonnige Lagen zu verlegen oder die Ernte zu anderen Zeiten zu erledigen.

Optimistischere Winzerinnen und Winzer der grössten Weingüter Deutschlands prognostizierten gegenüber der «FAZ» ausserdem, dass sie «gute Chancen» hätten, sich auf den Klimawandel einzustellen – ausserdem soll der Klimawandel die Experimentierfreude der Weinmacher anregen und dadurch das Sortiment sogar grösser werden.

Kennst du einen feinen Riesling? Verrate uns deinen Lieblingswein in den Kommentaren.

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