Bedingte Gefängnisstrafe für Rekrutenprügler
Aktualisiert

Bedingte Gefängnisstrafe für Rekrutenprügler

Das Bezirksgericht Aarau hat fünf junge Türken, die 2001 in Aarau eine Schlägerei mit Rekruten angezettelt hatten schuldig gesprochen und zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Das Gericht sprach in seinem einstimmig gefällten Urteil Gefängnisstrafen zwischen 4 und 18 Monaten aus. Im Gegensatz zur Anklage, die in zwei Fällen einen unbedingten Strafvollzug forderte, wurden sämtliche Strafen zur Bewähung angesetzt.

In zwei Fällen sei der bedingte Strafvollzug allerdings auf Messers Schneide gewesen, erklärte der Gerichtspräsident. Vor und nach dem Vorfall in Aarau hatten die jungen Türken in unterschiedlicher Zusammensetzung weitere Straftaten begangen.

So veranstalteten sie unter Anderem im Juni im Aarauer Schachen eine wüste Schlägerei mit Albanern. In zwei weiteren Fällen nahmen sie Jugendlichen Sackgeld ab und erleichterten einen angeblichen Drogendealer um 1300 Franken.

Verteidigung forderte mildere Strafen

Die Urteile gegen zwei weitere Angeklagte - einen Bosnier und einen Iraker -, die sich ebenfalls an der Schlägerei mit den Militärs beteiligt hatten, werden schriftlich eröffnet. Der Gerichtspräsident machte jedoch in der Urteilsbegründung klar, dass es keinen Grund gebe, die «milden Anträge» der Anklage von drei Monaten Gefängnis zu unterschreiten.

Die Verteidigung der insgesamt sieben Angeklagten hatte deutlich mildere Strafanträge zwischen 2 und 12 Monaten und in zwei Fällen Freisprüche gefordert. Wegen des übermässigen Alkohlkonsums sei die Zurechnungsfähigkeit der jungen Ausländer leicht vermindert gewesen.

Schweres Unrecht

Das Gericht beurteilte die Schlägerei mit den Militärpersonen jedoch als «grobes und schweres Unrecht». Den Verurteilten sei es darum gegangen, ihren Frust am Gastgeberland abzureagieren. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sich die Militärpersonen ungebührlich verhalten hätten.

Wer sich an einer Schlägerei beteilige, müsse in Kauf nehmen, dass er in jedem Fall wegen Raufhandels verurteilt werde, sagte der Gerichtspräsident. Die Aussage von drei Angeklagten, sie hätten nur eingegriffen, weil sie die Schlägerei hätten beenden wollen, wertete das Gericht als Schutzbehauptung.

Der Akohol sei zudem kein Strafmilderungsgrund. Bei keinem der Täter sei ein derart hoher Blutlakoholwert festgestellt worden, dass er nicht hätte als Boxer in den Ring steigen können.

Grobe Schlägerei

Der Vorfall in Aarau hatte sich am 6. August 2001 ereignet. Die jungen Ausländer fühlten sich nach eigenen Angaben durch eine Gruppe von 10 bis 14 Rekruten, die sich vor dem McDonalds in ihrer Nähe aufhielt, provoziert.

Nach einer verbalen Auseinandersetzung gingen die stark alkolisierten Ausländer mit Fausthieben und Fusstritten auf die Militärangehörigen los. Bei der Schlägerei wurden laut der Anklage auch ein Baseballschläger, ein Ledergurt und Mobiliar einer Gartenwirtschaft eingesetzt.

Fünf Unteroffiziere der in der Kaserne Aarau untergebrachten Infanterieschule, die den Rekruten zu Hilfe eilten, wurden leicht verletzt. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung und Bevölkerungsschutz (VBS) empfahl nach dem Vorfall in Aarau den Rekruten, nur noch in Gruppen in den Ausgang zu gehen. (sda)

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