US-Studie: Bedrohung durch Muslime wird aufgebauscht
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US-StudieBedrohung durch Muslime wird aufgebauscht

Die Gefahr durch radikalisierte US-Muslime wird übertrieben dargestellt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie zweier amerikanischer Universitäten. Hauptgrund ist die Selbstkontrolle durch muslimische Gemeinden.

von
pbl

Der Amokläufer von Fort Hood ist ein Muslim. Im Dezember wurden fünf muslimische Amerikaner in Pakistan verhaftet, die angeblich Terroranschläge planten. Zwei Beispiele, die für eine wachsende Gefährdung durch US-Muslime hindeuten könnten. Eine vom Justizministerium in Washington in Auftrag gegebene Studie der Duke University und der University of North Carolina widerlegt diese Befürchtungen.

Demnach haben seit den Anschlägen vom 11. September 2001 139 amerikanische Muslime – vorwiegend junge Männer – Terrorakte begangen oder angestrebt. Charles Kurzman von der University of North Carolina betonte, dass seit 9/11 rund 136 000 Morde in den USA verübt worden seien: «Weniger als drei Dutzend waren die Folge von muslimisch-amerikanischem Terrorismus.» Als Hauptgrund sehen die Autoren der Studien die Selbstkontrolle in den muslimischen Gemeinden der USA.

«Viele Gemeindeführer haben erkannt, dass Radikalisierung eine bedeutende Gefahr ist, weshalb sie dagegen ankämpfen», sagte Ebrahim Moosa, ein Religionsprofessor an der Duke University und Ko-Autor der Studie. Dazu gehöre die Konfrontation mit jenen, die radikale Ansichten äussern oder Terrorismus unterstützen, sowie der Benachrichtigung der Behörden, falls Grund zur Sorge bestehe. Teilweise wurden auch Jugendprogramm geschaffen, um jenen zu helfen, die sich anfällig für radikale Ideen zeigen.

Zunehmende Spannungen

Allerdings spielt die Studie das Problem auch nicht herunter. So entfielen von den 139 Fällen ganze 41 auf das letzte Jahr. Es sei zu früh, um zu sagen, ob dies einen Trend markiere. Es gebe jedoch seit 9/11 zunehmend Spannungen zwischen den Muslimen und dem Mainstream der US-Gesellschaft. Muslimische Amerikaner hätten zwar Verständnis für Anti-Terror-Massnahmen, sie hielten jedoch einige für diskriminierend und seien verärgert, dass unschuldige amerikanische Muslims darunter zu leiden hätten.

Die Studie, die auf Interviews mit 120 Muslimen in vier US-Städten basiert, empfiehlt der Regierung eine verstärkte Zusammenarbeit mit den muslimischen Gemeinden, und zwar nicht nur bei der Strafverfolgung, sondern auch in Bereichen wie Gesundheit, Erziehung und Verkehr. Wichtig sei auch die Durchsetzung der Bürgerrechte. Die Forscher kommen zum Schluss, «dass jene Initiativen am ehesten Erfolge versprechen, die amerikanische Muslime als Teil der Lösung des Problems behandeln».

Muslime in Amerika

Wie viele Muslime in den USA leben, ist nicht bekannt. Offizielle Statistiken gibt es nicht, weil die Religion zur Privatsphäre gehört. Schätzungen reichen von 1,3 Millionen bis sieben Millionen. Das wären nur 0,4 bis 2,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die islamische Einwanderung war mit jährlich bis zu 100 000 Menschen in den vergangenen Jahren allerdings so hoch wie nie zuvor. Bereits vor zwei Jahren zeigte eine Studie, dass US-Muslime trotz 9/11 besser integriert sind als jene in Europa, zum einem weil die Gesellschaft durchlässiger ist, und zum anderen weil Minarett- oder Kopftuch-Verbote als unzulässiger Eingriff in die religiöse Freiheit betrachtet werden.

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