Befreiungsschlag für Schindler in Japan
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Befreiungsschlag für Schindler in Japan

Ein Bezirksgericht in Tokio hat nach einem tödlichen Liftunfall einen Schindler-Mitarbeiter freigesprochen. Der Fall hat das Schweizer Unternehmen jahrelang belastet.

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fal
Aufatmen bei Schindler: Der tödliche Lift-Unfall von 2006 in Tokio hat die Schweizer Firma in Japan jahrelang belastet. (Archiv)

Aufatmen bei Schindler: Der tödliche Lift-Unfall von 2006 in Tokio hat die Schweizer Firma in Japan jahrelang belastet. (Archiv)

Neun Jahre nach einem Liftunfall mit tödlichem Ausgang in Tokio hat das Bezirksgericht der japanischen Hauptstadt heute einen Mitarbeiter der Firma Schindler freigesprochen. Drei Angeklagte eines anderen Unternehmens wurden zu 14 bis 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Der Schweizer Lift- und Fahrtreppenhersteller Schindler in Ebikon LU begrüsste in einer Mitteilung den «vollumfänglichen Freispruch» ihres angeklagten Servicetechnikers und äusserte sich erleichtert darüber. Der Gerichtsentscheid sei «der Abschluss eines detaillierten und komplexen Strafverfahrens mit umfangreichen technischen Analysen».

Während Jahren in der Kritik

2006 war ein 16-jähriger Jugendlicher im Takeshiba-Hochhaus in der Tokioter Präfektur Minato ums Leben gekommen. Er wollte den Lift im 12. Stock mit einem Velo verlassen, als sich der Aufzug trotz geöffneter Türen weiter nach oben in Bewegung setzte.

Der Junge wurde eingeklemmt und erlag seinen Verletzungen. Schindler stand danach in der japanischen Öffentlichkeit während Jahren in der Kritik und erlitt einen Einbruch des Geschäfts. Das Management drückte in der Folge sein Bedauern mehrfach aus. Konstruktionsfehler konnten Schindler nicht nachgewiesen werden.

Schindler nicht zuständig für die spätere Kontrolle

Der Richter begründete den Freispruch des Schindler-Mitarbeiters laut einem Bericht der japanischen Rundfunkgesellschaft damit, dass die Bremsen des Lifts normal funktionierten, als die Hersteller diese 2004 zuletzt geprüft hatten. Bei den Verurteilten handelt es sich um Mitarbeiter einer Wartungsfirma, ohne Bezug zu Schindler. Sie waren demnach zum Zeitpunkt des Unfalls für die Kontrolle zuständig.

Der freigesprochene japanische Staatsangehörige ist weiterhin für Schindler tätig, wie Sprecherin Barbara Schmidhauser auf Anfrage erklärte. Er hatte zusammen mit einem weiteren Angestellten 2013 vor Gericht auf nicht schuldig plädiert. Der Mitangeklagte ist im Laufe des Prozesses verstorben. (fal/sda)

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