20.10.2020 08:45

Vorbild WalesBefristeter Lockdown – eine Option für die Schweiz?

Ab Freitag kehrt Wales für 17 Tage in den Lockdown zurück. Für die Schweiz stellt dieses Szenario lediglich eine Notlösung dar.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Ab Freitag, 23. Oktober 2020, zurück im Lockdown: Wales. 

Ab Freitag, 23. Oktober 2020, zurück im Lockdown: Wales.

REUTERS
Die Massnahme sei bis zum 9. November 2020 befristet, teilte die walisische Regierung mit. 

Die Massnahme sei bis zum 9. November 2020 befristet, teilte die walisische Regierung mit.

REUTERS
Grund dafür ist die zuletzt massiv gestiegene Zahl an Covid-Fällen im Land.

Grund dafür ist die zuletzt massiv gestiegene Zahl an Covid-Fällen im Land.

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Darum gehts

  • Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, geht Wales am Freitag in einen temporären Lockdown.

  • Für 17 Tage müssen alle Waliser – bis auf wenige Ausnahmen – zu Hause bleiben.

  • Die Schweiz sollte diesem Beispiel nur im Notfall folgen.

  • Drei Experten aus der Schweiz geben Auskunft über bessere Massnahmen.

Die walisische Regierung hat am Montag einen kurzen, aber äusserst harten Lockdown angekündigt: Am Freitag wird in Wales jeder «dazu verpflichtet sein, zu Hause zu bleiben», so Regierungschef Mark Drakeford. Ausgenommen von der auf 17 Tage begrenzten Ausgangssperre seien nur Mitarbeiter absolut notwendiger Einrichtungen.

Grund für die drastischen Massnahmen: die zuletzt massiv gestiegene Zahl an Covid-Fällen im Land. Durch den sogenannten Circuit-Break soll die Ausbreitung des Coronavirus gebremst und das Gesundheitswesen vor dem Kollaps bewahrt werden.

Notlösung, um kompletten Lockdown zu verhindern

Obwohl auch hierzulande die Zahlen kontinuierlich steigen, stellt ein solches Szenario für die Schweiz nur eine Notlösung dar, «um einen kompletten Lockdown zu verhindern», sagt Olivia Keiser, Epidemiologin an der Universität Genf. Damit könnte man die Fallzahlen auf ein tieferes Niveau bringen, um sicherzustellen, dass das Contact-Tracing wieder funktioniere und die Spitäler nicht überlastet würden. Ausreichend sei das aber nicht: «Parallel braucht es eine längerfristige Strategie: Sonst droht nach dem Circuit-Break wieder ein neuer Anstieg der Fälle.»

Auch Infektiologe Philippe Eggimann, Präsident der Westschweizer Ärztegesellschaft, sieht einen temporären Lockdown nur als Behelfsmöglichkeit, die nach Möglichkeit verhindert werden sollte: «Einen solchen auszurufen, wäre nicht ehrlich. Denn niemand kann sagen, wie lange er tatsächlich dauern würde.» Allerdings sei ein Circuit-Break immer noch besser als ein weiterer unbefristeter Lockdown. «Das würde die Wirtschaft kaum verkraften.»

«Die zweite Welle ist härter und dauert länger»

Eggimann empfiehlt der Politik nun, klar und transparent zu kommunizieren und zuzugeben, «dass sie nach dem Sommer zu optimistisch und nun zu langsam war». Die kommenden Massnahmen sollten auf wissenschaftlichen Argumenten basieren, unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und sozialer Aspekte. Weiter sei es an der Zeit, der Bevölkerung zu danken, dass sie bisher so gut mitgemacht habe. «Weil sie sich während der ersten Welle und dem Lockdown gut an die Massnahmen gehalten hat, fiel dieser so kurz aus. Deshalb – und durch das Stoppen von geplanten OPs – haben auch die Spitalkapazitäten gereicht», so Eggimann.

Diesen Unterbruch der Eingriffe gelte es diesmal zu vermeiden, denn «im Gegensatz zur ersten Phase, die kurz war, ist die zweite von unbestimmter Dauer. Von früheren Pandemien wissen wir: Die zweite Welle ist härter und dauert länger.»

Blick über den Tellerrand

Weiter könne es hilfreich sein, sich mit den Nachbarländern zu koordinieren und sich gegebenenfalls von diesen etwas abzuschauen. «Ein nächtlicher Lockdown wie in Frankreich wäre ein geringeres Übel als ein vollständiger Lockdown und könnte etwa der nächste Schritt sein, um das Virus einzudämmen.»

Dieser Meinung ist auch der Tessiner Infektiologe Christian Garzoni: «Statt die Bevölkerung mit einer erneuten Ausgangssperre zu belegen, sollte man besser ab sofort alle Massnahmen beschliessen, die Gefahren bannen und für die man nicht seine Freiheiten aufgeben muss.» Das wären etwa die vorübergehende Schliessung von Clubs oder die Ausweitung der Maskenpflicht von allen öffentlichen Gebäuden auf alle geschlossenen Räume wie Büros. «Das wäre für alle leichter zu ertragen, als wenn man ganz auf Kontakte verzichten muss.»

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1236 Kommentare
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Nerv121

21.10.2020, 17:02

An die Hausaerzte Teste mal Masken auf Covid-19.

Illuminati

21.10.2020, 15:17

masken weg, jetzt.

Berni

21.10.2020, 14:22

Bin ich noch rechtzeitig nach Brasilien abgehauen :D