Begehen US-Truppen Kriegsverbrechen?
Aktualisiert

Begehen US-Truppen Kriegsverbrechen?

Die US-Truppen in Irak begehen nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit der Zerstörung von Häusern mutmasslicher Rebellen und mit Festnahmen von Angehörigen Aufständischer Kriegsverbrechen.

Die US-Armee wies diese Darstellung entschieden zurück. Nahe der westirakischen Stadt Habbanijah wurde am Dienstag wieder ein US-Hubschrauber abgeschossen. Die beiden Insassen wurden aber nicht verletzt. Im schiitischen Süden kam es in Kut den zweiten Tag in Folge zu Protesten gegen die Besatzungstruppen.

Die in New York ansässige Menschenrechtsgruppe erklärte, US-Truppen hätten in mindestens vier Fällen Häuser von Irakern ohne ersichtlichen militärischen Grund alleine deshalb zerstört, um die Familien der Rebellen zu bestrafen. Weiter warf Human Rights Watch den US-Truppen Entführungen in zwei Fällen vor. In dem einen Fall handele es sich um die Frau und die Tochter von Issat Ibrahim el Duri, dem inzwischen meistgesuchten Vertreter des früheren Regimes von Saddam Hussein. Beide seien vor sechs Wochen festgenommen worden und weiter ohne Anklage in US-Gewahrsam.

US-Militärsprecher Oberst William Darley wies die Vorwürfe zurück. Häuser würden nur zerstört, wenn sie als Waffenlager oder bei einem Angriff benutzt worden seien. «Der Vorwurf, dass Häuser als kollektive Strafmassnahme zerstört würden, ist falsch», betonte Darley. Auch würden Personen nur festgenommen, wenn sie als Verdächtige gälten. Zum Fall der Frau und Tochter von el Duri wollte er sich aber nicht äussern. In ihrem Fall gebe es «besondere Umstände».

Militärexperten haben schon darauf verwiesen, dass das Vorgehen der US-Truppen in Irak in letzter Zeit immer mehr dem israelischen Vorgehen in den besetzten palästinensischen Gebieten ähnele. Menschenrechtsgruppen werfen auch Israel Verstösse gegen die Genfer Konventionen und damit Kriegsverbrechen vor.

In der südirakischen Stadt Kut forderten hunderte Demonstranten mehr Nahrungsmittel und Arbeit. Ukrainische Soldaten schossen in die Luft, um Menschenansammlungen aufzulösen. Nach Angaben aus Krankenhäusern wurden ein Mann getötet und zwei Personen verletzt.

Weiterer US-Soldat getötet

In Bagdad schossen Soldaten eines US-Konvois auf ein mit Zivilpersonen besetztes Auto und töteten dabei den Fahrer und einen Zehnjährigen, wie Verwandte der Opfer erklärten. Unmittelbar zuvor war neben dem Konvois eine Bombe explodiert, wobei ein US-Soldat getötet wurde. Aus einem weiteren Fahrzeug heraus sei dann wahllos das Feuer eröffnet worden, berichteten Iraker.

In Falludscha eröffneten US-Soldaten nach einem Raketenangriff das Feuer und erschossen zwei Menschen. Bei den Opfern handelte es sich um eine Frau, die im Haus ihrer Schwester von einer Kugel getroffen wurde, und um einen Mann, der in einem Wagen sass.

Ein Sprecher der US-Armee sagte unterdessen in Tikrit, einem Untersuchungsbericht zufolge hätten Koalitionstruppen wahrscheinlich Anfang Januar ein Taxi mit Zivilpersonen beschossen. Bei dem Vorfall kamen vier Iraker ums Leben. Es sei schwierig, den Schützen ausfindig zu machen, hiess es.

Der US-Kampfhubschrauber wurde westlich von Bagdad abgeschossen. Bereits am 2. und am 8. Januar wurden in der Region US-Helikopter abgeschossen, dabei kamen insgesamt zehn Soldaten ums Leben. (dapd)

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