Begleiter der Ex-Freundin mit Jagdgewehr angeschossen
Aktualisiert

Begleiter der Ex-Freundin mit Jagdgewehr angeschossen

Zu drei Jahren Zuchthaus hat das Bezirksgericht Frauenfeld Ende 2005 einen heute 27-jährigen ehemaligen Barkeeper verurteilt.

Er erschoss 2003 den Begleiter seiner Ex-Freundin. Gegen dieses Urteil zogen alle beteiligten Parteien vor Obergericht.

Verurteilt wurde der damalige Barkeeper wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Tötung. Damit waren weder Staatsanwalt noch Verteidigung einverstanden. Für den Staatsanwalt handelt es sich um vorsätzliche Tötung. Der Verteidiger dagegen sieht in der gleichen Tat Notwehr.

Zwischen Freispruch und 7 Jahren Freiheitsstrafe

Deshalb beantragte der Verteidiger am Dienstag vor Obergericht Freispruch wegen des tödlichen Schusses und eine Verminderung der übrigen Strafe auf ein Mass, das den bedingten oder teilbedingten Vollzug zulässt. Der Staatsanwalt dagegen plädierte auf sieben Jahre Freiheitsstrafe. Das Urteil steht noch aus.

Die Tat geschah in der Nacht auf den 3. Oktober 2003 in der Wohnung des Angeklagten oberhalb einer Bar in der Frauenfelder Altstadt. Der damalige Barkeeper schoss mit einem Jagdgewehr und Deformationsmunition auf einen Begleiter seiner Ex-Freundin. Durch den Schuss wurden Arterie und Vene im Oberschenkel zerissen. Das Opfer starb drei Tage später im Spital.

Sie wollte eine Agenda und CDs holen

Die damals 17-jährige, drogenabhängige Frau war aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Am Tatabend hatte sie erfolglos versucht, CDs und eine Agenda aus der ehemals gemeinsamen Wohnung zu holen. Dies hatte der Angeklagte nicht zugelassen.

Daraufhin kehrte sie einige Zeit später in Begleitung ihres neuen Freundes und eines weiteren Begleiters zurück. Die drei verschafften der Frau Zutritt zur Wohnung. Der Angeklagte reagierte darauf indem er ein Winchester-Jagdgewehr holte, mit der Frau stritt und dann direkt vor ihr in den Fussboden schoss.

Was danach kam, ist umstritten. Fest steht, dass der Angeklagte kurz darauf das Gewehr gegen einen der beiden Begleiter der Frau richtete und ihn in den Oberschenkel schoss.

Tödliche Verletzung in Kauf genommen?

Die Anklage geht davon aus, dass die Begleiter der jungen Frau die Wohnung erst betraten, nachdem sie den Schuss in den Boden gehört hatten. Sie hätten der 17-Jährigen zu Hilfe eilen wollen.

Als der später Erschossene bereits wieder dabei gewesen sei, vor der Waffe den Rückzug aus der Wohnung anzutreten, habe der Angeklagte geschossen. Dabei habe er die tödliche Verletzung vielleicht nicht beabsichtigt, aber in Kauf genommen.

Hatte der Schütze Angst?

Der Verteidiger zeichnete ein völlig anderes Bild der Tat. Danach fühlte sich der Schütze von den Begleitern seiner Ex- Freundin bedroht. Den neuen Freund der Frau habe er als Drogendealer gekannt, der später erschossene Begleiter sei sehr gross und kräftig gewesen.

Der später Erschossene habe zudem beim Rückzug nach hinten gegriffen. Der Angeklagte habe damit gerechnet, dass er eine Waffe ziehe. Deshalb habe der Angeklagte in Notwehr oder in Putativ- Notwehr (vorsorgliche Notwehr) geschossen. Beide Männer waren unbewaffnet gewesen.

(sda)

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