Propaganda im Fokus: Behauptungen, wonach die Ukraine Bücherverbrennungen plant, sind falsch

Aktualisiert

Propaganda wird verbanntBehauptungen, wonach die Ukraine Bücherverbrennungen plant, sind falsch

In den sozialen Medien kursiert das Gerücht, in der Ukraine sollen angeblich alle russischsprachigen Bücher verbrannt werden. Doch das stimmt nicht.

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Die Behauptung, der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski habe die Verbrennung «aller russischsprachigen Bücher» anordnen lassen, ist falsch. 

Die Behauptung, der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski habe die Verbrennung «aller russischsprachigen Bücher» anordnen lassen, ist falsch. 

Screenshot Facebook
Sie verbreitet sich derzeit unter anderem auf Facebook. Die Plattform hat die entsprechenden Posts bereits als «Fehlinformation» gekennzeichnet. 

Sie verbreitet sich derzeit unter anderem auf Facebook. Die Plattform hat die entsprechenden Posts bereits als «Fehlinformation» gekennzeichnet. 

Screenshot Facebook
Die Ukraine hat seit Beginn des russischen Angriffs zwei Vorhaben zum Umgang mit bestimmten Büchern umgesetzt: Am 5. Mai wurde bekanntgegeben, dass russischsprachige «Propaganda-Literatur» aus den Bibliotheken entfernt werden solle. Am 19. Juni beschloss das Parlament, dass keine Druckwerke aus Russland und Belarus mehr in die Ukraine importiert werden dürfen. (Im Bild: Wernadskyj-Nationalbibliothek der Ukraine, Kiew, 2017)

Die Ukraine hat seit Beginn des russischen Angriffs zwei Vorhaben zum Umgang mit bestimmten Büchern umgesetzt: Am 5. Mai wurde bekanntgegeben, dass russischsprachige «Propaganda-Literatur» aus den Bibliotheken entfernt werden solle. Am 19. Juni beschloss das Parlament, dass keine Druckwerke aus Russland und Belarus mehr in die Ukraine importiert werden dürfen. (Im Bild: Wernadskyj-Nationalbibliothek der Ukraine, Kiew, 2017)

Wikimedia Commons/PD

Darum gehts

  • Online verbreitet sich die Behauptung, der ukrainische Präsident habe die Verbrennung russischer Bücher in Auftrag gegeben. 

  • Belege für eine solche Anordnung gibt es jedoch nicht. 

  • Das angebliche Beweisbild ist schon mehrere Jahre alt. 

  • Was aber stimmt: Kiew lässt «russische Propaganda-Literatur» aus den Bibliotheken entfernen.

Hört man von Bücherverbrennungen, verbindet man das in der Regel mit den Nationalsozialisten (siehe Bildstrecke). Aktuell wird der Ukraine vorgeworfen – etwa hier – auf diese Weise gegen die gesamte russische Literatur vorzugehen. Das aber ist haltlos.

Behauptung

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski habe die Verbrennung «aller russischsprachigen Bücher» anordnen lassen.

Bewertung

Falsch. Kiew lässt aber etwa «russische Propaganda-Literatur» aus den Bibliotheken entfernen.

Fakten

Die Ukraine hat nach dem Beginn des russischen Angriffs auf das Land zwei Vorhaben zum Umgang mit bestimmten Büchern umgesetzt: Am 19. Juni beschloss das Parlament, dass keine Druckwerke aus Russland und Belarus mehr in die Ukraine importiert werden dürfen. Darüber berichtet hatte etwa der ukrainische Abgeordnete Jaroslaw Schelesnjak auf seinem Telegram-Kanal. Bereits am 5. Mai wurde vom Kulturministerium bekanntgegeben, dass russischsprachige «Propaganda-Literatur» aus den Bibliotheken entfernt werden solle. Darunter fallen demnach etwa Texte, die den russischen Krieg gegen die Ukraine leugnen oder die territoriale Integrität des Landes in Frage stellen.

Es geht aber nicht um die gesamte russischsprachige Literatur. Was mit den entfernten Texten passieren soll, ist zwar unklar, eine Verbrennung aber wird nirgends erwähnt. Für eine angebliche offizielle Anweisung zur Zerstörung aller russischsprachigen Bücher in der Ukraine gibt es keinerlei Hinweise.

Zum Teil wird mit der Falschbehauptung auch das Foto eines Bücherhaufens in Flammen verbreitet. Doch diese Aufnahme ist schon spätestens seit 2014 auf Imgur.com zu finden, wie die Bilderrückwärtssuche mit TinEye.com ergibt. Entsprechend zeigt es sicherlich keine Bücherverbrennung im Jahr 2022.

Zudem trägt die Imgur-Seite den Titel «Russian Nazis in Crimes» (Russische Nazis auf der Krim) und auf mindestens zwei der abgebildeten brennenden Bücher steht in kyrillischen Buchstaben «Geschichte der Ukraine» (siehe Bildstrecke). Das deutet darauf hin, dass die damalige Verbrennung tatsächlich eher mit der Annexion der Krim 2014 im Zusammenhang steht und den Hintergrund hat, der Ukraine die Staatlichkeit abzusprechen.

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