Japan: Behörde kürzt Lohn – wegen drei Tattoos
Aktualisiert

JapanBehörde kürzt Lohn – wegen drei Tattoos

Eine Schulangestellte verstiess mit ihren Tätowierungen gegen den Ethik-Kodex der japanischen Metropole Osaka. Jetzt lässt sich die 23-Jährige den Körperschmuck weglasern.

von
kko
Frau mit Tribal-Tattoo: So dürfte sich eine Stadtangestellte in Osaka nicht blicken lassen.

Frau mit Tribal-Tattoo: So dürfte sich eine Stadtangestellte in Osaka nicht blicken lassen.

Drei 2,5 Zentimer grosse Tattoos zieren seit Anfang 2013 Oberarm und Knöchel einer 23-jährigen Schulangestellten aus der japanischen Metropole Osaka. «Ich habe sie mir aus Modegründen machen lassen. Ich dachte, es sei kein Problem, solange man diese unter den Kleidern verstecken könne», zitiert sie der Asienspiegel.

Ist es offenbar doch. Das städtische Bildungsdepartement erhielt einen anonymen Hinweis über den Körperschmuck der jungen Frau und ging der Sache nach. Jetzt werden der Angestellten deswegen zehn Prozent eines Monatslohns abgezogen – als Diziplinarmassnahme.

Solche sind in der 2,6-Millionen-Stadt seit Juni 2012 erlaubt. Dafür hatte Bürgermeister Toru Hashimoto extra den Ethik-Kodex überarbeiten lassen, wonach Stadtangestellten das Anbringen neuer Tattoos verboten ist.

Die 23-Jährige hat ihre Strafe offenbar akzeptiert und versprochen, sich die Tätowierungen chirurgisch entfernen zu lassen.

Tattoofeindlicher Bürgermeister

Hashimoto sind Tätowierungen und insbesondere tätowierte Beamte ein Dorn im Auge. So hatte er vor der Revision des Ethik-Kodex einen Fragebogen an die Stadtangestellten verschickt, in dem sie mögliche Tattoos an Armen und Beinen auflisten sollten.

Es dürfe nicht sein, dass Beamte, die täglich in direktem Kontakt mit der Bevölkerung stünden, während der Arbeit ihre Tätowierung zur Schau stellten. Er werde keine Körperbemalung bei Beamten dulden – schon gar nicht aus Modegründen, teilte der 44-Jährige mit. Solche Leute sollten sich am besten einen neuen Arbeitgeber suchen. Die Meldung hatte für grosse Aufregung gesorgt und war ausgerechnet vom Bildungsdepartement als Eingriff in die Privatsphäre kritisiert worden.

Mit Tattoo kein Sauna-Besuch möglich

Hashimotos Ablehnung des Körperschmucks hat aber wohl nicht nur persönliche Gründe. In Japan werden Tattoos traditionell mit der Mafia, der Yakuza, in Verbindung gebracht. Weil in der Region Kansai, zu der auch Osaka gehört, die zwei grössten Yakuza-Clans ansässig sind, sei dort die Sensibilisierung besonders gross, schreibt der Asienspiegel.

In der japanischen Gesellschaft sei dieser Körperkult entsprechend verpönt, so werde Tätowierten etwa der Eintritt in öffentliche Anlagen wie Saunas verboten. Doch viele junge Japaner lassen sich davon nicht mehr abschrecken und folgen lieber den Modetrends.

Haben Sie schon ähnliche Erfahrungen gemacht, weil Sie tätowiert sind? Melden Sie sich: feedback@20minuten.ch

Deine Meinung