Rapperswil-Jona: Behörde nimmt Mutter achtjährigen Sohn weg
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Rapperswil-JonaBehörde nimmt Mutter achtjährigen Sohn weg

Im Februar beauftragte die Kesb die Polizei, einen achtjährigen Knaben in seiner Schule abzuführen. Seitdem weiss die verzweifelte Mutter nicht, wo ihr Sohn ist.

von
jeh
Im Schulhaus Weiden führten die Polizisten den achtjährigen Samuel ab.

Im Schulhaus Weiden führten die Polizisten den achtjährigen Samuel ab.

Kein Anbieter/Katharina Wernli Phothography

Seit dem 7. Februar weiss die 41-jährige Denise Keller aus Jona nicht, wo ihr Sohn Samuel* ist. Grund: Die Polizei hat ihn im Auftrag der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth im Schulhaus Weiden abgeführt. «Am schlimmsten ist die Ohnmacht», sagt Keller gegenüber den «Obersee-Nachrichten». Mehrere Zusammenbrüche hat die Mutter seither erlitten, achtmal musste sich Keller Infusionen stecken lassen. Und mit der Mutter des Knaben leidet auch dessen Grossmutter Anni Keller.

Zweifel an der Mutter

Angefangen hatte alles mit einem Streit um den Vaterbesuch. Nach den Besuchen mit seinem Vater habe sich Samuel immer seltsam verhalten. Laut der Grossmutter kein Wunder: «Sein Vater sass wegen Drogendelikten in Untersuchungshaft», so Anni Keller gegenüber 20 Minuten. Einmal habe Samuel seinen Vater sogar im Wald gesucht, während dieser in Clubs und Bars unterwegs gewesen sei. Aufgrund dieser Tatsachen schaltete die Mutter eine Kinderpsychiaterin ein.

Wie die Grossmutter sagt, war diese zum Ergebnis gelangt, dass das Kind sexuell misshandelt wurde. Die Kesb wollte von dem Ganzen aber nichts wissen und begann an der Mutter zu zweifeln. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie ihre Mutterpflichten nicht erfüllen könne, weil sie zu 100 Prozent arbeite. Tagsüber kümmerte sich die Grossmutter um den Buben.

Polizei führt Samuel in Schule ab

Die Kesb wollte daraufhin Samuel in der Schule mitnehmen, scheiterte allerdings, weil sich dessen Lehrerin wehrte. Der Achtjährige konnte deshalb zu seiner Grossmutter fliehen. «Als er bei mir ankam, war er ausser Atem. Er konnte kaum sprechen», sagt die Grossmutter. Dann der Schock für die Mutter: Am Morgen des 7. Februar betraten zwei Polizisten das Schulzimmer im Joner Schulhaus Weiden und führten den Achtjährigen vor den Augen seiner Mitschüler ab.

Danach rief die damalige Kesb-Chefin Johanna Gämperli bei Anni Keller an und sagte: «Samuel kommt nicht nach Hause. Wir haben Ihrer Tochter die Obhut entzogen.» Man habe den Jungen bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Einmal pro Woche telefonieren

Einige Wochen später erhielt die Mutter einen Brief von der Kesb, in dem stand, dass Kleider und der Krankenkassen-Ausweis von Samuel benötigt würden. Er leide an einem Pilzbefall. Nach rund einem halben Jahr der Ungewissheit durfte Denise Keller ihren Sohn im August zum ersten Mal sehen – unter Aufsicht der Kesb und an einem neutralen Ort. Doch dann der erneute Schock für die 41-jährige Mutter. Ihr wurde das Besuchsrecht wieder entzogen, weil Samuel an Heimweh litt und deshalb nicht zur Schule konnte. Nur noch einmal hat Keller ihren Sohn seit dem Besuchsverbot gesehen. Wenigstens darf sie jeden Mittwoch von 18 bis 18.30 Uhr mit ihm telefonieren – wiederum unter Aufsicht der Kesb.

Ob sie ihren Samuel jemals wiedersieht, weiss die Mutter nicht. Der Fall ist zurzeit bei der Justiz in St.Gallen hängig. Dies bestätigt Stefan Zürn, Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission, auf Anfrage.

Walter Grob, Präsident der Kesb Linth, kann auf Grund seiner Schweigepflicht keine Stellung zum Fall von Samuel nehmen. Wie er allerdings sagt, werde die Polizei nur in Notfällen zur Hilfe geholt. «Wenn sich eine Person trotz mehrmaliger Aufforderung weigert, unseren Einladungen Folge zu leisten, können wir die Polizei einschalten», so Grob. Die Kinderpsychiaterin war für 20 Minuten nicht zu erreichen.

SVP St. Gallen schockiert von KESB-Massnahmen

Bereits Ende September machte die KESB Linth Schlagzeilen, als herauskam, dass ein 14-Jähriger aus Schmerikon SG ein Jahr auf einem Segeltörn auf dem Meer verbringt. Das Ganze für 142'000 Franken im Jahr. Die KESB entzog der Mutter des renitenten Teenagers die Obhut des Jungen und schickte ihn auf das «Jugendschiff». Sie hätte ihn lieber auf ein Internat geschickt, dass mehr als halb so wenig gekostet hätte.

Die SVP St. Gallen möchte das Modell der KESB nun auf kantonaler Ebene anpassen. «Wir sind von einigen Massnahmen der KESB schockiert», sagt Kantonsrat Michael Götte von der SVP. Dazu komme, dass die KESB zu kostenspielig sei. Deshalb hat man Mitte September zusammen mit der CVP und FDP St. Gallen einen parlamentarischen Vorstoss eingereicht.

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